Er gewann den wichtigsten Oscar, doch schon 4 Jahre später ist er fast vergessen: Nicht mal "Dune" und Steven Spielberg hatten eine Chance gegen diesen Film
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Vor nicht mal 3 Jahren gelang es dem Remake einer französischen Tragikomödie, sich bei den Oscars u.a. gegen „Dune“, einen hochgelobten Netflix-Western und ein Musical von Steven Spielberg durchzusetzen. Doch heute denkt kaum noch jemand an den Film.

Was haben „Vom Winde verweht“, „Casablanca“, „Ben Hur“, „Lawrence von Arabien“, „Der Pate“, „Platoon“, „Der mit dem Wolf tanzt“ und „Gladiator“ gemeinsam? Sie alle wurden bei der Oscar-Verleihung als Bester Film prämiert – und gelten heute als Meilensteine der Kinogeschichte. Auch der jüngste Siegerfilm – Paul Thomas Andersons „One Battle After Another“ – wird irgendwann sicherlich den Status eines Klassikers innehaben.

Natürlich ist es für jeden Film die ultimative Ehre, sich in eine Reihe mit diesen Kinowerken stellen zu können. Doch selbst die Auszeichnung mit dem noch immer größten Filmpreis der Welt in der absoluten Königskategorie ist keine Garantie dafür, sich längerfristig im kulturellen Gedächtnis behaupten zu können. Oder wann habt ihr zuletzt an „Tom Jones - Zwischen Bett und Galgen“ (1964) oder „L.A. Crash“ (2006) gedacht? Um ein besonders erstaunliches Beispiel handelt es sich bei dem großen Oscar-Sieger von 2022: CODA“!

CODA
CODA
Starttermin 13. August 2021 | 1 Std. 51 Min.
Von Siân Heder
Mit Emilia Jones, Marlee Matlin, Eugenio Derbez
User-Wertung
3,9
Filmstarts
3,0
Auf Apple TV anschauen

Der zweite Langfilm von Regisseurin Siân Heder konnte sich als Bester Film u.a. gegen „Dune“, Steven Spielbergs „West Side Story“, Jane Campions gefeierten Netflix-Western „The Power Of The Dog“ oder das japanische Meisterwerk „Drive My Car“ durchsetzen. Außerdem gab es Preise für das beste adaptierte Drehbuch sowie Nebendarsteller Troy Kotsur. Trotzdem scheint bereits vier Jahre später niemand mehr an „CODA“ zu denken.

Falls es euch auch so geht und ihr ihn bisher noch nicht einmal gesehen habt, könnt ihr ihn bei AppleTV+ nachholen – mittlerweile ist der Streamingdienst auch als Channel bei Amazon Prime Video abrufbar, mit einem 7-tägigen Probeabo für Prime-Abonnenten sogar kostenlos:

Darum ist "CODA" schon wenige Jahre nach seinem Oscar-Sieg in Vergessenheit geraten

Dass kaum noch an den Film gedacht wird, hat mehrere Gründe: Zum einen war „CODA“ kaum irgendwo auf der großen Leinwand zu sehen. Bereits kurz nach seiner Premiere auf dem Sundance-Festival im Januar 2021 sicherte sich AppleTV+ die weltweiten Vertriebsrechte, sodass der Film in den meisten Ländern nur im Streaming veröffentlicht wurde – und das noch exklusiv auf einem Dienst, der nicht annähernd so viele Abonnent*innen verzeichnet wie Netflix, Amazon Prime Video & Co.

Zum anderen erhielt das Remake der französischen Tragikomödie „Verstehen Sie die Béliers?“ zwar überwiegend positive Kritiken. Doch handelt es sich bei der Coming-of-Age-Geschichte der 17-jährigen Ruby Rossi (Emilia Jones), die das einzige hörende Mitglied einer gehörlosen Familie in einer englischen Fischereistadt ist, wie schon beim Original letztlich nur um einen relativ simpel gestrickten Feelgood-Film.

CODA
CODA
Starttermin 13. August 2021 | 1 Std. 51 Min.
Von Siân Heder
Mit Emilia Jones, Marlee Matlin, Eugenio Derbez
User-Wertung
3,9
Filmstarts
3,0
Auf Apple TV anschauen

Auch FILMSTARTS-Autor Michael Meyns vergab in seiner Kritik so nur solide 3 von 5 Sternen. Vermutlich hat die Academy hier also eher nach Thema als nach filmischen Gesichtspunkten entschieden.

Ob auch Denzel Washington für „CODA“ abgestimmt hätte? Wir werden es wohl nie erfahren. Denn der „Gladiator 2“-Star ist zwar Mitglied der Academy, weigert sich aber seit 25 Jahren standhaft, von seinem Stimmrecht Gebrauch zu machen. Warum, das erfahrt ihr im folgenden Artikel:

"Sie ignorieren mich, ich ignoriere sie": Deshalb stimmt Denzel Washington seit 25 Jahren nicht mehr für die Oscars ab

Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.

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