Quentin Tarantino ist nicht nur für Kultfilme wie „Kill Bill“ oder „Pulp Fiction“ bekannt, sondern auch für seine starken und ungeschönten Meinungen. Der Regisseur äußert Vorlieben und Abneigungen gern lautstark – und wer ihn überzeugt, kehrt oft mehrfach in seinem Werk zurück. Über die Jahre ist so ein festes Ensemble aus wiederkehrenden Darstellern entstanden, darunter Stars wie Samuel L. Jackson oder Brad Pitt. Doch es gibt auch Ausnahmen. Einen Schauspieler würde Tarantino nach eigener Aussage wohl niemals besetzen – und nein, wir meinen nicht Paul Dano!
In seinem Buch Cinema Speculation blickt Tarantino auf Genre- und Exploitationfilme der 1970er- und 1980er-Jahre zurück. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund – auch nicht, wenn es um einzelne Darsteller geht. Besonders deutlich wird das bei seiner Abrechnung mit Miles Chapin.
Anlass ist der Horrorfilm „Das Kabinett des Schreckens“ (1981) von Tobe Hooper. Der Low-Budget-Film spielt in einem Jahrmarkt-Geisterhaus und setzt weniger auf explizite Gewalt als auf Atmosphäre und groteske Bilder. Für Tarantino bleibt er deutlich hinter Hoopers Klassiker „Blutgericht in Texas“ (besser bekannt als „The Texas Chainsaw Massacre“) zurück, dient ihm aber als Ausgangspunkt für grundsätzliche Überlegungen zum Genre – und für eine sehr persönliche Einschätzung.
Chapin spielt in „Das Kabinett des Schreckens“ die Nebenfigur Richie: den nervösen, unsicheren Mitläufer des selbsternannten Anführers Buzz. Ein typischer „Besserwisser“-Charakter, bewusst schmächtig und unbeholfen inszeniert. Genau diese Figur – und offenbar auch ihr Darsteller – trifft bei Tarantino einen wunden Punkt.
In seinem Buch schreibt er (via FandomWire): „Miles Chapin, ein Schauspieler, gegen den ich schon immer allergisch war, ist so nervig, so gewöhnlich wie Richie, der schwächliche, gruselige, bebrillte beste Freund von Buzz.“
Besonders ein Detail scheint sich Tarantino eingeprägt zu haben: Chapins Pullover, lässig um den Hals gebunden – ein damals durchaus gängiges Modeaccessoire. Für Tarantino jedoch offenbar ein rotes Tuch. Rückblickend reiche dieses Stilmittel aus, um den Schauspieler „auf den ersten Blick zu hassen“. Ob sich hier schlicht eine grundsätzliche Abneigung gegen bestimmte Nerd-Typen Bahn bricht, bleibt offen – Tarantinos Wortwahl lässt zumindest tief blicken.
Ganz ohne Anerkennung bleibt Chapin dennoch nicht. Trotz seiner deutlichen persönlichen Abneigung gesteht Tarantino ein, dass die Besetzung funktioniert: „Auch wenn ich Miles Chapin nie mochte, kann man nicht leugnen, dass er perfekt als Richie besetzt ist.“ Ein Lob mit Widerhaken – typisch Tarantino.
Miles Chapin selbst hat die Filmbranche längst hinter sich gelassen. Nach Rollen vor allem in kleineren Produktionen der 1970er- und 1980er-Jahre zog er sich Anfang der 2000er aus dem Schauspielgeschäft zurück. Heute arbeitet er unter anderem als Autor, Immobilienmakler und Berater. Tarantinos späte Abrechnung dürfte ihn daher kaum noch beschäftigen – bleibt aber ein weiteres Beispiel für die schonungslose Offenheit eines Regisseurs, der auch abseits der Leinwand keine Kompromisse macht.
Wenn ihr übrigens wissen wollt, welchen Schauspieler Tarantino für den allerbesten hält, dann lest auch den nachfolgenden Artikel:
"Ich denke, er ist der beste Schauspieler der Welt": Diese Kino-Legende ist für Quentin Tarantino die absolute Nummer 1!*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links erhalten wir eine Provision.