Gerade erst feierte Mike Mendez’ Dokumentarfilm „Dernsie: The Amazing Life Of Bruce Dern“ seine Premiere in Cannes, wo er mit minutenlangen Standing Ovations bedacht wurde. Wobei diese natürlich weniger dem Film selbst, sondern dem Leben und Wirken Bruce Derns galten, der im Juni seinen 90. Geburtstag feiert und auf beinahe 70 Jahre im Filmgeschäft zurückblicken kann.
Bekannt wurde er vor allem für Nebenrollen, seine Darstellungen von Außenseitern, Sonderlingen und Schurken: Er spielte in Western der 60er, mit Jack Nicholson in den 70ern, in B-Movies der 80er – und wurde später von Quentin Tarantino wiederentdeckt und für „The Hateful Eight“ und „Once Upon A Time in Hollywood“ besetzt. Dass er auch Hauptrollen voll und ganz ausfüllen kann, bewies Bruce Dern 2013 mit „Nebraska“, für den er in Cannes die Goldene Palme gewann und zusätzlich eine Oscar-Nominierung als Bester Hauptdarsteller erhielt. „Nebraska“ war außerdem nominiert in den Kategorien Beste Regie, Beste Nebendarstellerin (June Squibb), Bestes Originaldrehbuch (Bob Nelson) und Bester Film.
Das melancholische Roadmovie von Alexander Payne („The Descendants“), der selbst aus Nebraska stammt, könnt ihr heute Abend um 20.15 Uhr im rbb sehen. Alternativ könnt ihr die Tragikomödie auf Amazom Prime Video kaufen bzw. leihen.
Darum geht es in "Nebraska"
Eine Million Dollar soll Woody Grant (Bruce Dern) einem Brief zufolge gewonnen haben. Von seiner Überzeugung lässt er sich ebenso wenig abbringen, wie von der Idee, das Preisgeld persönlich abzuholen – notfalls zu Fuß. Widerwillig beschließt sein Sohn David (Will Forte), seinen bisweilen verwirrten und zu viel trinkenden Vater zu fahren.
Was als absurder Roadtrip beginnt, entwickelt sich zu einer Reise in die Vergangenheit des Vaters – und zu einem langsamen, erstmaligen Verstehen eines Menschen, der für den Sohn bislang nie ganz greifbar war.
Je näher sie Nebraska kommen, desto mehr öffnet sich auch ein Blick auf ein Amerika der Tankstellen, Bars, vergessenen Kleinstädte und der Leute dazwischen. Es tun sich alte Bekanntschaften und Verbindungen ebenso auf, wie verpasste Chancen – Blicke auf nie genommene Abzweigungen, alte Liebschaften, Möglichkeiten.
Nostalgie trifft auf Zeitlosigkeit
Trotz aller Schwermut und Nostalgie ist „Nebraska“ durchzogen von einer gewissen Ironie und Trockenheit, einem charmanten Zynismus, der nicht zuletzt auch dem Spiel seines Hauptdarstellers geschuldet ist. Bruce Dern verleiht seiner Figur Schrulligkeit und verschrobene Sturheit – etwas Verlorenes, das doch nie aufhört zu suchen.
Gedreht ist der Film in Schwarz-Weiß, was die Mischung aus Nostalgie und Zeitlosigkeit nur noch verstärkt. Die stillen Straßen, windigen Ebenen und ausdruckslosen Gesichter entfalten eine eigentümliche Mischung aus amerikanischem Western und europäischer Melancholie – fast wirkt der Film wie eine Nouvelle-Vague-Version eines Midwestern-Roadmovies.
Wer heute Abend stattdessen Lust auf Spannung hat, sollte einen Blick in folgenden Streaming-Tipp werfen:
Streaming-Tipp: Einer der spannendsten Filme der letzten 15 Jahre – mit einem Finale, das ihr nie mehr vergesst!Unsere Seite bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Füge FILMSTARTS bei Google als bevorzugte Quelle hinzu, um unsere Artikel dort häufiger angezeigt zu bekommen, wenn du nach einem bestimmten Thema suchst – so bleibst du immer auf dem Laufenden.
*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.