Wie sein Manager Brian Liebman via Instagram bekannt gab, ist Isiah Whitlock Jr. im Alter von 71 Jahren gestorben. Der am 13. September 1954 in Indiana geboren Schauspieler wird uns aber für immer in Erinnerung bleiben. Ein einziges Wort machte ihn unsterblich und ließ ihn Popkultur-Geschichte schreiben. Dazu war er ein prägender Charakterdarsteller, der nicht nur mit seiner Rolle im Serien-Meisterwerk „The Wire“ zur Kultfigur wurde. Denn sein Werk reicht weit darüber hinaus. Ein Blick auf Karriere, Filme, Serien und ein legendäres „Sheeeeeeeeee-it“.
Der Mann hinter einem der berühmtesten Serienzitate
Wenn heute über ikonische TV-Aussprüche geredet wird, muss fast zwangsläufig ein Name fallen: Isiah Whitlock Jr. Sein gedehntes, genüsslich ausgesprochenes „Sheeeeeeeeee-it“ als zwielichtiger Politiker Clay Davis in „The Wire“ ist längst Teil der Popkultur. Es wurde zahllos zitiert, parodiert und imitiert – von Comedyshows über Social Media bis hin zu anderen Serien. In „The Wire“ selbst fasst jeder, der zahlreichen Momente, in welchen er mit dem Ausspruch reagiert, Korruption, Zynismus und Selbstgewissheit seiner Figur besser zusammen als lange Dialoge.
Auch dank Whitlock gilt das gnadenlose Portrait der dunklen Seiten Baltimores als beste Serie aller Zeiten. Den Schauspieler selbst störte übrigens nicht, dass er dabei zum Meme wurde, lange bevor es Memes im heutigen Sinne gab. Genüsslich erzählte er davon, dass er mehrmals am Tag in der Öffentlichkeit angehalten wird, um ein „Sheeeeeeeeee-it“ zum Besten zu geben. In der Komödie „Willkommen in Cedar Rapids“ persiflierte er dies sogar, spielte er dort doch einen großen „The Wire“-Fan.
Whitlocks Karriere: Mehr als "The Wire"
Obwohl Clay Davis seine bekannteste Rolle blieb, ist Whitlocks Karriere deutlich vielfältiger. Schon vor „The Wire“ arbeitete er regelmäßig im Theater, wo seine Schauspielkarriere 1976 begann. Der Karriere-Anfang war dabei beschwerlich. Nach einer kleinen Rolle in einer TV-Film-Verfilmung von „Eine Weihnachtsgeschichte“ 1981 verliefen über Jahre Vorsprechen erfolglos. Mini-Rollen 1990 in „Gremlins 2“ und „Goodfellas“ waren der Auftakt zu mehr Parts – oft waren es kleine Nebenrollen und günstige Independent-Filme.
Erst mit dem HBO-Meilenstein „The Wire“ wurde er zu einem festen Bestandteil des modernen amerikanischen Charakterkinos – oft in Rollen, die Machtstrukturen, Ideologien und gesellschaftliche Abgründe spiegeln. Dazu trug auch ein Filmemacher bei.
Stammgast bei Spike Lee
Schon bevor er 2002 seinen Durchbruch mit „The Wire“ feierte, besetzte Spike Lee Whitlock Jr. für „25 Stunden“. Auch in „She Hate Me“ 2004 kehrte Whitlock Jr. zurück (übrigens mit einer etwas kürzeren Version seines „Sheeeeeeeeee-it“), war danach auch in „Red Hook Summer“, „Chi-Raq“, „BlacKkKlansman“ und „Da 5 Bloods“ sowie Lees Serienversion seines Kino-Erfolgs „She's Gotta Have It“ dabei. Waren es oft nur kleine, aber trotzdem eindringliche Auftritte, waren es in „BlacKkKlansman“ und „Da 5 Bloods“ sogar sehr zentrale Rollen.
Nach „The Wire“ war Whitlock aus dem Fernsehen zudem kaum wegzudenken. Er tauchte in Serien wie „Veep“, „Your Honor“ oder „The Good Fight“ auf und bewies immer wieder, wie viel Wirkung selbst wenige Szenen entfalten können, wenn sie mit Haltung gespielt sind. Zuletzt hatte er eine große Rolle in der Netflix-Krimi-Serie „The Residence“.
Im Kino reicht sein Spektrum von politischem Drama über Thriller bis hin auch zu einigen absurden Komödien wie dem bereits erwähnten „Willkommen in Cedar Rapids“ oder 2023 „Cocaine Bear“. Whitlock war dabei nie der große Hauptdarsteller, nie der Schauspieler, an den man als erstes, zweites oder drittes denkt, wenn man über einen Film spricht. Doch er hat jedes Werk mit seiner oft kurzen Präsenz spürbar aufgewertet.
In Erinnerung bleibt so kein Star, der Blockbuster trägt oder mit Hauptrollen um Aufmerksamkeit kämpft, sondern jemand, der oft mit minimalen Mitteln maximale Wirkung erzielen konnte. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ein einziges gedehntes Wort aus „The Wire“ auch weit über seinen Tod hinaus nachhallen wird.