Wir hätten es hier bei FILMSTARTS.de ahnen können. Über mehrere Tage thronte die kroatisch-serbische Komödie „Svadba (The Wedding)“ auf dem ersten Platz der Rangliste der aktuell meisterwarteten Filme unserer Leserschaft. Keine andere Einzelseite zu einem Film oder eine Serie wurde bei uns von Mitte Januar bis Mitte Februar so häufig aufgerufen. Am Wochenende kam es dann auch zum sensationellen Erfolg an den Kinokassen.
In Deutschland zog der Film auf gerade einmal 94 Leinwänden 60.000 Menschen an. Das sind herausragende Zahlen. Schließlich bedeutet es, dass jedes Kino im Schnitt 638 Menschen mit seinen Vorstellungen über das Wochenende angelockt hat. Zum Vergleich: Charts-Spitzenreiter „‚Wuthering Heights‛ – Sturmhöhe“ mit Margot Robbie kam in 522 Kinos auf 155.000 verkaufte Tickets über denselben Zeitraum an. Das sind „nur“ rund halb so viele Besuche pro Kino.
In Österreich schaffte es „Svadba (The Wedding)“ laut dem Branchenmagazin The Spot sogar auf den ersten (!) Platz der Kino-Charts. In gerade einmal 24 Kinos wurden 29.400 Menschen verzeichnet und damit sogar die Hollywood-Konkurrenz „‚Wuthering Heights‛ – Sturmhöhe“ ausgestochen. Diese verkaufte in 72 Kinos 21.500 Tickets. In der Hauptstadt Wien sollen sogar alle Vorführungen in insgesamt 12 Kinos ausverkauft gewesen sein. Einige der Lichtspielhäuser nahmen laut eines Berichts der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sogar sukzessive noch weitere Vorstellungen ins Programm auf – auch diese waren dann schnell ausgebucht.
Die Vorstellungen in Deutschland und Österreich sind so erfolgreich, weil es in beiden Ländern viele Menschen mit Wurzeln auf dem Balkan gibt. Die machten hierzulande zum Beispiel 2025 auch die bosnische Komödie „Testament (Amanet 2)“ zu einem Überraschungserfolg. Doch die Zahlen von „Svadba (The Wedding)“ übertreffen das noch einmal deutlich.
Das macht die Komödie so erfolgreich!
Natürlich ist „Svadba (The Wedding)“ vor allem im ehemaligen Jugoslawien ein Hit – ob in Serbien, Bosnien, Montenegro oder Kroatien, die Kinos sind fast durchweg ausverkauft. In Kroatien, wo der Kinostart bereits vor rund einem Monat erfolgte, lockte der Comedy-Hit bislang über 550.000 Menschen in die Kinos. Das ist sensationell für ein Land, in dem nicht einmal vier Millionen Menschen leben – und hat auch für einen Rekord gesorgt. Kein Film hat dort jemals so viele Kinotickets verkauft. Bisheriger Spitzenreiter war „Titanic“, der 1997 und damit vor fast 30 Jahren in den Kinos lief.
Dass die Komödie so erfolgreich ist, liegt wohl auch daran, dass sie es schafft, zu verbinden. Bekanntlich sind die Beziehungen zwischen Serbien und Kroatien aufgrund des historischen Erbes der Jugoslawienkriege Anfang bis Mitte der Neunziger und unaufgearbeiteter Konflikte immer noch angespannt. Der Film soll es aber schaffen, dass alle gemeinsam über die Klischees zum eigenen Nationalismus lachen können.
Das ist die Story von "Svadba (The Wedding)"
Im Mittelpunkt steht so auch eine Liebesgeschichte, welche die Grenzen überwindet. Ana (Nika Grbelja) und Nebojša (Marko Grabež) haben das heimischen Nationaldenken eigentlich hinter sich gelassen. Sie leben und arbeiten in London, sind modern und aufgeschlossen – und freuen sich jetzt über das positive Ergebnis ihres Schwangerschaftstests. Doch für ihre Familien in der Heimat, die von der Beziehung bislang nichts wussten, bricht eine Welt zusammen. Dass die beiden nicht verheiratet sind, kann man ja noch korrigieren, aber dass er Serbe bzw. sie Kroatin ist, sorgt bei Eltern und Großelten für blankes Entsetzen.
Allerdings erkennen die Väter auch Möglichkeiten, wie sie die Beziehung für ihre eigenen finanziellen und politischen Vorteile nutzen könnten. Doch natürlich gibt es auch da schnell einige Widrigkeiten. Und bei allem ist noch gar nicht klar, ob die jetzt zügig zu vollziehende Hochzeit eigentlich nach katholischem oder orthodoxem Ritus stattfinden soll...
Mehr zu den deutschen Kino-Charts vom Wochenende gibt es im folgenden Artikel:
Spitzenwochenende für deutsche Filme – aber die Kino-Krone geht an einen prickelnden Neustart