Heute Abend streamen: Einer der größten Kinoklassiker aller Zeiten – er hat (mindestens!) eine ganze Generation geprägt
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

Mit diesem Film wurde James Dean zu einer Stilikone für rebellische, nach Orientierung suchende Teenager: „...denn sie wissen nicht, was sie tun“ ist ein Meilenstein des Coming-Of-Age-Kinos. Streamt das legendäre Drama unter anderem bei Prime!

Halbstarke, die Konflikte untereinander mit Messerstechereien und Autorennen klären und nie wissen, wohin mit ihrem Frust über die entrückte Erwachsenenwelt. Verletzte, orientierungslose Seelen, die verzweifelt auszubrechen versuchen. Und modische Rebellion, die nach Filmstart zur Normalität heranwächst:

...denn sie wissen nicht, was sie tun“ ist kunstvoll-melodramatisch zugespitzte Sozialstudie, Coming-Of-Age-Drama und jugendlicher Aufschrei zugleich. Falls ihr den Meilenstein mit James Dean, für den allein in Deutschland über 6,28 Millionen Kinokarten verkauft wurden, sehen möchtet: „...denn sie wissen nicht, was sie tun“ kann unter anderem bei Amazon Prime Video als VoD bezogen werden.

Außerdem ist „...denn sie wissen nicht, was sie tun“ derzeit bei WOW* im Abo enthalten – und WOW wiederum ist als Prime Video Channel* verfügbar.

Darum geht es bei "...denn sie wissen nicht, was sie tun"

Der 16-jährige Jim Stark (James Dean) gilt als Problem auf zwei Beinen, weshalb seine Familie mehrmals umgezogen ist. Auch in seiner neuen Heimat Los Angeles eckt er an: Er landet wegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit auf dem Polizeirevier. Am Tag danach wird er von Rowdys in die Mangel genommen und zum Messerzweikampf angestiftet.

Jim, der seine Schwiegemutter (Ann Doran) für herrisch und seinen Vater (Jim Backus) für einen peinlichen Pantoffelhelden hält, knüpft aber auch Freundschaften. Es dauert nicht lange, bis er, Judy (Natalie Wood) und Plato (Sal Mineo) zum eigenwilligen Trio werden, das in einer schicksalsträchtigen Nacht versucht, ein verlassenes Anwesen zu seinem Paradies zu machen. In dieses empfindsame Idyll bricht allerdings die harte Realität hinein...

Zeitlos pubertärer Frust

In einer Hinsicht ging der kulturelle Kontext von „...denn sie wissen nicht, was sie tun“ wohl unrettbar verloren: Kostümdesigner Moss Mabry („Giganten“) und Regisseur Nicholas Ray („Party Girl“) packten Dean in ein ihm derart gut sitzendes T-Shirt, dass diese modische Entscheidung gesellschaftsfähig wurde. Jims Akt der Rebellion, ein Kleidungsstück, das bis dahin unter einem zugeknöpften Hemd getragen gehörte, als Oberteil aufzutragen, ist daher einem heutigen Publikum zumeist unklar.

Abseits dessen ist „...denn sie wissen nicht, was sie tun“ ein starkes Drama mit zeitlos intensiver Sogwirkung und einem eindringlichem, emotionalen Kern der Verletzlichkeit. Sprachgewohnheiten, Technologie und Mode haben sich in den über 70 (!) Jahren seit Uraufführung zwar enorm gewandelt. Doch die zentralen Konflikte im mit jugendlich-ungeduldigem Pathos versehenen Skript des „The Last Movie“-Autoren Stewart Stern haben ungebrochen Bestand:

Jim ertränkt seine Sorgen, unverstanden zu bleiben und keinerlei Respekt zu erfahren, in Alkohol. Zudem dreht er angesichts eines Mangels an Vorbildern durch – sein Vater ist ein Duckmäuser, andere Jungs üben sich in gefährlichen Männlichkeitsritualen. So etwas wie einen sensiblen, vernünftigen Mann mit Rückgrat bekommt er nicht zu Gesicht. Judy indes wird zu ihrem Frust sowohl dafür gescholten, sich wie ein kleines Mädchen aufzuführen, als auch dafür, lasziv und vulgär zu sein. Und Plato fühlt sich zurückgelassen (und hadert im Subtext des Films damit, für seine Homosexualität geschasst zu werden).

Alle Figuren eint, dass ein gewaltiger Graben zwischen ihnen und den Erwachsenen liegt: Eltern und Autoritätsfiguren mahnen, schelten und vorverurteilen, es sei denn, sie schauen desinteressiert oder empört weg. So werden die Hormoncocktails auf zwei Beinen mit ihrem Gedankentumult allein gelassen, woraufhin die wirklich schlimmen Dinge passieren.

James Deans Look: Aus dieser unerhörten Kombo wurde ein ikonisches Outfit! Warner Bros.
James Deans Look: Aus dieser unerhörten Kombo wurde ein ikonisches Outfit!

Zweifelsohne: Die Intensität und Rasanz, mit der in „...denn sie wissen nicht, was sie tun“ alltägliche Ärgernisse zu Tragödien heranwachsen, macht diesen Kino-Meilenstein für ein zynisches Publikum angreifbar. Jedoch ist dies kein Schwachpunkt, sondern Beweis, wie unmittelbar Ray die angestrengte, verzweifelte Gefühlswelt seiner Hauptfiguren einfängt – stoßen die Sorgen und Ausflüchte aufgekratzter Teenager doch bei zynischen Außenstehenden selten auf Verständnis.

Diese Teenager-Ängste fängt Ray abwechslungsreich ein: Mineos kindlichere, sprunghaftere Art und Woods Changieren zwischen unschuldiger Rotkäppchen-Manier, Elektrakomplex und einer zögerlichen Rebellin, die sich nach Geborgenheit sehnt, ergänzen wunderbar Deans hypnotisierend-widersprüchliche Performance. Er verleiht Jim eine situativ bis zum Anschlag aufgedrehte Emotionalität, lässt dahinter jedoch Interpretationsfreiraum, was wohl seine Überzeugungen sind. Das zahlt auf den englischen Originaltitel ein, „Rebel Without A Cause“, und stärkt die Zeitlosigkeit des Films – bekommt das Publikum doch eine Projektionsfläche geboten, um sich in Jim wiederzuerkennen.

Auch die mit künstlerischem Auge überhöhte Farbwelt von stärkt diese Parabel über jugendlichen Frust: Ray und „Vom Winde verweht“-Kameramann Ernest Haller lassen Rot-, Blau- und Brauntöne mit theatraler Deutlichkeit hervorstechen. Seien es das märchenhafte Outfit, in dem wir Judy kennenlernen, die vielen, kühl-blauen, suchenden Augen oder die erdrückenden, piefigen Holzvertäfelungen allerorten – dieses Jugenddrama bildet nicht die Wirklichkeit ab, sondern den verzerrten Eindruck, den sie hinterlässt.

Damit ist „...denn sie wissen nicht, was sie tun“ für uns das, was für Judy, Plato und Jim kurzzeitig das verlassene Anwesen ist, an dem sie im berührendsten Abschnitt des Films ihre Gefühle und Gedanken spielerisch zu ordnen versuchen: Eine einfallsreich arrangierte Echokammer, ein angreifbarer Rückzugsort und eine dramatische Zuspitzung, die emotionale Wunden offenlegt.

Und wenn ihr Lust auf einen weiteren Coming-Of-Age-Klassiker habt, der jugendliche Impulsivität einfängt und dabei mit Style punktet, solltet ihr diesen Streaming-Tipp befolgen:

Heute Abend streamen: Unfassbar cool, extrem stimmungsvoll und bittersüß – dieser Kultklassiker ist ein absolutes Muss!

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