Als 2008 der Trailer zu „Gran Torino“ erschien, begannen wilde Spekulationen im Netz. War Clint Eastwoods neuer Film etwa eine geheime Rückkehr des legendären Inspektors Harry Callahan? Ein geleaktes Gerücht über ein Filmfahrzeug – ein 1974er Ford Gran Torino – heizte die Diskussionen zusätzlich an. Einige Fans waren überzeugt: Der alte Haudegen würde für ein letztes Gefecht zurückkehren.
Doch Clint Eastwood machte den Träumen schnell ein Ende. „Irgendein Idiot hat diese Theorie aufgestellt“, knurrte er damals gegenüber The Guardian – und stellte unmissverständlich klar: „Das ist kein Dirty Harry-Film. Nicht in meinem Alter.“
Für Eastwood war die Sache endgültig erledigt. „Es gibt Altersgrenzen für Polizisten. Mit 65 hätten sie mich ohnehin pensioniert.“ Damit hatte der heute 95-Jährige den Kult um seinen wortkargen Ermittler jäh beendet. Kein sechstes Kapitel, keine späte Rückkehr. Für Eastwood war Callahan Geschichte – auch wenn viele Fans sich bis heute vorstellen, wie ein gealterter Dirty Harry wohl aussehen würde.
Ein Lächeln, ein Schuss und jede Menge Ironie
Dabei ließ Eastwood durchaus durchblicken, dass er selbst Spaß an der Vorstellung hatte – nur eben als Witz. In einem Gespräch mit der Los Angeles Times 2008 malte er ein skurriles Bild von einem gealterten Harry Callahan: „Harry ist pensioniert. Er steht im Fluss und geht angeln. Dann wird er die Rute leid, zieht den Revolver und – BA-BOOM!“ Dazu mimte Eastwood lachend, wie der alte Cop seine Fische kurzerhand erschießt.
Seine Fantasie ging noch weiter: „Oder Harry jagt als Rentner Verbrecher mit seinem Rollator“, sagte er schmunzelnd. Eine andere Idee: Callahan als Barbesitzer, der unverschämte Gäste auf seine ganz eigene Art zur Kasse bittet. „Er greift unter die Theke, lächelt und sagt: ‚Hey Jungs, der nächste Schuss geht auf mich.‘“ Auch wenn der endgültige Abschied vom knallharten Bullen für Fans schwer zu schlucken ist, zeigt es doch, dass Clint Eastwood genau weiß, was die Figur Dirty Harry für das Kino bedeutete. Und vielleicht ist gerade diese Selbstironie das Geheimnis, warum der Mythos bis heute lebt.
Wieso sich Clint Eastwood aber einst mit einem großen Hollywood-Studio anlegte und dafür sogar gute Gründe hatte, lest ihr hier:
"Sie werden diesen verdammten Film hassen": Clint Eastwoods großer Frust über ein Studio, das ihm die Hände band