In diesem Jahr scheinen sehr, sehr merkwürdige Familien ein großes Thema beim Fantasy Filmfest zu sein – heute präsentieren wir euch nämlich gleich fünf Stück davon: Den Anfang macht „Adolescence“-Star Stephen Graham als Familienvater Chris, der den 19-jährigen Kleinkriminellen Tommy (Anson Boon) entführt, um ihn angekettet im Keller zum titelgebenden „Good Boy“ umzuerziehen.
Übrigens: „Good Boy - Wir wollen nur dein Bestes“ (Trailer siehe oben) vom oscarnominierten Regisseur Jan Komasa („The Change“) wird nach den Fantasy Filmfest Nights von X-Verleih auch regulär in die deutschen Kinos gebracht (nach aktuellem Stand am 4. Juni 2026).
Wie ein Lanthimos ohne Lanthimos
Weiter geht’s mit der Familie Árpád im ungarischen Beitrag „Feels Like Home“ von Gábor Holtai: In diese muss sich nämlich auch die entführte Rita (Rozi Lovas) gegen ihren Willen einfügen– wobei sie schon bald feststellt, dass sie offenbar nicht das einzige „Familienmitglied“ ist, das hier eigentlich gar nicht hergehört …
Sogar noch abgedrehter geht es in „Rosebush Pruning“ von Karim Aïnouz zu. Das Drehbuch stammt von Efthimis Filippou, der für Yorgos Lanthimos bereits die Skripte zu u. a. „The Killing Of A Sacred Deer“ und „Kinds Of Kindness“ geschrieben hat – und tatsächlich fühlt sich „Rosebush Pruning“ wie ein Lanthimos-Film an, nur sogar noch zynischer. Eine derart verachtenswert-dekadente Familie hat man jedenfalls selten gesehen. Kein Wunder, dass sich die Stars wie Riley Keough, Callum Turner, Elle Fanning, Jamie Bell oder Pamela Anderson um die Rollen gerissen haben.
Ein besonderer Twist für das Genre des Schwangerschafts-Horrors
Eine Produktion aus den Vereinigten arabischen Emiraten sieht man ohnehin nicht alle Tage – zumal auch noch einen handfesten Horrorfilm, dessen Story durchaus edgy anmutet: Amani (Bdoor Mohammad) ist eine treu ergebene Mutter und Ehefrau, deren Leben völlig aus den Fugen gerät, als ihr Mann eine zweite Frau (und mit ihr womöglich eine böse Macht) mit nach Hause bringt.
Aber schon der Werbespruch von „The Vile“ sagt: Nichts ist wie es scheint! Damit könnte der arabische Regisseur Majid Al Ansari einen echten Volltreffer gelandet haben.
Ähnlich durchgeknallte Familiendynamiken gibt es auch im franko-kanadischen Beitrag „Veins“: Als Isabelle (Romane Denis) ihre Eltern besucht, muss sie feststellen, dass ihr Vater bereits vor drei Tagen verstorben ist und sogar schon beerdigt wurde. Was allerdings noch überraschender ist: Ihre Mutter scheint keinerlei Verständnis für Isabelle zu haben, weder für ihre Trauer noch dafür, dass sie das alles ganz schön merkwürdig findet …
Mit „Mag Mag“ gibt die japanische Komikerin Yuriyan Retriever ihr Regiedebüt – und zwar nicht mit einer Komödie, sondern mit einem Grusel-Horrorfilm, oder so scheint es zumindest zu Beginn: „Mag Mag“ beginnt als Geschichte einer jungen Frau, die Rache dafür nehmen will, dass ihr Partner von einem Geist ermordet wurde. Allerdings nimmt der Film im weiteren Verlauf eine andere Richtung, und erweist sich gleichermaßen als Liebesbrief an den J-Horror wie im selben Moment als bissige Parodie von „Ringo“, „Dark Water“ & Co. …
Zum Abschluss gibt es mit „Appofeniacs“ von Chris Marrs Piliero noch einen waschechten WTF-Titel – passend mit Sean Gunn (dem Bruder von „Superman“-Mastermind James Gunn) in der Hauptrolle besetzt: Die Produktion rücksichtsloser Deepfake-Videos gerät völlig aus dem Ruder, als sie nicht nur immer mehr Existenzen zerstören, sondern bald auch erste Menschenleben kosten …
Termine für die Fantasy Filmfest Nights 2026
Festivalpässe für die Fantasy Filmfest Nights 2026 könnt ihr euch aktuell noch unter diesem Link für 150 Euro pro Person sichern. Allerdings hat die Historie gezeigt, dass diese in vereinzelten Städten sehr schnell ausverkauft sein können. Bei Interesse ist also – gerade in Hamburg und Berlin – unbedingt Eile geboten.
Der Vorverkauf für Einzelkarten beginnt dann, wenn auch das ganze Programm feststeht. Und hier sind die Termine für die kommende Festivalausgabe:
- 16. - 19. April: Berlin (Zoo Palast), Hamburg (Savoy), Köln (RESIDENZ), Nürnberg (Cinecitta’)
- 23. – 26. April: Frankfurt (Harmonie), München (City Kinos), Stuttgart (das Metropol)
Die Fantasy Filmfest Nights sind mittlerweile eine von drei Ausgaben von Deutschlands größtem und bekanntestem Genre-Festival. Hier werden an vier Tagen Filme gezeigt. Die Fantasy Filmfest White Nights (zwei Tage) finden in der Regel im Januar statt. Das eigentliche Fantasy Filmfest (acht Tage) im Herbst. FILMSTARTS ist Medienpartner.