Werbefreier TV-Tipp für heute Abend: Dieser Film ist politisch wirklich komplett inkorrekt!
Christoph Petersen
Christoph Petersen
-Chefredakteur
Schaut 800+ Filme im Jahr – immer auf der Suche nach diesen wahrhaftigen Momenten, in denen man dem Rätsel des Menschseins ein Stück näherkommt.

Zwei Drittel der Zuschauerschaft wird bei diesem Film das Kotzen kriegen – wenn sie nicht eh innerhalb der ersten paar Minuten wieder umschalten. Aber gerade das ist die Stärke der bitterbösen Filmbusiness-Satire „Bad Director“…

Wenn „Bad Directorheute Abend ab 22.55 Uhr seine werbefreie Free-TV-Premiere bei ARTE feiert, dann lautet das Credo: Einschalten auf eigene Gefahr!

Regisseur Oscar Roehler hat schließlich nicht nur einen Film namens „Enfant Terrible“ gedreht, sondern ist auch selbst eins – inklusive einer ganzen Reihe von „Skandal“-Filmen, die das Publikum geschockt bis gespalten haben. Darunter etwa „Elementarteilchen“, „Jud Süss - Film ohne Gewissen“ oder „HERRliche Zeiten“.

Sein neuster Streich Bad Director“ eckt aber noch einmal besonders stark an – mit einem Oliver Masucci („Er ist wieder da“), der sich als tablettensüchtiges, herumhurendes Alter Ego des Regisseurs durch den Film wütend wie ein bockig-stampfendes Rumpelstilzchen.

Da verwundert es kaum, dass die ebenfalls von Roehler stammende Romanvorlage sogar direkt „Selbstverfickung“ hieß, bevor der Titel fürs Kino entschärft wurde. Aber das gilt zum Glück nur für den Titel – der Film selbst ist so politisch inkorrekt, dass die ARTE-Verantwortlichen beim Checken der Quote sicherlich ihr blaues Wunder erleben werden: Wir würden Geld darauf wetten, dass bei „Bad Director“ so viele Zuschauer*innen aussteigen wie selten – und gerade diese Abkotz-Quote ist die größte Stärke des auf den zweiten Blick wirklich saumäßig lustigen Films…

Darum geht’s in "Bad Director"

Der Berliner Regisseur Gregor Samsa (Oliver Masucci) soll in Köln seinen neuen Film drehen, interessiert sich jedoch mehr für seine Rohypnol-Bestellung als für die Produktion. Während die Arbeit mit dem Cast – darunter seine frühere berufliche „Katastrophe“ Konstanze (Anne Ratte-Polle) – zur Qual wird, flüchtet er sich in eine Affäre mit der literaturbegeisterten Sexarbeiterin Grete (Bella Dayne). Zwischen banalen Set-Entscheidungen und wachsendem Realitätsverlust muss der titelgebende „Bad Director“ schließlich mit allen Mitteln verhindern, von seinem Co-Regisseur (Götz Otto) ersetzt zu werden…

Das Ergebnis wird dabei sicher nicht jedem gefallen. Aber wenn man darauf einsteigt, dann kann es sehr gut sein, dass man sich bei dieser selbstgeißelnden Satire irgendwann vor Lachen auf dem Boden kringelt. Das Fazit der mit 4 Sternen sehr positiven FILMSTARTS-Kritik zu „Bad Director“ lautet jedenfalls: „Oskar Roehler liefert eine gnadenlos-nihilistische Abrechnung – vor allem mit sich selbst. Da kriegt man entweder das Kotzen oder man lacht sich scheckig. Zur Abwechslung ist die Bezeichnung ‚politisch inkorrekt‘ hier wirklich mal angebracht. Nur ob das etwas Gutes ist oder nicht, muss dann tatsächlich jeder selbst entscheiden.“

Oskar Roehler ist nicht nur in seinen Filmen ein Enfant terrible, sondern auch in Interviews. So hat er uns im FILMSTARTS-Podcast Leinwandliebe etwa ausführlich davon berichtet, wann er welche (schweren) Schlafmittel nehmen musste, um am Set von „Bad Director“ noch funktionieren zu können. Aber hört ruhig selbst mal rein, es ist wirklich sehr unterhaltsam:

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