Die Kultur- und Wissenschaftsgeschichte, wie wir sie kennen, ist eine männlich erzählte: Es sind die da Vincis, die Einsteins, die Newtons, deren Namen zuhauf erwähnt werden, während die der Frauen häufig verschwiegen bleiben – nicht selten zugunsten ihrer männlichen Mitstreiter. So trugen z. B. Rosalind Franklin, Lise Meitner oder Hedy Lamarr maßgeblich zu wissenschaftlichen Erkenntnissen in DNA-Analyse, Kernspaltung oder Funktechnik bei, ihre Namen waren dabei jedoch so gut wie unsichtbar. Noch drastischer wird es, wenn man den Blick auf andere marginalisierte Gruppen wie z. B. Schwarze Menschen richtet, wenn man auf Bereiche wie Talent, Wissen und Verantwortungsübernahme schaut: Die gab es zahlreich. Anerkennung jedoch? Fehlanzeige.
Genau hier setzt auch Theodore Melfis „Hidden Figures – Unbekannte Heldinnen“ an, den ihr heute Abend um 22.35 Uhr auf Sat.1 sehen könnt. Wer ihn ohne Werbung und früher am Abend anschauen möchte, findet den Film als Stream im Abo von Disney+.
Das auf wahren Begebenheiten der 60er-Jahre beruhende Biopic thematisiert die viel zu lange unerzählte Vorgeschichte hinter der Mondlandung und wurde 2017 dreifach für den Oscar nominiert, u.a. als Bester Film. Es traf einen Nerv, weil es zwei Dinge zusammenbringt: Einen der größten technologischen Wettläufe der Geschichte und eine längst überfällige Korrektur der Erzählung darüber, wer diesen Wettlauf eigentlich gewonnen hat – die Frauen nämlich, die im Hintergrund rechneten, programmierten und vorausdachten.
Ohne diese Frauen wäre keine Rakete gestartet
Im Mittelpunkt von „Hidden Figures – Unbekannte Heldinnen“ stehen drei außergewöhnliche Mathematikerinnen bei der NASA: Katherine Johnson (Taraji P. Henson) berechnet Flugbahnen mit atemberaubender Präzision, Dorothy Vaughan (Octavia Spencer) beherrscht Programmiersprachen und Mary Jackson (Janelle Monáe) tritt als Ingenieurin gegen institutionelle Hürden an.
Sie arbeiten in einer Zeit, in der Rassentrennung noch Gang und Gäbe ist – die nächste Toilette für Schwarze Frauen befindet sich 1 km entfernt, es gibt separate Kaffeekannen und keinerlei Anerkennung für ihre Leistung. Nur wenige Menschen, wie Katherines Vorgesetzter Al Harrison (Kevin Costner), versuchen, zwischen System und Menschlichkeit zu vermitteln.
„Hidden Figures“ gewährt damit eine interessante Perspektive in eine Zeit, in der Computer noch keine Maschinen, sondern unfassbar schnell rechnende Menschen waren – und stellt individuelle Geschichten in einen großen historischen Kontext. Das macht ihn sehenswert, wenn er auch an mancher Stelle ein wenig hollywoodtypisch weichgespült und glatt poliert wirkt. Ein wichtiger Film, der zeigt, wie die Reise zum Mond auf der Erde begann – und ein Plädoyer dafür, Geschichte neu zu betrachten.
Und auch aufmerksame Serien-Fans dürften sich über ein Wiedersehen freuen: Jim Parsons, vielen besser bekannt als Sheldon Cooper aus „The Big Bang Theory" tritt hier als NASA-Ingenieur auf – was quasi wie ein kleines Cameo daher kommt. Welche Szene ihm zum Verhängnis hätte werden können, könnt ihr hier nachlesen:
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