Mit True-Crime-Thrillern lässt sich heutzutage mächtig Quote und damit Geld machen. Als Clint Eastwood 1999 „Ein wahres Verbrechen“ (Originaltitel: „True Crime“) veröffentlichte, ging die Rechnung allerdings nicht auf. Denn kaum jemand wollte den Thriller sehen. Dabei ist der Film gar nicht übel, wie ihr zur Primetime und sogar ohne Werbung im Free-TV nachprüfen könnt:
Arte zeigt „Ein wahres Verbrechen“ am heutigen 16. November 2025 um 20.15 Uhr. Wiederholungen folgen am 18. und 27. November jeweils um 14.00 Uhr. Zudem steht der Film als Gratis-Stream in der Mediathek des Senders zur Verfügung. Alternativ ist der FSK-12-Titel bei Online-Händlern als Blu-ray, DVD und kostenpflichtiges Video-on-Demand zu haben:
Mehr als nur ein Thriller
„Ein wahres Verbrechen“ verschlang 55 Millionen Dollar in der Herstellung. Das war Ende der 1990er ein Riesenbatzen Geld für einen eher konventionell gemachten Streifen. Zudem war es deutlich mehr, als die Box-Office-Abräumer „Perfect World“ und „Die Brücken am Fluss“, die Clint Eastwood nur wenige Jahre zuvor inszeniert hatte, kosteten. Aufgrund dieser Hits waren allerdings die Gagenforderungen des Superstars für sein Engagement vor wie hinter der Kamera drastisch nach oben geschossen. Entsprechend hoch waren die Erwartungen des produzierenden Studios Warner Bros. in Bezug auf das Einspielergebnis von „Ein wahres Verbrechen“.
Als der Streifen dann im März 1999 in die US-Kinos kam, enttäuschte er mit Einnahmen von gerade einmal 16,6 Millionen Dollar. Im direkten Vergleich mit der Sandra-Bullock-RomCom „Auf die stürmische Art“ beziehungsweise Robert De Niro und Billy Crystal in „Reine Nervensache“ ging Eastwoods Werk gnadenlos unter. Und auch im Rest der Welt lief es kaum besser. Am Ende konnte nicht einmal die Hälfte der Herstellungskosten eingespielt werden und der Film musste in den Bilanzen des Studios als einer der größten Flops des Jahres verbucht werden.
Wir alle wissen, dass der Erfolg an den Kinokassen nicht unbedingt zwingend etwas über die Qualitäten eines Films aussagt. So ist es auch hier. „Ein wahres Verbrechen“ mag nicht zu den absoluten Glanzlichtern in Eastwoods Regiekarriere wie etwa „Million Dollar Baby“, „Erbarmungslos“ oder „Mystic River“ zählen. Dennoch hat er hier gute Arbeit abgeliefert und präsentiert seinen Thriller mit einer zusätzlichen moralischen Tiefe. Der Film erzeugt trotz recht unaufgeregter Detailverliebtheit eine Menge Spannung. Aber das ist nur ein Teil des Reizes. Dieses bedächtige Erzähltempo passt nämlich hervorragend zu der im Kern eher charaktergetriebenen Handlung.
Eastwood spielt einen Mann, der immer wieder versagt – egal ob als Ehemann, als Vater, als Freund oder in seinem Beruf. Seine Suche nach der Wahrheit scheint weniger mit ihr selbst zu tun zu haben als mit der Chance, endlich einmal das Richtige zu tun. Der Star meistert die Herausforderung dieser komplexen Rolle mit Bravour. Wobei er mit unter anderem Isaiah Washington („Grey’s Anatomy“), Denis Leary („Rescue Me“), LisaGay Hamilton („Practice - Die Anwälte“), Michael Jeter („Open Range“) und Diane Venora aus „Heat“ aber auch sehr kompetente Unterstützung erhält. Den besten (und witzigsten!) Nebenpart hat allerdings James Woods („Casino“) – allein für ihn lohnt sich das Einschalten.
Trotz seines Titels und der durchaus authentisch und glaubhaft anmutenden Story basiert „Ein wahres Verbrechen“ übrigens nicht auf einem realen Eereignis. Als Vorlage diente vielmehr der Bestsellerroman gleichen Titels von Andrew Klavan („Sag’ kein Wort“), der auch in deutscher Übersetzung erhältlich ist:
"Ein wahres Verbrechen": Das ist die Story
Einst war Steve Everett (Clint Eastwood) ein Topjournalist der renommierten New York Times. Weil er aber trank wie ein Loch, die Frauen seiner Vorgesetzten verführte und auch sonst immer wieder aneckte, flog er irgendwann im hohen Bogen raus. Mittlerweile muss sich Everett in Kalifornien bei der zweitklassigen Oakland Tribune durchschlagen. Obwohl er versucht, nicht mehr zu trinken, steht er auch hier auf dem Abstellgleis, weil er sich sofort mit seinem Boss Bob Findley (Denis Leary) angelegt hat.
Als die eigentlich dafür vorgesehene Kollegin (Mary McCormack) kurzfristig ausfällt, vergibt Findley zähneknirschend doch noch eine heiße Story an Everett. Er soll von der Hinrichtung des verurteilten Mörders Frank Beechum (Isaiah Washington) berichten und den Mann am Vortag interviewen. Nach dem Gespräch kommen dem Reporter Zweifel, dass der angebliche Killer das ihm zur Last gelegte Verbrechen wirklich begangen haben kann. Endlich ist Everetts beruflicher Ehrgeiz wieder geweckt – allerdings bleiben ihm nur 12 Stunden, um seine Theorie zu beweisen, bevor Beecham getötet wird…
Habt ihr schon mitbekommen, dass einer von Clint Eastwoods Topfilmen neu aufgelegt wird? Im folgenden Artikel hat FILMSTARTS-Redakteur Daniel Fabian alles zusammengetragen, was wir bisher über das geplante Remake wissen:
"Einer der besten Filme mit Clint Eastwood": Action-Klassiker wird neu verfilmt – von und mit "Deadpool"-Star Ryan Reynolds!*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.