Wohl kaum jemand, der „Inception” gesehen hat, verließ den Film, ohne dass ihm „Non, je ne regrette rien” inklusive des sich immer weiter drehenden Kreisels noch lange im Kopf nachhallte. Geschmettert wurde der französische Evergreen von Édith Piaf, die wohl mit Fug und Recht als die größte Chansonsängerin des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden kann.
Piafs Leben war geprägt von Armut, Schicksalsschlägen und Tragik: Sie wuchs zunächst hungernd bei ihrer Großmutter auf, dann in einem Pariser Bordell – später sollte sie ihre Tochter verlieren, ihre große Liebe Marcel Cerdan starb bei einem Flugzeugabsturz und sie selbst hatte bis zu ihrem frühen Tod mit Krankheit und Sucht zu kämpfen.
Den Schattenseiten ihres Lebens gegenübergestellt standen Glanz und Glamour der großen Bühnen – von wo aus sie das Publikum vom kleinen Pariser Nachtclub bis hin zur New Yorker Carnegie Hall begeisterte.
Es war ein Leben voller Extreme und Widersprüche, genau der Stoff also, aus dem Biopics sind. Und hier setzt auch Olivier Dahans „La Vie En Rose” an. In die Rolle der Piaf schlüpft Marion Cotillard, was nicht nur einen kleinen Full-Circle-Moment mit „Inception” mit sich bringt (wo die Französin die verstorbene Frau von Leonardo DiCaprios Figur spielte), sondern auch eine der mitreißendsten Verkörperungen einer realen Person überhaupt.
Nicht umsonst gewann Marion Cotillard für ihre Darstellung einen Oscar. Wie gut sie wirklich ist und wie hart Edith Piafs Leben in Rosé- und Schwarztönen euer Herz in die Mangel nimmt, das könnt ihr heute selbst erfahren, wenn „La Vie En Rose” um 20.15 Uhr auf Arte läuft – und das ohne störende Werbeunterbrechungen. Daneben kann der Film in dieser Woche außerdem kostenlos in der Arte Mediathek abgerufen werden.
Zwischen Glitzer und Hinterhöfen
Anstatt Édith Piafs Leben geradlinig zu erzählen, wird es in Erinnerungsfragmente aufgebrochen: Der Film erzählt wie im Rausch, der Piafs Leben eben auch war, von Kindheit, vom Aufwachsen in Bordellen, vom Singen auf Straßen, von Höhenflügen und von Abstürzen – von körperlichem Gebrechen, von Schmerz und Verlust.
Während Piaf in jungen Jahre von Pauline Brulet gespielt wird (und auch Gérard Depardieu in dieser Zeit mal am Rande auftauchen darf...), übernimmt Marion Cotillard ihre späten Jahre – eine große Herausforderung, die die damals 30-jährige nicht zuletzt auch dank hervorragender Maske mit Bravour meistert.
Über mehrere Lebensphasen hinweg also sehen wir Cotillard in ihrer Rolle nicht nur aufgehen, sondern förmlich verschwinden. Wenn sie etwa nach dem Flugzeugabsturz Marcel Cerdans verzweifelt durch das Hotelzimmer taumelt oder auf der Bühne die Schultern nach vorne zieht, den Körper krümmt und die Hände zu zittern beginnen, dann spürt man Piafs Fragilität ebenso wie ihre ungeheure Stärke.
Olivier Dahans „La Vie En Rose” ist kein leicht bekömmliches Feelgood-Movie. Er taucht Édith Piafs Leben in satte Farben, zeigt all ihre Zerrissenheit und Intensität, ohne zu idealisieren, lässt Schönheit und Schmerz ungefiltert aufeinander krachen. Ein Kontrast, wie die Piaf ihn lebte.
Mit Spannung erwartet wird derweil auch Antoine Fuquas Musiker-Biopic „Michael" mit Jaafar Jackson als Michael Jackson. Wann das Biopic in Deutschland im Kino zu sehen ist und welche Probleme es bei der Produktion gab, könnt ihr hier nachlesen:
Neuer Kinostart für Michael-Jackson-Blockbuster: Noch länger warten auf das 150-Millionen-Biopic [Update]