Von ihm stammt einer der berühmtesten Rache-Schocker der Kinogeschichte: Holt seinen neusten Thriller im Heimkino nach
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Der neuste Thriller des „Oldboy“-Regisseurs lief Anfang 2026 in Deutschland auf der großen Leinwand – jetzt kommt Park Chan-Wooks „No Other Choice“ über einen Mann, der für bessere Jobchancen über Leichen geht, ins Heimkino.

Der südkoreanische Regisseur Park Chan-Wook ist ein wahrer Thrillerexperte – nicht zuletzt dank seiner Rache-Trilogie, die aus thematisch verbundenen, tonal aber sehr unterschiedlichen Filmen besteht: Auf den tragisch-bitteren „Sympathy For Mr. Vengeance“ folgte zunächst der vielfach preisgekrönte, ebenso absurde wie brutale „Oldboy“, der zu einem der namhaftesten Einträge in den Kanon des Rachekinos aufstieg.

2005 endete die Rache-Trilogie mit dem schmerzhaften, zugleich poetisch inszenierten „Lady Vengeance“. Seither inszenierte Park Chan-Wook unter anderem den sinnlich-doppelbödigen Suspense-Film „Die Taschendiebin“ sowie die Hitchcock-Hommage „Die Frau im Nebel“. Und erst vor wenigen Monaten kam sein neuster Thriller auf die deutschen Leinwände – doch schon jetzt könnt ihr ihn auch zuhause schauen: Ab sofort ist „No Other Choice“ auf DVD, Blu-ray und als 4K-Blu-ray im deutschen Heimkino erhältlich!

Bei der 4K-Edition handelt es sich um ein in limitierter Auflage erhältliches 2-Disc-Mediabook, das den Film obendrein auf Blu-ray enthält und ein Booklet mit Hintergrundinformationen umfasst. Alternativ zu den physischen Veröffentlichungen habt ihr die Option, „No Other Choice“ als VOD zu beziehen, etwa via Amazon Prime Video*.

Darum geht es in "No Other Choice"

Seit einem Vierteljahrhundert ist Man-soo (Lee Byung-hun) in der Papierbranche tätig und verdient somit für sich, seine Frau Mi-ri (Son Ye-jin) und die gemeinsame Familie einen respektablen Lebensunterhalt. Es reicht für ein großes, beeindruckend eingerichtetes Haus mit geräumigem Garten und guter Aussicht, zwei Golden Retriever und so manches Luxushobby. Als die Firma, für die er solch treue Dienste geleistet hat, jedoch in US-amerikanische Hände fällt, wird er Opfer der unvermeidlichen „Gesundschlankung“.

Eineinhalb Jahre später hat Man-soo immer noch keine neue Stelle gefunden, die Abfindung ist so gut wie aufgebraucht, die Hypothek für das Familienheim ist kaum noch zu bezahlen. Die Luxushobbys werden auf- und die Hunde unter Protest der sie liebenden Kinder weggegeben. Trotzdem reicht es hinten und vorne nicht, weshalb Man-soo nach einem weiteren missratenen Vorstellungsgespräch beschließt, fortan auf Nummer sicher zu gehen. Er will alle Papier-Manager aus näherer Umgebung, die ihm bei der Jobsuche eine der wenigen, übrigen Stellen wegschnappen könnten, töten. Dann kommt man ja nicht mehr drum herum, ihn einzustellen, oder?!

Das gab's schonmal!

Ein Aspekt geriet in den vergangenen Monaten wiederholt ins Hintertreffen: Park Chan-Wooks schwarzhumoriger Thriller ist eine Romanadaption, und nicht etwa ein Originalstoff des für durchkomponierte Bilder stehenden Filmemachers. Vielleicht liegt das auch daran, dass der Kinofilm einen anderen Titel trägt als seine Vorlage:

Als Inspirationsquelle für „No Other Choice“ diente der Roman „The Ax“ des US-Schriftstellers Donald E. Westlake*, der auch die Vorlagen zu Thrillern wie „Payback“ mit Mel Gibson verfasst hat. Die Abrechnung mit den Tücken eines brutal umkämpften Arbeitsmarkts in einer harschen, kapitalistischen Gesellschaft stammt aus dem Jahr 1997 – und wurde bereits 2005 verfilmt!

Die erste Verfilmung des Romans hört auf den knappen Titel „Die Axt“, stammt vom griechisch-französischen Regisseur Costa-Gravas und ist ein kühles Arthouse-Drama aus dem Jahr 2006, das dringend eine Heimkino-Neuauflage benötigt. Denn die DVD-Erstauflage ist längst out of print und geht nunmehr für ein hübsches Sümmchen weg:

Überaus hübsch ist auch das Eigenheim des „No Other Choice“-Protagonisten, das Park Chan-Wook gekonnt so inszeniert, dass es protzig, stilvoll-einladend, begehrenswert und cineastisch-überhöht anmutet. Stets so, wie es die Tonalität einer Szene gerade verlangt! Und dahingehend ist der Satire-Thriller ziemlich wandelbar, wie FILMSTARTS-Chefkritiker Christoph Petersen schon in seiner Besprechung des Films festhielt:

Der Tonfall von ‚No Other Choice' erinnert am ehesten an ‚Parasite' – dieselbe schwarzhumorig-hysterische Überdrehtheit, derselbe ätzend-sozialkritische Biss.“ Weiter urteilte er: „Aber im Gegensatz zu Bong Joon Ho, der seine Familiengroteske mit absoluter Präzision immer weiter eskalieren lässt, entgleitet Park Chan-wook seine ausfransende Erzählung immer mal wieder, bis er sie schließlich mit einer aktualisierten Schlusspointe zu einem wunderbar pessimistischen Happy End (!?) führt.“

Pessimistisch (wenngleich nicht so sehr, wie die Filmschaffenden es gerne gehabt hätten) und noch dazu einflussreich ist auch unser folgender, beißender Heimkino-Tipp:

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