Mit seinem Fokus auf Qualität statt Quantität und seinen begnadeten Performances, die ihm ganze drei Oscars als Bester Hauptdarsteller eingebracht haben (für „Mein linker Fuß“, „There Will Be Blood“ und „Lincoln“) gilt Daniel Day-Lewis zweifellos als einer der größten Schauspieler unserer Zeit. Umso sehnlicher wird nun der nächste Film des 68-Jährigen erwartet – erst recht, da es sein erster nach acht Jahren ist, hatte er nach Paul Thomas Andersons „Der seidene Faden“ aus dem Jahr 2017 doch verkündet, sich von der Schauspielerei zurückzuziehen.
Für „Anemone“, das Regiedebüt seines Sohnes Ronan Day-Lewis, ist Daniel Day-Lewis nun aber aus dem Ruhestand zurückgekehrt (und hat obendrein auch erstmals in seiner Karriere an einem Drehbuch mitgeschrieben). Beim New York Film Festival hat „Anemone“ jetzt seine heißerwartete Weltpremiere gefeiert, in deren Anschluss nun die ersten Kritiken der Fachpresse veröffentlicht wurden. Und die Meinungen gehen dabei teils stark auseinander – außer in einem erwartbaren Punkt...
Ein polarisierender Film – mit gewohnt fantastischem Daniel Day-Lewis
Auf der Kritiken-Sammelseite Rotten Tomatoes kommt „Anemone“ aktuell auf einen Score von 64 Prozent positiven Besprechungen (bei bislang 25 erfassten Reviews, Stand: 29. September). Die wohlwollenden Stimmen überwiegen also ein wenig, allerdings muss das Mystery-Drama auch allerlei Kritik einstecken.
Diese kommt unter anderem von renommierten Branchenblättern wie Variety und The Hollywood Reporter, in deren Augen „Anemone“ nicht annähernd die Substanz liefert, die das Drehbuch mit seinem Thema komplexer familiärer Beziehungen und generationsübergreifender Konflikte behauptet. Variety bezeichnet den Film gar als prätentiösen Reinfall, beim San Francisco Chronicle ist analog vom schlechtesten Film, den Daniel Day-Lewis je gemacht hat, die Rede.
Auf der Seite der Befürworter (u. a. Rolling Stone und IndieWire) zeigt man sich hingegen angetan von der kreativ-poetischen Vision von Ronan Day-Lewis, der mit großen Bildern eine einnehmend-träumerische Stimmung erzeuge. Und in einem Punkt sind sich natürlich sowieso fast alle einig: Daniel Day-Lewis liefere einmal mehr eine großartige Leistung ab, die gigantisch und atemberaubend sei.
In „Anemone“ spielt Day-Lewis einen Mann, der zurückgezogen in einer Hütte im Wald lebt – und dort eines Tages Besuch von seinem Bruder (Sean Bean) bekommt, mit dem ihn eine komplizierte Beziehung verbindet, die von traumatischen Ereignissen in der Vergangenheit für immer verändert wurde. In den deutschen Kinos startet „Anemone“ am 27. November 2025.
Ob Daniel Day-Lewis‘ Darstellung angesichts der sonst etwas verhaltenen Reaktionen auf den Film für eine weitere Oscarnominierung ausreicht, für die er in der Regel als gesetzt gilt, bleibt nun abzuwarten. Womöglich wird es hier aber schon bald mehr Gelegenheiten geben, hat der Schauspieltitan doch bereits angedeutet, dass er nach seinem Comeback wieder offen für weitere Rollen wäre. Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden Artikel:
"Werde mich nicht davor scheuen": Nach 8 (!) Jahren feiert einer der besten Schauspieler sein Comeback – und hat Lust auf weitere Filme