"Ich arbeitete fast zwei Jahre nicht": Dieses Action-Ikone glaubte, dass ihre Karriere nach "James Bond" vorbei ist – 25 Jahre später gewann sie einen Oscar!
Sebastian Groß
Sebastian Groß
-Freier Autor
Manchmal fühlt er sich alt, weil er damals „The Big Lebowski“ oder „Matrix“ zum Kinostart gesehen hat. Andererseits konnte er damals „The Big Lebowski“ und „Matrix“ zum Kinostart sehen. Zum Glück behält er das für sich, außer jemand fragt ihn. Jetzt fragt ihn halt endlich.

Eine Oscar-Preisträgerin blickt zurück auf ihre Zeit als Bondgirl – und erzählt von Rassismus und einer Hollywood-Karriere, die beinahe scheiterte, bevor sie ihren größten Triumph feiern konnte.

Seit mehr als sechs Jahrzehnten gehört die James-Bond-Reihe zu den prägenden Marken der Kinogeschichte. Die Filme leben nicht nur von ihren jeweils neuen Interpretationen des Superagenten, sondern auch von ihren Nebenfiguren – darunter jene Frauen, die lange Zeit unter dem wenig schmeichelhaften Sammelbegriff „Bond-Girls“ geführt wurden. Doch im Laufe der Zeit begann sich das Bild zu wandeln. Michelle Yeoh verlieh der obligatorischen weiblichen Figur an Bonds Seite Ende der 1990er-Jahre so eine neue, respektvolle Dimension.

Trotz Bond-Erfolg: Michelle Yeoh fand zwei Jahre lang keine Arbeit

Die Wende kam 1997 mit dem Film „Der Morgen stirbt nie“ (1997), dem zweiten Einsatz von Pierce Brosnan („Mrs. Doubtfire“) als 007. Hier begegnet Bond der chinesischen Agentin Wai Lin – einer Figur, die dem britischen Spion erstmals auf Augenhöhe begegnet. Lin ist weder schmückendes Beiwerk noch damsel in distress, sondern eine hoch kompetente Ermittlerin, deren Fähigkeiten mindestens an die ihres britischen Kollegen heranreichen. Besonders eindrucksvoll zeigt sich das in einer Motorradverfolgungsjagd, in der beide aneinandergekettet durch enge Gassen rasen. Eine Szene die Yeohs Ruf als Action-Ikone, den sie sich in ihrer Heimat erarbeitet hatte, weiter festigte.

Doch ironischerweise brachte gerade diese herausragende Rolle der damaligen Newcomerin in Hollywood kaum berufliche Vorteile. Statt anspruchsvollen Figuren wurden ihr fast ausschließlich stereotype Angebote unterbreitet. In Interviews mit Variety sprach sie später offen über die Diskriminierung, der sie damals begegnete. „Zu diesem Zeitpunkt konnten Menschen in der Branche kaum unterscheiden, ob ich Chinesin, Japanerin oder Koreanerin war oder ob ich überhaupt Englisch sprach“, erinnerte sie sich. Und weiter: „Sie redeten sehr laut und sehr langsam. Ich arbeitete fast zwei Jahre lang nicht.“ Eine Aussage, die zeigt, wie schwer es für asiatische Schauspieler*innen zu jener Zeit war, in den USA ernsthaft Fuß zu fassen.

Zwei Oscars-Hits halfen Yeoh sich in Hollywood durchzusetzen

Erst eine Einladung von Regisseur Ang Lee („Hulk“) brachte die Wende: Für „Tiger & Dragon“ (2000), ein Wuxia-Epos, erhielt sie die Gelegenheit, in einem Umfeld zu arbeiten, das ihre Sprache, ihre Herkunft und ihre Professionalität nicht als Hindernis, sondern als Bereicherung verstand. Der Film wurde weltweit gefeiert und gilt bis heute als einer der bedeutendsten internationalen Kinoerfolge aller Zeiten. Die Darbietung der Schauspielerin wurde sowohl in Asien als auch im Westen als entscheidend für den emotionalen Kern des Films gewürdigt. Als Sahnehaube gewann der Titel sogar vier Oscars – darunter Bester fremdsprachiger Film.

Mit dieser Anerkennung erwuchs ihr die Freiheit, Rollen anzunehmen, die nicht auf Vorurteilen basierten, sondern ihrem Können entsprachen. Es war jedoch erst „Everything Everywhere All At Once“ (2022), der endgültig bewies, wie kraftvoll, humorvoll und emotional vielschichtig sie spielen kann. Für die Darstellung der überforderten Waschsalonbesitzerin Evelyn, die durch ein surreales Multiversum stolpert, gewann sie den Oscar – als erste asiatische Schauspielerin in der Geschichte der Kategorie. Eine historische Auszeichnung, die nicht nur ihr Talent, sondern auch ihren langen, oft steinigen Weg würdigte.

Mittlerweile hat sich Yeoh in Hollywood durchgesetzt. Sie gehörte zum Cast der beiden „Wicked“-Filme, wird in den kommenden „Avatar“-Sequels mitspielen und soll für die Macher von „John Wick“ die Hauptrolle im – na klar – Actionfilm „The Surgeon“ übernehmen.

Übrigens hat Yeoh auch mit ihrem Action-Kollegen Jackie Chan ein paar unschöne Erfahrungen gesammelt. Die ganze Geschichte lest ihr im nachfolgenden Artikel:

Michelle Yeoh über Jackie Chan: "Er dachte, Frauen gehören in die Küche, bis ich ihm in den Arsch getreten habe!"

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