Daniel Day-Lewis steht seit über 40 Jahren für Schauspielkunst auf höchstem Niveau. Zu den großen Werken seiner beeindruckenden schauspielerischen Karriere zählen das Drama „There Will Be Blood“, die Roman-Verfilmung „Der letzte Mohikaner“ und der biografische Historienfilm „Lincoln“. Sein Rückzug vor acht Jahren war ein Schock für die Filmwelt, doch 2025 feiert der 68-jährige Londoner, zur Freude vieler Filmfans, ein Comeback mit dem Drama „Anemone“.
Ein einmaliger Rekord: Als bisher Einziger hat Day-Lewis drei Oscars als bester Hauptdarsteller gewonnen. Dazu zählt auch der Goldjunge für seine brillante Verkörperung des schwerbehinderten irischen Malers und Schriftstellers Christy Brown (1932 – 1981) im autobiografischen Meisterwerk „Mein linker Fuß“. Doch trotz begeisterter Presse und seiner Oscar-Auszeichnung würde Day-Lewis diesen Film heute so nicht mehr drehen!
"Schon damals war es fragwürdig"
Darin spielt Day-Lewis den unter zerebrale Kinderlähmung leidenden Brown, der nur sein linkes Bein und den linken Fuß bewegen konnte. Der Junge entwickelte mit therapeutischen Maßnahmen und unbändiger Willensstärke aber allmählich die Fähigkeit, mit seinem Fuß Texte zu schreiben und sogar zu malen. Mit ungeahntem Erfolg: Durch seine Bilder wurde Brown schließlich berühmt. Es folgten Ausstellungen und Brown veröffentlichte als 22-Jähriger sogar seine Autobiografie (auf welcher der Film beruht).
Fraglos zeigt Day-Lewis in „Mein linker Fuß“ eine der besten Darstellungen seiner Karriere. In seiner FILMSTARTS-Rezension geht Asokan Nirmalarajah sogar noch weiter und nennt Day-Lewis‘ Performance „eine der außergewöhnlichsten schauspielerischen Leistungen der vergangenen Jahrzehnte“. In einem Interview mit dem Kritiker Mark Kermode gab Day-Lewis nun aber zu, dass er „Mein linker Fuß“ heute durchaus kritisch sieht. „Ich könnte diesen Film heute sicherlich nicht mehr machen“, sagte der Schauspieler (via worldofreel.com) und ergänzte: „Schon zur Zeit seiner Entstehung war es fragwürdig.“
Day-Lewis hat sich damals in einer Dubliner Klinik mit der Hilfe von behinderten Menschen auf die Rolle vorbereitet. „Sie waren der Meinung, dass ich die Rolle nicht übernehmen sollte. Ich sagte zu Ihnen: ‚Nun, ich verstehe euch, aber ich denke, es ist eine wichtige Geschichte. Und mit mir kann sie jetzt möglicherweise verfilmt werden.“
"Fadenscheinige Begründung"
Doch damit nicht genug, denn Day-Lewis fügte selbstkritisch an: „Das war eine ziemlich vorgeschobene Begründung von mir für etwas, das ich einfach machen wollte.“ Und zum Glück blieb Day-Lewis, der sich hier sehr reflektiert und fast reumütig zeigt, beharrlich bei seiner Meinung und realisierte unter der Regie von Jim Sheridan („Get Rich or Die Tryin‘“) schließlich das Projekt. Es hagelte internationale Filmpreise und das bereits erwähnte Kritikerlob gab es obendrauf. „Mein linker Fuß“ fand Eingang in die „21st Century's 100 greatest films“ der BBC und gilt heute als eines der besten biografischen Dramen der 80er-Jahre, vielleicht sogar aller Zeiten.
Und es verwundert kaum, denn der für sein „Method Acting“ bekannte Darsteller opferte sich für die Rolle auf und ging fast über seine (körperlichen) Grenzen hinaus. Er blieb auch in den Drehpausen in seiner Rolle, die Crew musste ihn in einem Rollstuhl von Set zu Set schieben und ihn füttern. Selbst nach den Drehs besuchte er am Abend Restaurants in seinem Rollstuhl.
Ein Jahr vor „Mein linker Fuß“ übernahm der Kultschauspieler die Hauptrolle in der Verfilmung eines literarischen Klassikers. Das fast dreistündige, mit internationaler Starbesetzung realisierte Epos gilt heute als Meisterwerk – und dennoch denkt Day-Lewis auch an diesen Film heute nur sehr ungern zurück:
"Ein fundamentaler Fehler": Diese epische Literaturverfilmung bereut der dreifache Oscar-Preisträger Daniel Day-Lewis bis heute*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.