Manchmal dauert es etwas länger, bis Kinofilme im frei zugänglichen Fernsehen debütieren. Das kann einfach daran liegen, dass der Streifen keine Stars oder eine wenig attraktive Story zu bieten hat beziehungsweise ein Kassenflop war. Warum es im Falle des Judy-Garland-Biopics „Judy“ aber erst knapp sieben Jahre nach dem US- und fast sechseinhalb nach dem deutschen Kinostart zur hiesigen TV-Premiere kommt, ist nicht so einfach ersichtlich.
Schließlich spielte das Werk 2019/2020 etwa das Fünffache seines Budgets ein. Zudem hat es mit Renée Zellweger („Chicago“) in der Titelrolle einen echten Weltstar am Start, der für seinen Auftritt obendrein auch noch mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.
„Judy“ läuft am heutigen 3. April 2026 um 20.15 Uhr auf One. Wiederholungen folgen am 5. April um 16.40 Uhr und am 6. April um 11.30 Uhr. Alternativ steht der FSK-0-Titel aktuell im Rahmen des Flatrate-Programms von JoynPLUS+* zum Streamen ohne Aufpreis parat. Wer dort kein Abo hat und bereit ist, ein paar Euro zu investieren, kann auch auf Blu-ray und DVD* oder Video-on-Demand ausweichen:
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Vorsicht: Es wird traurig!
Judy Garland („Das Urteil von Nürnberg“) war einer der größten Stars der Hollywood-Historie. Zudem war sie über Jahrzehnte hinweg die Ikone der Schwulenbewegung in den USA. Ihrer berühmten Rolle in „Der Zauberer von Oz“ ist zum Beispiel der Code „Friend of Dorothy“ geschuldet, den Männer bereits während des Zweiten Weltkriegs nutzten, um sich gegenseitig ihre wahre sexuelle Orientierung zu signalisieren. Eine etwas arg kitschige Szene, in der die von Renée Zellweger mit spürbarem Engagement verkörperte Diva Freundschaft mit einem schwulen Paar (Andy Nyman, Daniel Cerqueira) schließt, bleibt indes die einzige Anspielung auf diesen in ihrem Dasein so wichtigen Aspekt.
Auch diverse andere entscheidende Punkte im Laufe der bewegten Vita der Leinwand-Ikone werden hier ebenfalls höchstens beiläufig gestreift. Der ansonsten primär als Theaterregisseur arbeitende Rupert Goold („True Story - Spiel um Macht“) konzentriert sich stattdessen nahezu komplett auf das letzte Jahr im Leben der 1969 aufgrund einer versehentlichen Überdosis an Barbituraten verstorbenen Sängerin und Schauspielerin. Dies ist für „Judy“ eine leider ziemlich unglückliche Entscheidung, wie wir in der deshalb auch nur mittelmäßige 2,5 von 5 möglichen Sternen vergebenden FILMSTARTS-Kritik herausstellen.
Gelungene Biopics präsentieren eigentlich immer einen Mix aus positiven und weniger schmeichelhaften Augenblicken im Leben der porträtierten Person. „Walk The Line“ über den legendären Johnny Cash oder der Elton-John-Streifen „Rocketman“ sind sehr gute Beispiele dafür. In beiden wird uns effizient und unterhaltsam vermittelt, wo der jeweilige Sänger herkam und was ihn zu dem machte, der er war beziehungsweise ist – mit all seinem Genie, aber auch seinen nicht wenigen, oft gravierenden Fehlern. Goold hingegen zeigt uns Garland hauptsächlich als körperliches und vor allem psychisches Wrack. So umgeht er zwar die typische Biopic-Falle, in der ein Film zur reinen Nummernrevue verkommt, in der nur die wichtigsten Stationen der Titelheldin abgehakt werden. Dennoch bringt die Wahl dieses Zeitpunkts den Film ins Wanken.
Klar, Goold versucht, die vielen düsteren Momente der tabletten- und alkoholabhängigen Garland mit einigen herrlich swingenden Songs abzufedern. Ihre Bühnenauftritte sind dynamisch ins Bild gesetzt und Renée Zellweger läuft dabei zur Höchstform auf. Die Mimin ist klar das Highlight von „Judy“. Wenn sie mit erstklassig getroffenen Garland-Manierismen ans Mikro tritt und ihre Stimme etwa zum Finale mit „Somewhere Over The Rainbow“ erhebt, ist augenblicklich der „Bridget Jones“-Star unter Make-up und Perücke vergessen. Wir sehen und hören nur noch Judy, die offenbar nur hier noch einmal ins Leben zurückkommt und sich die Seele aus dem Leib singt.
Dazu zeigt uns Goold zwischendrin jedoch auch immer wieder Flashbacks, die illustrieren, wie Garland als junge Schauspielerin (hier dargestellt von der damaligen Newcomerin Darci Shaw) gnadenlos ausgebeutet und unter seelischen wie körperlichen Druck gesetzt wurde. Die negativen Momente dominieren zu sehr, und die Story kommt so über weite Strecken einfach nur deprimierend und nicht etwa – wie es zu den meisten ihrer Lieder eigentlich besser passen würde – melancholisch und verträumt daher. Das macht das Ganze recht ermüdend und anstrengend – vor allem, wenn man weiß, dass Garlands Leben nur wenige Monate später, im Alter von 47 Jahren, endete. Darauf müsst ihr euch gefasst machen, wenn ihr „Judy“ einschaltet.
Neben den großartig ins Bild gesetzten Performance-Szenen hat der Film auf der positiven Seite aber auch noch eine ganze Reihe weiterer Stars zu bieten. So standen unter anderem die frischgebackene Oscar-Gewinnerin Jessie Buckley („Hamnet“), „Game Of Thrones“- und „The Last Of Us“-Star Bella Ramsey, „Harry Potter“-Dumbledore Michael Gambon, Finn Wittrock („La La Land“) und Rufus Sewell aus „The Father“ für „Judy“ vor der Kamera.
Das ist die Story von "Judy"
1968 in New York City: Die Karriere des einstigen Broadway- und Hollywood-Superstars Judy Garland (Renée Zellweger) ist an ihrem Tiefpunkt angekommen. Filmrollen bekommt sie schon lange nicht mehr angeboten. Und nicht einmal mehr bei Live-Auftritten mit Gesang und Tanz in kleinen Bars der US-Metropole will das Publikum sie noch sehen. Zudem ist sie pleite und ihr Exmann Sidney Luft (Rufus Sewell) will ihr das Sorgerecht für Tochter Lorna (Bella Ramsey) und Sohn Joey (Lewin Lloyd) streitig machen.
Da bietet ihr der Londoner Clubbesitzer Bernard Delfont (Michael Gambon) ein fünfwöchiges Engagement in seinem Etablissement im Westend der britischen Hauptstadt an. Obwohl sie den Gedanken, für so lange Zeit von ihren Kindern getrennt zu sein, kaum erträgt, bleibt der heruntergekommenen Diva keine andere Wahl als anzunehmen. Denn ohne die vergleichsweise üppige Gage hätte Sidney noch leichteres Spiel, ihr die beiden endgültig wegzunehmen...
Erinnert ihr euch noch daran, dass Renée Zellweger Anfang der 2010er plötzlich komplett von der Bildfläche verschwand und lange keinen einzigen Film mehr drehte? Im folgenden Artikel lest ihr alles über die Gründe dafür:
"Ich hatte den Klang meiner eigenen Stimme satt": Hollywood-Star erklärt, warum sie für ganze 6 Jahre von der Bildfläche verschwand*Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.