Dieser selbstbewusste Mix aus Satire, Thriller, Slacker-im-Ausnahmezustand-Irrsinn und politisierter Action hat die Herzen unzähliger Filmfans im Sturm erobert: „One Battle After Another“ bekam von FILMSTARTS-Chefredaktionsmitglied Björn Becher den Meisterwerk-Status zugesprochen, hat sechs Oscars gewonnen (darunter den Preis als bester Film) und steht auf Rang eins der gemeinsamen Jahresbestenliste von FILMSTARTS und Moviepilot!
Außerdem geraten beim Gedanken an den neusten Film von „There Will Be Blood“-Regisseur Paul Thomas Anderson so unterschiedliche Kreativköpfe wie Taylor Swift und Martin Scorsese ins Schwärmen. Nachdem der fesselnde, beißend-komische Genrehybrid die große Leinwand und das Streaming eroberte und eine Standard-Heimkino-Auswertung erhalten hat, steht die nächste Station an: Am 4. Juni 2026 erscheint „One Battle After Another“ als stylisches 4K-Steelbook!
Diese Edition ist außerdem bei Amazon* gelistet, dort derzeit aber nicht vorrätig. Der Konzerngigant hat aber weiterhin die regulär aufgemachte DVD, Blu-ray und 4K-Disc* auf Lager.
Darüber hinaus ist das 162 Minuten lange Ausnahmewerk auf zahlreichen Plattformen, darunter Amazon Prime Video*, als VOD verfügbar. Beim auch als Prime Video Channel* verfügbaren Streamingdienst HBO Max ist das Meisterwerk sogar im Abo enthalten!
Darum geht es in "One Battle After Another"
Als Teil der linksextremen Gruppierung „French 75“ verpasst das Liebespaar Ghetto Pat (Leonardo DiCaprio) und Perfidia (Teyana Taylor) dem militaristisch-kapitalistischen US-System explosive Denkzettel: Wenn sie keine Bomben in Banken legen, dann befreien sie Immigrant*innen aus Lagern an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Ihre Bindung bekommt jedoch Risse, als Perfidia schwanger wird und Pat den Klassenkampf aus Liebe zu Willa (Chase Infiniti) ruhiger angehen lassen will.
Als dann eine Aktion der „French 75“ brutal aus dem Ruder läuft, wird die Familie entzwei gerissen. 16 Jahre später bewirbt sich Colonel Steven J. Lockjaw (Sean Penn), der einst Perfidia und Pat hinterherjagte, beim rechtsextremen Geheimzirkel „Christmas Adventurers Club“ und nimmt daher wieder die Spur auf. Somit gerät Willa, die bislang keinen Schimmer von der Vergangenheit ihres alleinerziehenden Kiffer-Vaters hat, in einen tödlichen Kampf um Macht, Identität und Deutungshoheit. Und Pat? Der müsste zu alter Form zurückkehren, ist dafür aber viel zu durch – bleibt zu hoffen, dass wenigstens Sensei Sergio (Benicio Del Toro) weiß, was zu tun ist...
Auf und nieder, immer wieder: Die Revolution nimmt nie ein Ende!
Frei nach Thomas Pynchons Roman „Vineland“* knallt Regisseur und Autor Paul Thomas Anderson seinem Publikum eine Genrehatz vor den Kopf, die das ständige Auf und Ab des Kampfs zwischen Freiheit und Unterdrückung in aufregender Weise eng verdichtet: Der Filmemacher drängt die bildästhetische Grandezza der VistaVision-Epen aus den 1950ern, die Patina und atonale Klangwelt eines 1970er-Jahre-Paranoia-Politreißers und ein gegenwärtiges (wenn nicht gar in der nahen Zukunft verortetes) Setting zusammen.
Dadurch verdeutlicht er, dass sich das von Aggressivität bestimmte Tauziehen zwischen Progressivität und Regression kontinuierlich wiederholt – es ändern sich bloß einzelne Schlagwörter und die technischen Mittel, mit denen die Schlachten geschlagen werden. Doch so nachdrücklich Andersons Warnung vor mickrigen, bigotten Egos, die ihren Selbstwert daraus ziehen, auf den Rücken Unschuldiger herumzutrampeln, sein mag: „One Battle After Another“ verzichtet auf klobige Verbalisierungen seiner thematischen Schlüsse! Stattdessen präsentiert sich dieser Meisterstreich als soghaft-unterhaltsames Agit-Spektakel.
Denn die Weise, mit der Anderson aufrüttelt und aufzeigt, wie etwaig fern wirkende Politzwists brachial ins eigene Privatleben hereinbrechen, nährt sich konsequent aus der Thriller-Handlung und ihren humoristischen Knallkörpern und -chargen. Etwa durch den mit der kühl-stechenden Art eines Stanley Kubrick inszenierten Abstecher hinter die Kulissen des „Christmas Adventurers Club“, der sich aus betuchten, dauernd bevorteilten Säcken zusammensetzt, die sich über vermeintlich sie treffende Ungerechtigkeiten beklagen, obwohl für sie jeder Tag Weihnachten ist.
Noch vortrefflicher ist eine zentrale Passage, in der Pat verzweifelt versucht, seine alten Kontakte aus dem linken Widerstand telefonisch zu kontaktieren. Dabei beißt sich an einer Sicherheitsphrase die Zähne aus, die er durch jahrzehntelangen Drogenkonsum aus seinem Gedächtnis geräuchert hat – sowie an den veränderten Gepflogenheiten auf der anderen Seite der Leitung. Was schlicht und unterhaltsam „The Big Lebowski“ nach Anderson-Art sein könnte, spielt sich aber parallel zu einer wuselig inszenierten Stresskakophonie ab, während der Sensei Sergio unbemerkt eine logistische Wunderleistung nach der nächsten vollbringt, um Leben zu retten, die Lockjaws Schergen zu ruinieren oder gar auszulöschen drohen.
Vom Wuselchaos zur Weltklasse-Verfolgung
Dicht an dicht drängeln sich in diesem heimlichen Herzstück von „One Battle After Another“ Erfolge und Rückschläge, zynischer Galgenhumor und empathischer Witz, Widerstandschaos und die bedrückende Gefahr von rechts. Ein Auf und Ab, das der Schlussakt des Films nicht einfach wiederholt, sondern atemberaubend verbildlicht:
In sonnengegerbten, jegliches Gefühl für Höhe, Breite und Tiefe aus dem Gleichgewicht bringenden VistaVision-Bildern lassen Anderson und „Licorice Pizza“-Kameramann Michael Bauman eine Auto-Verfolgungsjagd entbrennen, die sich auf Anhieb zwischen die stärksten Verfolgungen der Kinogeschichte gedrängt hat. Es wird be- und entschleunigt, die flirrende Luft lässt steile Hügel zur Geraden verschmelzen, Taktik und pure PS-Leistung duellieren sich und alles führt zu dem einen, gewaltigen Knall, der ebenso erschüttert, wie er ersehnt wurde!
Dieser Akt allein macht „One Battle After Another“ zum Muss für alle, die krachende Filmunterhaltung mit Köpfchen lieben. Und wenn es noch mehr Spannungskino mit haarsträubender Auto-Action sein soll, gebt doch unserem folgenden Heimkino-Tipp eine Chance!
Dieser 40 Jahre alte Reißer hat eine der besten Verfolgungsjagden der Kinogeschichte: Schockierender Polizei-Thriller erscheint erstmals in 4KDies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.
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