Werbefreie TV-Premiere: Heute Abend läuft der 6. (!) Teil einer legendären Krimi-Reihe
Lars-Christian Daniels
Lars-Christian Daniels
Hollywood-Blockbuster schaut Lars immer seltener – das neueste James-Bond-Abenteuer lässt er sich aber nie entgehen. Ansonsten trifft man den vielleicht größten "Tatort"-Experten des Landes vor allem auf Filmfestivals und im Arthouse-Kino.

Der Romanverfilmung „Verheißung“ von Bestseller-Autor Jussi Adler-Olsen war hierzulande kein Kinostart vergönnt – was angesichts der riesigen Fangemeinde doch sehr überrascht. Heute um 22.15 Uhr läuft der Thriller ohne Werbeunterbrechung im ZDF.

Der dänische Star-Autor Jussi Adler-Olsen hat weltweit schon mehr als 27 Millionen Bücher mit Übersetzungen in mehr als 40 Sprachen verkauft – und die allermeisten davon drehen sich um das von ihm erschaffene Sonderdezernat Q, das sich in Kopenhagen um das Aufrollen kniffliger Cold Cases kümmert. Während die ersten fünf Verfilmungen der zehnteiligen Kultreihe mit dem muffeligen Ermittler Carl Mørck und seinem Kollegen Assad hierzulande auch in den Kinos liefen, erschien die sechste Adaption „Verheißung - Der Grenzenlose“ allerdings nur noch Direct-to-DVD.

Wer beim Heimkinostart nicht zugegriffen hat, kann den Film am 30. März 2026 kostenfrei und ohne Werbung im Fernsehen schauen: Im Rahmen seiner Montagskino-Reihe zeigt das ZDF den Film um 22.15 Uhr und stellt ihn darüber hinaus auch ein Jahr lang in seiner Mediathek zur Verfügung. Der sehenswerte Skandinavien-Thriller punktet mit einem starken Cast, einer schnörkellosen Story und einem spannenden Finale, doch Fans der Romanreihe müssen einige Abstriche in Kauf nehmen.

Darum geht es in "Verheißung - Der Grenzenlose"

Der sechste Fall des Sonderdezernats Q startet mit einem Schock: Christian Habersaat (Peter Mygind), ein früherer Kollege von Kommissar Carl Mørck (Ulrich Thomsen), jagt sich eine Kugel in den Kopf – und das nicht nur vor laufender Kamera, sondern auch im Beisein zahlreicher Weggefährten, die zur Abschiedsfeier anlässlich seiner nahenden Zwangspensionierung erschienen sind. Carls Kollegin Rose (Sofie Torp) ist bei dem tödlichen Drama auf der Ostseeinsel Bornholm ebenfalls vor Ort.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Assad (Afshin Firouzi) reist Mørck nach ihrem Anruf auf die Insel – Habersaat beschäftigte sich schließlich bis zu seinem Tod mit einem rätselhaften Mordfall, den nun die Kopenhagener Kollegen übernehmen. Die junge Alberte Schneider (Marie Boda) hing vor sieben Jahren tot in einem Baum an einer Landstraße, ihre Todesumstände blieben bis heute ungeklärt. Weil Mørck einen Unfall ausschließt, nimmt er Kontakt zu Habersaats Witwe June (Helle Fagralid) auf und muss kurz darauf machtlos mitansehen, wie sich auch deren Sohn Bjarke (Klavs Kristaps Kosins) mit einer Überdosis ins Jenseits befördert…

Änderungen, wohin man blickt

Sowohl im Vergleich zur fünften Romanverfilmung „Erwartung - Der Marco-Effekt“ aus dem Jahr 2021 als auch im Vergleich zur Buchvorlage von Jussi Adler-Olsen fallen in diesem Film erhebliche Unterschiede auf: Ole Christian Madsen („Tage des Zorns“) tritt auf dem Regiestuhl die Nachfolge von Martin Zandvliet an und Afshin Firouzi beerbt den aus privaten Gründen aus der Reihe ausgestiegenen Zaki Youssef als Assad-Darsteller. Das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel geht also munter weiter – schließlich verkörperten in den ersten vier Fällen „Erbarmen“ (2013), „Schändung“ (2014), „Erlösung“ (2016) und „Verachtung“ (2018) noch Nikolaj Lie Kaas und Fares Fares bei wechselnder Regie das kongeniale Ermittlerduo.

Immerhin herrscht mit dem charismatischen Ulrich Thomsen („Das Fest“) und der im Vergleich zu „Erwartung“ kaum wiederzuerkennenden, engagiert aufspielenden Sofie Torp („Willkommen im Nirgendwo“) Kontinuität – und besonders die von Torp gespielte Rose rückt in „Verheißung“ so sehr in den Fokus wie in bisher keiner Verfilmung. Anders als im Roman kommt der emsigen Assistentin in der Adaption eine Schlüsselrolle zu, weil sie sich undercover in der schrägen Osiris-Sekte des spirituellen (und sexuell sehr aktiven) Oberhaupts Atu (Joachim Fjelstrup) und seiner rechten Hand Pirjo (Hedda Stiernstedt) einschleicht.

Darüber hinaus strafft Drehbuchautor Jakob Weis den fast 600 Seiten starken Bestseller in seiner Version an zahlreichen Stellen erheblich – mehrere Charaktere verschmelzen in seiner Geschichte zu einer Person, fehlen ganz oder übernehmen für die Dramaturgie sinnvolle Zusatzfunktionen. Die allermeisten dieser Kürzungen sind stimmig, wenngleich die Figuren so natürlich nie die Vielschichtigkeit und Tiefe erreichen, die sie im Roman auszeichnet. Und zumindest an zwei Stellen schießt Weis deutlich über sein Ziel hinaus – Achtung, Spoiler: Dem verdutzten Mørck eine bis dato unbekannte Vaterschaft anzudichten und Rose einem sexuellen Übergriff auszusetzen, bringt den Film kaum voran und wäre verzichtbar gewesen.

Bekannte Gesichter im Cast

Die Dichte an Regional- und Skandinavien-Krimis in der deutschen TV-Landschaft ist inzwischen ja kaum noch zu toppen – vom austauschbaren Einheitsbrei auf den besten Sendeplätzen der öffentlich-rechtlichen Sender hebt sich „Verheißung“ aber auch personell wohltuend ab. Mit dem Charakterdarsteller Søren Malling („Die Königin des Nordens“) oder Peter Mygind aus dem international bekannten, dänischen Serienhit „Borgen“ zählen prominente Gesichter zum Cast und auch Regisseur Ole Christian Madsen, der mit Hauptdarsteller Ulrich Thomsen jahrelang als Regisseur und Produzent an der populären US-Serie „Banshee“ arbeitete, macht seine Sache hier sehr solide.

Zielstrebig und ohne Längen, aber auch ohne die ganz großen Überraschungen steuert „Verheißung“ auf ein dramatisches Finale zu, das einen sich durch den ganzen Film ziehenden Kontrast dann abschließend auf die Spitze treibt: Der düstere Mordfall und der tragische Tod der jungen Alberte passen so gar nicht zu Mørcks köstlichen Neckereien mit Assad (etwa beim Autofahren oder einer Übernachtung), den malerisch eingefangenen Ostsee-Landschaften und den so farbenfroh eingekleideten, stets positiv eingestellten Sekten-Anhängern. Das wahre Grauen liegt hier in vordergründiger Schönheit – und die kann ja bekanntlich trügerisch sein.

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