6,11 Millionen Menschen haben dieses bildgewaltige, hochemotionale Meisterwerk in den deutschen Kinos gesehen – heute Abend läuft es im TV!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Sidneys Lieblingsfigur ist Donald Duck, sein erster Kinofilm war Disneys „Aladdin“ und bereits in der Grundschule las er eine Walt-Disney-Biografie. Wenn er könnte, würde er ins Disneyland auswandern, aber da das nicht geht, muss ihn seine Disney-Sammlung bei Laune halten.

Es ist einer der besten Animationsfilme aller Zeiten: Das Pixar-Meisterwerk „Ratatouille“ von „Die Unglaublichen“-Regisseur Brad Bird sieht atemberaubend aus, ist musikalisch wunderschön untermalt und eine passionierte Hymne an die Kreativität.

Die Pixar Animation Studios liefern zwar weiterhin in respektabler Schlagzahl sehenswerte Filme ab, doch Jahr für Jahr wird deutlicher, wie erstaunlich die Blütezeit der Trickschmiede war: Immer wieder verwandelte Pixar kaum massentauglich anmutende Filmprämissen in ausgezeichnete Kassenschlager, die Publikum und Presse derart ins Herz geschlossen haben, dass sie rückblickend wie logische, sichere Nummern erscheinen.

Ein glühendes Beispiel dafür ist „Ratatouille“: Eine Animationskomödie über eine Ratte, die gerne kocht, sowie über die Relevanz passionierter Kritiken? Vorab wurde dies als garantierter Flop abgetan. Stattdessen wurde der betörend schön animierte, erstaunlich bewegende Film von „Die Unglaublichen“-Regisseur Brad Bird zum über 620 Millionen Dollar schweren, innig geliebten Blockbuster.

Unter anderem gewann „Ratatouille“ den Oscar für den besten Animationsfilm (hinzu kamen vier weitere Academy-Award-Nominierungen). Zudem wählten ihn die FILMSTARTS-Community sowie die FILMSTARTS-Redaktion unter die besten Trickfilme der Geschichte. Wenn ihr auf den Appetit gekommen seid: „Ratatouille“ läuft heute, am 16. Mai 2026, ab 20.15 Uhr in Sat.1, außerdem ist das bildhübsche, berührende Meisterwerk via Disney+ abrufbar.

Darum geht es in "Ratatouille"

Rémy (Stimme im Original: Patton Oswalt / Stimme in der deutschen Fassung: Axel Malzacher) lebt mit dem Rest seiner Rattenfamilie in einem französischen Landhaus. Während sein gefräßiger Bruder Emile (Peter Sohn / Manuel Straube) und sein schroffer Vater Django (Brian Dennehy / Harald Dietl) Nahrung wahllos in sich hineinstopfen, hat Feingeist Rémy Ansprüche. Er will Aromen auf anregende, überraschende Weise kombinieren – eine Ambition, die ihn zum Außenseiter macht und in Gefahr bringt.

Als er eines Tages vom Rest seiner Familie getrennt und in der Kanalisation gen Paris gespült wird, entdeckt er das einst hoch angesehene, seit einer vernichtenden Kritik mit angeschlagenem Ruf operierende Restaurant Gusteau's. Dort sieht er, wie Küchenhilfe Linguini (Lou Romano / Stefan Günther) eine Suppe versaut, und kann nicht anders: Er rettet das Gericht! Linguini bemerkt dies, kann seinen Augen nicht trauen, und springt notgedrungen über seinen Schatten:

Um beim cholerischen Chefkoch Skinner (Ian Holm / Gudo Hoegel) Pluspunkte zu sammeln, schlägt Linguini Rémy eine Partnerschaft vor. Das ist leicht gesagt, schwer in die Tat umgesetzt – zumal die ehrgeizige Colette (Janeane Garofalo / Elisabeth von Koch) nicht fassen kann, dass ausgerechnet Tollpatsch Linguini eine Chance in der hektischen, traditionsreiche Küche bekommt. Und dann kündigt ausgerechnet der strenge Kritiker Anton Ego (Peter O’Toole / Jürgen Thormann) seinen Besuch an...

"Mit Herz und Hirn zubereitet und verkostet"...

Obschon „Ratatouille“ dank eines verschiedene Einflüsse pittoresk vereinenden Looks und allgemeingültiger Konflikte ein im schönsten Sinne zeitloser Film ist, wirkt er nahezu 20 Jahre nach seiner Uraufführung aktueller denn je. Denn die unter anderem von Jan Pinkava („Toy Story 2“), Jim Capobianco („Die Monster AG“) und Brad Bird ersonnene Geschichte lotet mit pointiertem Dialogwitz, genüsslich ausgekostetem Slapstick, gewitzt zugespitzten Charaktermomenten und kunstvoll gesetzten, poetischen Atempausen Themenkomplexe aus, die 2026 von gestiegener Relevanz sind.

Im wohl frankophilsten Hollywood-Animationsfilm überhaupt geht es darum, wie erfüllend es ist, einer Passion nachzugehen und durch emsige Zusammenarbeit, fleißiges Nachschlagen sowie stetes Üben darin besser zu werden. Ebenso zeigt „Ratatouille“ auf, wie sehr es beflügelt, mit wachem Verstand das, was mit Passion erschaffen wurde, neugierig zu konsumieren, statt es wahllos herunterzuschlingen.

Dieses in intensivem Paris-Flair getauchte Loblied auf Kunstfertigkeit, mit Herzblut verfolgtem Schöpfungsdrang und hingebungsvoller Auseinandersetzung mit dem, was uns aufgetischt wird, gewinnt an Dringlichkeit: Nunmehr konkurriert kunstvolles Handwerk nicht bloß mit Fließbandprodukten. Techkonzerne bläuen durch PR-Hype und millionenschweres Marketing Menschen ein, sie sollten ihren Intellekt aufgeben und Feingeistiges einer KI überlassen.

... schlägt "seelenlos hingeschlonzt und heruntergewürgt"

Wieso den Schwarm in eigenen Worten umgarnen, wenn ChatGPT die verknallte Textnachricht regelt? Weshalb einen Film schauen, danach tief blicken lassende Überlegungen verschiedenster Menschen über dieses Werk aufmerksam lesen, um letztlich von all diesen Reizen angespornt bei einem Spaziergang die eigenen Gedanken kreisen zu lassen, wenn man stundenlang KI-Schlonze auf TikTok suchten kann? Der nicht von KI-Propaganda gelähmte Geist weiß, weshalb!

Wer von der als Zukunftslifestyle beworbenen Mentalbräsigkeit bereits angesteckt wurde, wird indes hoffentlich durch Geniestreiche wie „Ratatouille“ eines Besseren belehrt. Zumal diese Herzbluthymne durch eine malerische Ästhetik, betörend-vitale Musik des „Oben“-Komponisten Michael Giacchino sowie herzliche Sequenzen über Freundschaft, Lebenssinnsuche und Neuanfänge bereichert wird. Vive l'art!

Falls ihr nach „Ratatouille“ ein weiteres Pixar-Meisterwerk sehen möchtet, das amüsiert, berührt und zum Nachdenken anregt, schaut doch auch unseren folgenden Streaming-Tipp:

Heute Abend streamen: Dieser Sci-Fi-Blockbuster ist wunderschön, klug und heute aktueller denn je

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