"Schauspieler müssen arbeiten": Diesen Kriegsfilm hat Hollywood-Legende Paul Newman nur fürs Geld gemacht
Sebastian Groß
Sebastian Groß
-Freier Autor
Manchmal fühlt er sich alt, weil er damals „The Big Lebowski“ oder „Matrix“ zum Kinostart gesehen hat. Andererseits konnte er damals „The Big Lebowski“ und „Matrix“ zum Kinostart sehen. Zum Glück behält er das für sich, außer jemand fragt ihn. Jetzt fragt ihn halt endlich.

Mit ehrlichen Worten erklärte Leinwand-Ikone Paul Newman, warum er eine seiner weniger glanzvollen Rollen annahm. Wie offen er über seine Motivation sprach, ist bis heute bemerkenswert.

Ehrlichkeit ist eine Tugend – gerade in Hollywood, wo die PR-Maschinerie oft so glatt läuft, dass beim Publikum schnell der Eindruck entsteht: „Hm, glaub ich nicht.“ Wie oft hat man schon Stars in Interviews gesehen, die treuherzig versichern, dass der gerade beworbene Film „der beste ihrer Karriere“ sei – ganz gleich, wie durchwachsen das Ergebnis am Ende auf der Leinwand wirkt?

Paul Newman gehörte da zu einer anderen Sorte Schauspieler. Der 2008 verstorbene Leinwand-Gigant war nicht nur für sein außergewöhnliches Talent bekannt, sondern auch dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nahm – selbst wenn seine Offenheit nicht jedem gefiel. Doch genau diese aufrichtige Art war es, die ihn über Jahrzehnte hinweg beim Publikum so beliebt machte.

Paul Newman war ehrlich - und erfolgsverwöhnt

Und geschadet hat ihm seine Unverblümtheit ohnehin nicht: In seiner beeindruckenden, über sechs Jahrzehnte umspannenden Karriere wirkte Newman in mehr als 60 Filmen mit – darunter unvergessene Klassiker wie „Der Clou“ (1973) oder „Flammendes Inferno“ (1974). Gerade Letzteren bezeichnete Newman selbst einmal lakonisch als „Junk Movie“, was sich grob mit „Schundfilm“ übersetzen lässt – und das, obwohl es sich dabei um einen der größten Blockbuster der 1970er handelte.

Der aufwändige Katastrophenfilm gewann drei Oscars, wurde in fünf weiteren Kategorien – darunter „Bester Film“ – nominiert und spielte weltweit beachtliche 203 Millionen US-Dollar ein. Inflationsbereinigt entspräche das heute einem Einspielergebnis von rund 1,39 Milliarden US-Dollar. Newman hatte den Film zwar vor allem des Geldes wegen angenommen – und war sich dessen vollkommen bewusst –, doch das Ergebnis konnte sich dennoch sehen lassen.

Nicht jede finanziell motivierte Rolle erwies sich jedoch als ähnlich erfolgreich. Ein gutes Beispiel dafür ist der komödiantische Kriegsfilm „Der Etappenheld“ (Originaltitel: „The Secret War of Harry Frigg“) aus dem Jahr 1967. Die Kriegssatire floppte an den Kinokassen – und das, obwohl Newman zur damaligen Zeit bereits als Star mit Zugkraft galt.

"Der Etappenheld": Ein Misserfolg in einer Reihe aus Hits

In „Der Etappenheld“ spielt Newman einen vorlauten US-Soldaten, der zum Major befördert wird – allerdings nur, um eine heikle Sondermission zu erfüllen: Er soll eine Gruppe alliierter Generäle aus deutscher Gefangenschaft befreien. Was folgt, ist ein Reigen absurder Situationen, in denen der unkonventionelle Einzelgänger eher improvisiert als strategisch vorgeht – inklusive romantischer Verwicklungen mit einer adeligen Gastgeberin.

Trotz des Misserfolgs war der Film eingebettet zwischen einigen der größten Erfolge in Newmans Vita. Direkt zuvor hatte er in „Der Unbeugsame“ (1967) brilliert, wofür er eine Oscar-Nominierung erhielt. Im Anschluss folgte mit „Die Liebe eines Sommers“ (1968) sein erstes Regieprojekt – ebenfalls Oscar-nominiert – sowie 1969 der Western-Klassiker „Zwei Banditen“. Im Interview mit dem Rolling Stone (via FarOutMagazine) zeigte sich Newman rückblickend erstaunlich offen, was seine Beweggründe für die Rolle in Harry Frigg anging:

„Der Film ist letztlich gefloppt, aber ich habe ihn aus zwei Gründen gemacht“, so Newman. „Erstens dachte ich, ich könnte die Figur überzeugend spielen – aber beim Schnitt wurde vieles von der Charakterzeichnung entfernt und nur die One-Liner übriggelassen. Und zweitens: Ein Schauspieler muss arbeiten. Ich kann nicht vier Jahre lang auf das nächste spektakuläre Drehbuch wie bei ‚Zwei Banditen‘ warten. Ich dachte, Harry Frigg würde Spaß machen – und das tat er, zumindest ein Stück weit.“

Es waren also vor allem finanzielle Anreize und der Wunsch nach einem weniger ernsten Part, die Newman zu dieser Rolle bewegten. Ihm war klar, dass Harry Frigg kein filmhistorisches Meisterwerk werden würde – doch die Gelegenheit, zwischendurch einmal eine leichtere, verspieltere Figur zu verkörpern, war schlicht zu verlockend, um sie auszuschlagen. Und immerhin fand Schauspielerin und Newmans Ehefrau Joanne Woodward („Philadelphia“) den Film „sehr witzig“.

Ob Miss Woodward diesen FILMSTARTS-Artikel witzig findet, können wir euch nicht sagen – aber wir versichern euch, dass es äußerst spannend ist, welcher große Hollywood-Star einst als Statist in einem der besten Filme von Newmans Karriere zu sehen war:

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