Vom weisen Zauberer Gandalf über den pflichtbewussten Thronfolger Aragorn bis hin zu Frodo, dem mutigen Ringträger: „Der Herr der Ringe“ steckt voller ikonischer Figuren. Zu den beliebtesten Charakteren in der Gemeinschaft des Rings zählt dabei auch Legolas. Das Fantasy-Epos wäre ohne den Prinzen aus dem Düsterwald, dessen platinblonde Mähne und spitzen Elbenohren ihn optisch stark von den übrigen „Gefährten“ unterscheiden, absolut nicht vorstellbar.
Geschätzt von seinen Freunden – und gefürchtet von seinen Feinden – wird Legolas (Orlando Bloom) vor allem aufgrund seiner besonderen Kräfte. Seine natürliche Stärke und Athletik, das besondere Sehvermögen (durch welches er auch im Dunkeln sehen kann) und sein legendärer Umgang mit Pfeil und Bogen zeichnen den Sindar-Elb aus. Unvergessen sind sein Waffen-Geschick ebenso wie seine Schnelligkeit im Kampf gegen die Orks und einen Höhlentroll in den Minen von Moria (aus „Die Gefährten“). Oder auch die spektakulären Action-Auftritte in der Schlacht von Helms Klamm (in „Die zwei Türme“).
Doch neben diesen beeindruckenden physischen Fertigkeiten, die wir in den Filmen bestaunen dürfen, hat uns Regisseur Peter Jackson doch glatt eine weitere, essenzielle Legolas-Fähigkeit vorenthalten. Es geht um eine seltene Gabe der Düsterwald-Elben, die „Herr der Ringe“-Schöpfer J. R. R. Tolkien in den Büchern einst ausführlich beschrieb: Sie benötigen keinen Schlaf im herkömmlichen Sinne.
Der schlaflose Elb aus "Der Herr der Ringe"
Legolas und die anderen Sindar sind in der Lage, tagelang zu wandern, zu rennen und zu kämpfen ohne äußerlich wahrnehmbare Phasen der Pause. Die Regeneration erfolgt im Inneren, für die Außenstehenden ist dieser Prozess nicht sichtbar. Sie träumen (schlafen) im Gehen mit offenen Augen und befinden sich in dieser Zeit in einer Art meditativem, Trance-artigem Zustand. Schutzlos ausgeliefert, im Gegensatz etwa zum Menschen, wenn dieser schläft, sind Legolas und seinesgleichen während dieser „wachen Träume“ jedoch nie. Sie nehmen die Welt um sich herum weiterhin wahr. Sie spüren und hören alles.
Tolkien beschreibt Legolas‘ „Schlaflosigkeit“ in einer zentralen Passage im zweiten Band „Die zwei Türme“ (aus dem zweiten Kapitel: „Die Reiter von Rohan“) explizit. Dort heißt es, je nach Übersetzung: „[…] und er konnte schlafen, […], seinen Geist auf den seltsamen Pfaden elbischer Träume ruhen lassen, selbst als er mit offenen Augen im Licht dieser Welt wandelte.“ Legolas regeneriert also „to go“.
Im Film sehen wir: Der Elb erholt sich in der entsprechenden Sequenz sehr schnell, obwohl er zu diesem Zeitpunkt zusammen mit Aragorn und Gimli schon tagelang ununterbrochen unerbittlich Jagd auf jene Orks gemacht hat, die Merry und Pippin entführt haben.
Legolas, der Superheld von Mittelerde
Die spirituellen und metaphysischen Kräfte (sprich: die „Tiefen-Meditation“) von Legolas kommen in Peter Jacksons Filmen nie zur Sprache. Sie werden lediglich subtil angedeutet. Zum Beispiel immer dann, wenn der Elb nachts derjenige ist, der Wache hält – während sich seine Freunde nach anstrengenden Kämpfen gegen fiese Orks oder nach endlosen Wanderungen durch die Hügellandschaften Rohans ausruhen müssen und schlafen. Es gibt aber keine Szene, in der etwa Aragorn oder Gimli ihren Gefährten fragen, wieso er keinen Schlaf benötigt und scheinbar keine Erschöpfung zeigt.
Die stille, nachdenkliche Stärke, die der Elbenprinz aus Düsterwald in Tolkiens Büchern auszeichnet, tritt in Peter Jacksons Verfilmungen deutlich in den Hintergrund. Dadurch ging eine der vielschichtigsten Facetten der elbischen Überlieferung weitgehend verloren. Stattdessen präsentiert Jackson Legolas als nahezu schwerelosen Superhelden Mittelerdes, der seine Gegner scheinbar mühelos und in rasanter Folge besiegt. Aber genau dieser Ansatz hat ja bekanntlich gut funktioniert, denn gerade die spektakulären Kampf- und Actionszenen gehören für viele Fans zu den größten Reizen der Filme.
Übrigens: Legolas-Darsteller Orlando Bloom wurde während der Dreharbeiten zu „Der Herr der Ringe“ häufig zur Zielscheibe seiner Kollegen. Diese machten sich nämlich nur allzu gerne einen Spaß daraus, ihn aufzuziehen. Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden Artikel:
"Ich war das Ziel der meisten Witze": Dieser "Der Herr der Ringe"-Star wurde beim Dreh gnadenlos von seinen Kollegen verspottetUnsere Seite bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Füge FILMSTARTS bei Google als bevorzugte Quelle hinzu, um unsere Artikel dort häufiger angezeigt zu bekommen, wenn du nach einem bestimmten Thema suchst – so bleibst du immer auf dem Laufenden.
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