"Das Material war mies": Clint Eastwood wollte auf keinen Fall mit diesem "bizarren" Film in Verbindung gebracht werden
Melina Albandopulos
Melina Albandopulos
-Freie Autorin
Mit Disney begann ihre Liebe zu Filmen. Auf der nicht kürzer werdenden To-Watch-List befindet sich aber alles – von Musical bis Western.

Ein so hochkarätiger Schauspieler wie Clint Eastwood will seinem Ruf natürlich nicht schaden und in Filmen mitspielen, die garantiert floppen. Daher weigerte er sich auch in dem skurrilen Film "Ratboy" (1986) mitzuspielen.

Warner Bros.

Man kennt ihn als geheimnisvollen Revolverhelden ohne Namen aus Sergio Leones berühmter Dollar-Trilogie oder als unerbittlichen Cop in „Dirty Harry“ (1971) – Clint Eastwood ist eine unsterbliche Filmlegende, die sich auch als Regisseur von Erfolgsfilmen wie „Die Brücken am Fluß“ (1995), „Million Dollar Baby“ (2004) und „Gran Torino“ (2008) in der Kinogeschichte verewigt hat.

Insgesamt fünf Oscars-Gewinne (darunter zwei Oscars als Bester Regisseur) sprechen für sich. Der heute 96-Jährige kennt das Filmbusiness und weiß, welche Filme ganz großes Potenzial haben. Ebenso schlägt sein Gefühl aber auch Alarm, wenn ein Film verspricht, ein totaler Flop zu werden. So erging es ihm nämlich bei „Ratboy (1986), einem Film, mit dem er seinen Namen keinesfalls in Verbindung bringen wollte – und das, obwohl Eastwoods Produktionsfirma Malpaso Productions den Film produzierte.

„Das Material war mies, einfach furchtbar, total bizarr“, so der „Für eine Handvoll Dollar“-Darsteller über „Ratboy“ (via Far Out Magazine). Der durchaus kuriose Film handelt von der Schaufensterdekorateurin Nikki (Sondra Locke), die auf einer Mülldeponie eine Kreatur – halb Mensch, halb Ratte – entdeckt und diese nach Art von „Der Elefantenmensch“ (1980) in die Gesellschaft eingliedern will.

"Ratboy" war alles andere als erfolgreich

Clint Eastwoods Abscheu wurde bestätigt: Die Kritiker zerrissen den Film, Kinokassen blieben leer und Regisseurin und Hauptdarstellerin Sondra Locke wurde für die Goldene Himbeere in der Kategorie Schlechteste Schauspielerin nominiert (am Ende bekam Madonna den Razzie Award aber für ihre Rolle in „Who’s That Girl“).

Nicht verwunderlich, dass Clint Eastwood sein Ansehen mit dem hoffnungslosen Fantasyfilm nicht verschmutzen wollte. Aber seine Abneigung gegen den Film hat noch viel tiefere Wurzeln: Sondra Locke, die zuvor noch nie Regie geführt hatte, aber trotzdem den Wunsch danach hegte, war bereits seit zehn Jahren mit dem Erfolgsschauspieler zusammen, obwohl sie noch immer mit ihrem Ehemann Gordon Anderson verheiratet war. Als Eastwood dann einen frühen Entwurf des „Ratboy“-Drehbuchs las, war er nicht gerade erfreut über Andersons ausgiebige Leinwandzeit.

Eine "Hommage an Gordon Anderson"

Clint Eastwood fühlte sich betrogen, denn er hatte nur zugestimmt, dass Gordon Anderson mitspielte, wenn es bei einer sehr kleinen Rolle blieb. Jetzt war der Film aber plötzlich eine „Hommage an Gordon Anderson“, der neben dem Rattenjungen die Hauptrolle einnahm. Letztendlich übernahm Anderson die Synchronstimme des Rattenjungen, der von Sharon Baird gespielt wurde, was auch ihre letzte Filmrolle blieb.

Bei dem Drehbuch, dem Clint Eastwood anfangs zugestimmt hatte, handelte es sich übrigens nicht um dasselbe Drehbuch, das Sondra Locke am Ende verfilmen wollte. Der „Dirty Harry“-Darsteller war wütend, fühlte sich hintergangen und konfrontierte seine Partnerin daraufhin: „Hör zu, ich werde dieses Drehbuch nicht verfilmen!“

Die erste Malpaso-Produktion ohne Eastwood

Am Ende gab Locke doch nach und überarbeitete das Drehbuch. Schließlich fürchtete sie, die Produktion ihres Debütfilms könnte eingestellt werden. Malpaso Productions produzierte „Ratboy“ dann auch, im Abspann wurde aber lediglich Eastwoods Freund und Kollege Fritz Manes als Produzent erwähnt. Die Western-Ikone hatte sich schön rausgehalten, sowohl als Schauspieler als auch als Produzent.

Es gibt übrigens noch weitere Filme, von denen Eastwood kein Fan ist. Welcher Western-Film ihm nicht sonderlich gefiel, lest ihr hier:

"Hat mir nie gefallen": Clint Eastwood ist kein Fan von einem der größten Western-Meisterwerke aller Zeiten

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