Der Auftakt von „Fast & Furious 8“ ist legendär. Das Straßenrennen in Havanna ist dabei nicht nur ein stimmungsvoller Einstieg, der mit alten Autos und einer gehörigen Portion Pathos perfekt zum Mega-Franchise passt – er schrieb auch Filmgeschichte!
Denn die Verantwortlichen drehten wirklich auf Kuba – als erste und bis heute auch einzige Hollywood-Produktion seit dem Embargo der Vereinigten Staaten gegen den kommunistischen Staat aus den 1960er-Jahren. Vorher mussten alle anderen Filme, selbst wenn sie ganz offensichtlich die Insel als Schauplatz hatten, auf alternative Locations ausweichen. Das „Dirty Dancing“-Sequel „Dirty Dancing: Havana Nights“ mit „Star Wars: Andor“-Star Diego Luna entstand zum Beispiel in Puerto Rico.
Doch die „Fast & Furious 8“-Verantwortlichen hatten früh den Traum, auf Kuba zu drehen – trotz der politischen Spannungen zwischen den USA und damit verbundenen komplizierten Genehmigungen und sehr viel Misstrauen. Da der damalige US-Präsident Barack Obama eine Entspannungspolitik gegenüber Kuba betrieb, schien der Zeitpunkt optimal. Man war überzeugt, dass man Geschichte schreiben würde. Doch das drohte schnell zu zerplatzen, wie Barry Hertz in seinem lesenswerten Hintergrundbuch „Welcome to the Family: The Explosive Story Behind Fast & Furious, The Blockbusters That Supercharged The World“ erzählt.
Plötzlicher Sinneswandel bei den Kubanern...
Mit breiter Brust reisten die Hollywood-Führungskräfte damals nach Kuba. Bei der Aussicht auf zahlreiche Jobs beim komplexen Filmdreh können die zuständigen Behörden doch sicher nicht „Nein“ sagen! Zur Sicherheit wurde extra noch der gut vernetzte Hollywood-Berater Richard Klein eingeschaltet, der mit seinen Kontakten schon einige unmögliche Drehs doch noch möglich gemacht hat und weiß, wie man Offizielle überzeugt, Genehmigungen zu verteilen.
Doch wie er in Hertz' Buch erzählt, herrschte nach einem Treffen mit dem kubanischen Filminstitut ICAIC bei ihm und den Verantwortlichen von Hollywood-Studio Universal Katerstimmung. Der Eindruck war, dass man sich völlig verspekuliert hatte und sich den Dreh in Kuba abschminken kann. Denn der zuständige Funktionär machte beim Treffen aus seiner Ablehnung überhaupt keinen Hehl. Er schob die Schuld für die Unmöglichkeit des Drehs zwar amerikanischen Behörden zu, ließ die Hollywood-Delegation aber wohl spüren, dass er nicht wirklich mit ihnen arbeiten will.
Selbst Strippenzieher Klein war nach diesem frostigen Treffen daher völlig überrascht, als einen Tag später sein Telefon klingelte und der kubanische Offizielle sich nicht nur doch noch bei ihm meldete, sondern plötzlich einen ganz anderen, sehr freundlichen Ton anschlug. Auf einmal schien alles möglich und die kubanische Seite zeigte sich offen, dem Filmteam jeden Wunsch zu erfüllen. Doch was war passiert? Wie kam es zu dieser, nur einen Tag vorher für völlig unmöglich gehaltenen Kehrtwende?
Zum Glück für Vin Diesel: Die Kinder des Filmfunktionärs waren Fans
Die überraschende Entwicklung ist den Kindern des ICAIC-Chefs zu verdanken. Wie der später eingestand, seien diese völlig ausgeflippt, als ihr Vater beiläufig erzählte, dass die Amerikaner, denen er heute eine Abfuhr erteilt hatte, die Macher der „Fast & Furious“-Reihe waren. Denn die Kids waren riesige Fans der Auto-Action-Spektakel mit Vin Diesel. Doch woher kannten sie die Filme aus dem Land des Klassenfeinds überhaupt?
Dabei spielten ein sogenanntes „El Paquete Semanal“ eine zentrale Rolle. Dieses „Paket der Woche“ sind USB-Sticks oder Festplatten, auf die illegale Downloads von Musik, Serien und natürlich auch Filmen gepackt sind und die in Kuba auf der Straße verkauft, aber gerade unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen wild getauscht werden. Sie sind oft der einzige Zugang zu Filmen aus Hollywood. Dank dieses Schwarzmarkt-Systems hatten die Kinder die „Fast & Furious“-Filme gesehen und konnten ihren Vater umstimmen. Plötzlich wollte das ICAIC Teil der Toretto-Familie werden, beschreibt Autor Hertz in seinem „Fast & Furious“-Buch die Kehrtwende.
Natürlich war damit nur eine erste Hürde genommen. Bis es zum Dreh kam, erwartete die Filmemacher noch ein ganzer Albtraum aus Genehmigungen, Importregeln und praktischen Problemen – und zwar nicht nur mit den kubanischen, sondern auch den amerikanischen Behörden. Doch am Ende brachten ein paar filmbegeisterte Kinder und illegale Downloads alles in Gang und retteten den „Fast & Furious“-Verantwortlichen, die voll auf den Dreh in Kuba setzten, den Arsch.
Übrigens wird das Franchise mit Vin Diesel demnächst um mindestens eine Serie erweitert. Worum es in dieser gehen könnt, erfahrt ihr hier:
Nach Vin Diesels Ankündigung von "Fast & Furious"-Serien: Diese Spin-off-Ideen gibt es bereitsUnsere Seite bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Füge FILMSTARTS bei Google als bevorzugte Quelle hinzu, um unsere Artikel dort häufiger angezeigt zu bekommen, wenn du nach einem bestimmten Thema suchst – so bleibst du immer auf dem Laufenden.