Dass Netflix-Hit-Lieferant Ryan Murphy in seinen „Monster“-Serien über berühmte Serienkiller*innen auch mal sehr frei mit der realen Geschichte umgeht, ist bekannt. Auch beim aktuellen Streaming-Erfolg „Monster: Die Geschichte von Ed Gein“ mit Charlie Hunnam ist das nicht anders.
Der amerikanische Professor und True-Crime-Autor Harold Schechter, der 1998 das für viele umfassendste Buch über Ed Gein geschrieben hat, erklärte so bereits, dass „ein sehr großer Prozentsatz der Serie einfach erfunden sei“. Die Serie sei „reine, überzogene Fabrikation“ und „die Realität des Falls stark entfremdet“. Schechters Kritik schließt sich nun Osgood Perkins an – auch wenn er die Serie gar nicht gesehen hat.
"Longlegs"-Regisseur ist auch der Sohn des "Psycho"-Stars
Osgood Perkins ist mittlerweile vor allem als Horror-Regisseur bekannt. Mit Filmen wie „The Monkey“ oder „Gretel & Hansel“ sorgte er für Aufsehen, vor allem aber mit „Longlegs“. Der erinnert in der Machart zwar an viele True-Crime-Erzählungen, aber nicht nur leicht übernatürliche Elemente machen deutlich, dass es um einen fiktiven Serienkiller geht. Denn Perkins scheint kein Fan davon zu sein, reale Geschichten auszuschlachten – insbesondere weil es Menschen gibt, die davon betroffen sind. Bei „Monster: Die Geschichte von Ed Gein“ gehört er selbst dazu.
Denn der „Longlegs“-Regisseur ist auch der Sohn von Schauspieler Anthony Perkins. Der „Psycho“-Star kommt in der Serie (gespielt von Joey Pollari) vor. Schließlich war Alfred Hitchocks Klassiker „Psycho“ stark vom Fall von Ed Gein beeinflusst. Murphy treibt in seiner Serie die Parallelen aber weiter. Rund um den seine Homosexualität verheimlichenden Perkins konstruiert er dabei eine Erzählung, durch die impliziert wird, Perkins sei wegen einer inneren Zerrissenheit aufgrund seines Geheimnisses perfekt für die Rolle des Ed-Gain-Wiedergängers Norman Bates. Hitchcock befeuert in der Serie das noch, zieht seinen Schauspieler mit seinem Geheimnis auf, obwohl dieses ihn krank macht. Es geht so weit, dass Perkins sich von seiner Rolle verfolgt, sich selbst wie eine Art Monster fühlt. Historische Belege für all das fehlen.
Perkins will "Monster" nicht mal mit der Kneifzange anfassen
Für seinen Sohn Osgood Perkins ist diese Darstellung ein Grund, warum er die Serie „nicht einmal mit der Kneifzange anfassen würde“, wie er dem Klatschportal TMZ verriet. Die Nachfrage nach seiner Meinung zu „Monster: Die Geschichte von Ed Gein“ nutzt er aber zu einer Generalkritik an dieser Art von Inszenierung.
Streaming-Dienst Netflix nehme wahre Verbrechen, um daraus „glamourösen Content“ zu machen. Es beunruhige ihn, dass dadurch Zeitgeschichte und Kultur „in Echtzeit von den Overlords umgestaltet wird“ und das Ergebnis „zunehmend jeglichen Kontexts entbehrt“. Damit dürfte Perkins darauf anspielen, dass die Netflix-Version durch ihre große Verbreitung von vielen dann auch als Wahrheit verstanden und weiter transportiert wird.
Er nennt dies eine „Netflix-isierung von echtem Schmerz, das heißt von authentischen menschlichen Erfahrungen, die durch tatsächliche Ereignisse entstanden sind“. Diese spiele zudem „auf der falschen Seite“, womit Perkins wohl darauf anspielt, dass am Ende vor allem Opfer und Unbeteiligte darunter leiden, während die ohnehin regelmäßig nach Ruhm strebenden Täter*innen noch bekannter, noch sagenumwobener werden.
Trotz aller Kritik: Netflix und Ryan Murphy machen mit "Monster" weiter
Netflix und Ryan Murphy dürfte diese Kritik wenig ausmachen. Sie halten an ihrem Erfolgsmodell fest und drehen aktuell sogar bereits die vierte „Monster“-Ausgabe. In „Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden“ rückt nach Jeffrey Dahmer (Staffel 1), den Brüdern Lyle und Erik Menendez (Staffel 2) sowie zuletzt Ed Gein (Staffel 3) das erste Mal eine Frau in den Mittelpunkt – mit einer weiteren Besonderheit.
Im Gegensatz zu den bisherigen Personen im Zentrum der „Monster“-Serien wurde Lizzie Borden nicht verurteilt. Sie wurde damals vor Gericht sogar freigesprochen. Ob sie ihren Vater und ihre Stiefmutter wirklich umgebracht hat, wie damals viele glaubten, ist bis heute ungeklärt. Zur Besetzung der Serie gehört übrigens auch wieder Charlie Hunnam. Ein erstes Bild von ihm haben wir im folgenden Artikel für euch:
"Monster: Staffel 4": So anders sieht Charlie Hunnam in der nächsten Season der Netflix-Hitserie aus