55 Jahre nach seiner Weltpremiere: Dieser Skandal-Horrorfilm sorgte für einen Rechtsstreit – jetzt endlich kommt er nach Deutschland
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Lucio Fulci inszenierte zahlreiche skandalös debattierte Horrorfilme. Dazu gehört auch der stylische, soghafte Giallo „A Lizard in a Woman's Skin“, wegen dem sich der Regisseur in Italien vor Gericht verantworten musste. Nun kommt er ins Heimkino.

Obwohl er sich in zahlreichen Genres austobte, ist Lucio Fulci vornehmlich für seine harten Italo-Western und noch härteren Horrorfilme bekannt. Mit Titeln wie „Ein Zombie hing am Glockenseil“, „Der New York Ripper“ und „Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies“ brachte er den deutschen Jugendschutz wiederholt ins Schwitzen und hiesige Verleiher dazu, die Schere zu zücken.

Manche seiner Filme schafften es zu Fulcis Lebzeiten gar nicht erst nach Deutschland – darunter sein Giallo „A Lizard In A Woman's Skin“. Dafür brachte der erotisch aufgeladene, zwischenzeitlich in psychedelischen Farben leuchtende und mit einer wild-extravaganten Musikuntermalung von „Spiel mir das Lied vom Tod“-Komponist Ennio Morricone aufwartende Horror Fulci in seinem Heimatland vor Gericht!

Mittlerweile ist aus dem Skandalschocker ein angesehener Geheimtipp für Fans sinnlich-provokanter 1970er-Horrorunterhaltung geworden – und 55 Jahre nach seiner Weltpremiere hat er es nach Deutschland geschafft: Im Mai erfolgte in stark limitierter Auflage die (rasch ausverkaufte) Deutschlandpremiere, ab dem 24. Juli 2026 ist „A Lizard in a Woman's Skin“ endlich in größerer Auflage im hiesigen Heimkino auf Blu-ray erhältlich! Vorbestellungen sind bereits möglich.

Die Blu-ray-Edition ist auch bei Amazon* gelistet, war dort aber zum Veröffentlichungszeitpunkt dieses Artikels nicht vorrätig. Die Disc enthält zusätzlich zum ungekürzten Film eine Featurette über den Film, Radio-Werbespots und eine Deleted Scene.

Darum geht es in "A Lizard In A Woman's Skin"

Carol Hammond (Florinda Bolkan) hat reich geheiratet und führt ein behütetes Luxusleben. Nachts aber wird sie von sexuell aufgeladenen Albträumen heimgesucht, in denen ihre Nachbarin Julia Durer (Anita Strindberg) eine zentrale Rolle spielt. Diese Träume rufen bei Carol zwiegespaltene Gefühle hervor: Sie fühlt sich von ihnen gleichermaßen abgestoßen wie angezogen.

Voller Verzweiflung wendet sich Carol an den Psychiater Dr. Kerr (George Rigaud), der ihr aber nicht richtig helfen kann. Als Carol dann auch noch von Julias Ermordung träumt, und diese dann am nächsten Morgen tot aufgefunden wird, fürchtet Carol, dass die Mörderin zu sein. Inspektor Corvin (Stanley Baker) von Scotland Yard übernimmt diesen verwirrenden Fall, der weitere Morde nach sich zieht...

Eine soghaft-bizarre Gruselerfahrung

Obwohl „A Lizard In A Woman's Skin“ in seiner Gesamtheit weit davon entfernt ist, Fulcis härtesten Film darzustellen, wurde der nunmehr kultisch verehrte Schockregisseur für diesen Giallo vor Gericht gezerrt: In einer Szene beäugt die geschickte Carol, wie an lebenden Hunden ruchlos herumexperimentiert wird. Fulci wurde Tierquälerei vorgeworfen, doch dabei hielt er die Kamera gar nicht auf echte Vierbeiner, die beim lebendigen Leib aufgeschnitten wurden.

Stattdessen filmte er täuschend echte Attrappen des begnadeten Effektkünstlers Carlo Rambaldi („E.T.“, „Alien“), der seine falschen Hunde vor Gericht vorführen musste, um Fulci vor einer zweijährigen Haftstrafe zu bewahren. Eine ungewöhnliche Filmanekdote über eine bizarre Szene – die nicht einmal der sonderbarste Moment in einem Film voller konsequent-wahnhafter Augenblicke steckt:

Fulci rückt nah an die Wahrnehmung seiner verwirrten, lustvollen, panischen Protagonistin heran und erzeugt daher einen Strudel aus extravaganter Mode, neckisch-verspielt-lüsterner Musik, zum Leben erweckten Francis-Bacon-Gemälden, stylischen Splitscreens, sich impulsiv freikämpfenden Gelüsten, einem übergroßen Vogel, LSD-Farbspielen sowie der hedonistischen Doppelmoral der Bourgeoisie. Verwaschene Erinnerungen, Lustträume, verdrängte Ängste und die Wirklichkeit zerfließen da zunehmend zu einem filmischen Zickzack, den Fulci mit einer stilvoll-ruhelosen, begierigen Inszenierung voran peitscht.

Übrigens: Kürzlich kam ein anderer, freizügiger Kultfilm nach über einem halben Jahrhundert des Wartens erstmals in voller Länge ins deutsche Heimkino. Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden Artikel:

Nach 56 Jahren (!) Wartezeit: Dieser umstrittene Kultfilm erscheint erstmals komplett ungekürzt in Deutschland

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Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.
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