Vor 19 Jahren kam ein packender Kriegsthriller mit gleich 3 (!) Hollywood-Ikonen in die Kinos - doch heute spricht kaum noch jemand über den Film!
Björn Schneider
Björn Schneider
-Freier Autor
Seit Björn als Kind „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Hook“ gesehen hat, ist er vom Medium Film und seinen (audio-)visuellen Möglichkeiten fasziniert. Am liebsten schaut er Horror, Western, Mystery und Thriller. Musicals und romantische Komödien kosten ihn allerdings Überwindung.

Ein Antikriegsfilm, in dem geredet statt gekämpft wird? Genau so verhandelt „Von Löwen und Lämmern“ den amerikanischen „War on Terror“ nach 9/11. Der Episodenfilm ist heute beinahe vergessen – trotz dreier Schauspiel-Legenden in den Hauptrollen!

Betrachtet man die Kassenschlager von 2007 mit fast 20 Jahren Abstand, stellt man fest, dass im Vergleich zu heute vieles gleich geblieben ist. An den globalen Kinokassen dominierten Fortsetzungen großer Blockbuster-Franchises („Fluch der Karibik 3“, „Harry Potter 5“) und familienkompatible Animationsfilme („Ratatouille“, „Shrek 3“). Nur heißen die erfolgreichen Film-Reihen, die die Massen in die Lichtspielhäuser locken, aktuell „Super Mario“, „Dune“, „Zoomania“ oder „Jurassic World“.

Ein weiteres Phänomen gibt es immer wieder, unabhängig von Jahrzehnten, filmischen Hypes oder Trend-Themen: Filme, die trotz erlesener Starbesetzung kaum Beachtung erfahren. Beispiele jüngeren Datums sind Matthew Vaughns Agenten-Megaflop „Argylle“ (2024) oder Francis Ford Coppolas Herzensprojekt „Megalopolis“, das – trotz Stars wie Adam Driver, Laurence Fishburne oder Dustin Hoffman – an den Kassen Schiffbruch erlitt.

Ein ähnliches Schicksal widerfuhr 2007 dem FilmVon Löwen und Lämmern“. Robert Redfords siebte Regiearbeit traf nicht den Nerv der Zeit und fand folglich nicht die eigentlich verdiente Beachtung – obwohl sich darin gleich drei Hollywood-Ikonen die Ehre geben!

Von Löwen und Lämmern
Von Löwen und Lämmern
Starttermin 8. November 2007 | 1 Std. 30 Min.
Von Robert Redford
Mit Tom Cruise, Meryl Streep, Robert Redford
Pressekritiken
3,1
User-Wertung
3,4
Filmstarts
4,0

Darum geht’s in "Von Löwen und Lämmern"

Hollywood-Legende und Oscar-Preisträger Redford („Eine ganz normale Familie“) erzählt von drei miteinander verknüpften Storylines, die sich zeitgleich an unterschiedlichen Schauplätzen abspielen. In Washington verfolgen wir die politische Arbeit des potenziellen Präsidentschaftskandidaten Jasper Irving (Tom Cruise), der die TV-Journalistin Janine Roth (Meryl Streep) mit einer Story zu manipulieren versucht.

Gleichzeitig gerät der idealistische, an einer Westküsten-Uni unterrichtende Professor Malley (Redford) ins Zwiegespräch mit einem antriebslosen Studenten (Andrew Garfield) aus reichem Hause. Parallel kämpfen die Soldaten Arian (Derek Luke) und Ernest (Michael Peña), frühere Studenten von Malley, in einer fatalen, aussichtslosen Mission am Hindukusch gegen die Taliban.

Redford, der selbst eine der Hauptrollen übernahm, konnte für seinen Mix aus Antikriegsfilm, Thriller und Polit-Drama auf einen wahren Edel-Cast zurückgreifen. Etablierte, kassenträchtige Superstars (Cruise) und mehrfache Oscar-Siegerinnen (Streep) trafen auf aufstrebende Jung-Darsteller (der spätere Spider-Man-Darsteller Andrew Garfield). Und trotzdem spricht heute kaum noch jemand über den Film, der schon damals die – kommerziellen – Erwartungen nicht ganz erfüllen konnte (obwohl er mit knapp 65 Millionen Dollar „immerhin“ dann doch fast das Doppelte seines Budgets wieder einnahm).

Worte statt Kriegs-Action – Gründe für den (Miss-)Erfolg

Doch warum führt „Von Löwen und Lämmern“ in der Filmgeschichte eher ein unbedeutendes „Fußnoten-Dasein“? Immerhin sehen viele Kritiker in dem Film bis heute ein herausragend gespieltes Ensemblestück, das mit Sensibilität und Vielschichtigkeit komplexe Themen wie den amerikanischen „War on Terror“ (der „Krieg gegen den Terror“ nach dem 11. September), Machtmissbrauch, mediale Manipulation und Patriotismus kritisch verhandelt. Auch in der offziellen FILMSTARTS-Besprechung gab es starke 4 von 5 Sternen, wobei „Von Löwen und Lämmern“ unter anderem als „scharfes Amerika-Porträt“ und „packender Dialog-Thriller“ bezeichnet wird.

Jene Dialoge könnten allerdings auch der Grund für weite Teile des Publikums gewesen sein, einen Bogen um den nur 88 Minuten langen Film zu machen. Denn trotz seiner überschaubaren Laufzeit verhandelt Redford viele (vielleicht zu viele?) Themen – und das meist in Form von Wortgefechten, Debatten und Streitgesprächen. Zwei der drei Episoden spielen in Büros, wodurch Redford seinem Film eine Kammerspiel-artige Stimmung verleiht. Nur der Handlungsstrang in Afghanistan zeigt kriegerische Auseinandersetzungen und den Überlebenskampf zweier US-Soldaten. Wer vor dem Kinobesuch einen actiongeladenen Kriegsfilm erwartete, wurde in jedem Fall enttäuscht.

„Von Löwen und Lämmern“ ist allerdings ein Fest für alle, die rhetorisch starke Rede-Duelle schätzen. Als anspruchsvoller, wortgewaltiger Gegenentwurf zum „klassischen Kriegsfilm“ wird der Krieg hier auf theoretischer Ebene ausgefochten. Ein intellektuell angehauchter Film, der zum Nachdenken über Themen und Fragen anregt, die in Zeiten tiefgreifender globaler Krisen heute aktueller denn je sind.

Fun-Fact am Rande: Für Tom Cruise war „Von Löwen und Lämmern“ der erste Film seit 21 Jahren als Hauptdarsteller, der die 100-Millionen-Dollar-Marke nicht knackte. Ebenfalls nur“ rund 63 Millionen Dollar hat übrigens der Film eingespielt, der Cruise den Durchbruch brachte – und für dessen Hauptrolle halb Hollywood Schlange stand. Um welchen 80er-Jahre-Kulthit es geht, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

Halb Hollywood sprach für diesen 80er-Jahre-Kultfilm vor – am Ende verschaffte er Tom Cruise den Durchbruch!

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