TV-Tipp: Einer der härtesten, erschütterndsten und besten Kriegsfilme aller Zeiten!
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Unser heutiger TV-Tipp ist eine der frühesten Film-Erinnerungen für FILMSTARTS-Autor Oliver Kube – auch aufgrund des Umfelds, in dem er ihn einst gesehen hat. Hauptsächlich aber wegen des damals wie heute berührenden und erschütternden Inhalts.

Für die FILMSTARTS-Redaktion zählt der 1959 in die Kinos gekommene „Die Brücke“ zu den besten Kriegsfilmen aller Zeiten. In unserem Ranking schafft es der Film von Bernhard Wicki sogar bis in die Top 10 und lässt damit andere Klassiker wie Steven Spielbergs „Der Soldat James Ryan“, Stanley Kubricks „Full Metal Jacket“, „Die Brücke am Kwai“ oder „Im Westen nichts Neues“ teilweise klar hinter sich.

Die Brücke“ läuft am heutigen 10. Juli 2026 um 22.50 Uhr auf BR. Eine klassische Wiederholung wird nicht angeboten. Am 10. August wird der Film aber um 22.45 Uhr auch noch einmal im NDR-Fernsehen gezeigt. Zudem ist „Die Brücke“ jetzt für einige Zeit in der ARD-Mediathek zu finden. Alternativ gibt es den FSK-12-Titel aktuell ohne Zusatzkosten im Flatrate-Programm von MagentaTV zu streamen. Wer bereit ist, ein paar Euro zu investieren, kann auch auf Blu-ray und DVD* oder Video-on-Demand ausweichen:

Ein brillanter (Anti-)Kriegsfilm aus Deutschland

Als ich „Der längste Tag“-Regisseur Bernhard Wickis „Die Brücke“ zum ersten Mal sah, muss ich zehn oder elf Jahre alt gewesen sein. Gezeigt wurde er mir und meinen Mitschüler*innen auf einer großen Leinwand in der Aula unseres Gymnasiums. Im Anschluss sprach ein Gast zu uns und beantwortete Fragen. Der ältere Mann kämpfte selbst mit 15 in einer ähnlichen, aus Jugendlichen bestehenden Einheit, wie wir sie wenige Minuten zuvor im Film erlebt hatten. Wobei er nicht gegen die Amerikaner, sondern aus dem Osten auf Berlin vorrückende Rotarmisten antrat und nicht den Hauch einer Chance hatte.

Unser Redner, dessen Namen ich leider vergessen habe, war fast eine Dekade lang in Kriegsgefangenschaft in einem Arbeitslager in Sibirien gewesen, bevor er mit Mitte 20 endlich nach Hause durfte – als physisches, vor allem aber als psychisches Wrack. Viele von uns Schüler*innen hatten damals Tränen in den Augen – schon während des Films, aber auch danach, als der ehemalige Kindersoldat uns von seiner verlorenen Jugend berichtete. Er flehte uns geradezu an, alles dafür zu tun, dass nie wieder ein einziger junger Mensch, geschweige denn eine ganze Generation so etwas durchmachen müsse.

Schon aufgrund dieser persönlichen Erinnerung ist es für mich nicht einfach, „Die Brücke“ noch einmal zu sehen oder jetzt darüber zu schreiben. Trotzdem oder gerade deshalb möchte ich euch den Film dringend ans Herz legen. Denn Wickis Meisterwerk (ja, ich würde hier 5 von 5 Sternen vergeben!) ist nicht nur eine Sternstunde des Antikriegsfilm-Sujets, sondern einer der wichtigsten deutschen Nachkriegsfilme überhaupt.

Die Brücke
Die Brücke
Starttermin 2. November 2023 | 1 Std. 45 Min.
Von Bernhard Wicki
Mit Folker Bohnet, Fritz Wepper, Michael Hinz
User-Wertung
4,0

Das auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Manfred Gregor basierende Drehbuch von Wicki, Michael Mansfeld („Der Transport“) und Karl-Wilhelm Vivier („Das Wirtshaus im Spessart“) ist sehr geschickt, aber doch gut verständlich aufgebaut. Wie im Buch erhält jeder der jugendlichen Protagonisten eine greifbar authentische, nie plakative Vorgeschichte – was sehr dazu beiträgt, aus ihnen dreidimensionale Charaktere zu machen, mit denen sich die Zusehenden schnell identifizieren können.

Ihre Gruppendynamik wird von den klassischen Problemen, Zweifeln und Gedanken als Teenager bestimmt. Dadurch wird umgehend klar, dass diese Halbwüchsigen noch lange nicht reif genug waren, um an die Front geschickt zu werden. Die Brutalität und Würdelosigkeit, mit der der Krieg dort über die uns ans Herz gewachsenen, eben noch naiv von einer Art „Heldentum fürs Vaterland“ träumenden Jungen hereinbricht, wirkt auch heute noch wie ein heftiger Schlag in die Magengrube.

Der Hauptcast bestand größtenteils aus erstmals vor der Kamera stehenden Schauspielnovizen, unter denen sich auch die späteren TV-Stars Fritz Wepper („Derrick“) und Volker Lechtenbrink („Der Hausgeist“) befanden. In einer Nebenrolle als Offizier ist zudem Vicco von Bülow alias Loriot („Pappa ante Portas“) zu erleben.

Bernhard Wicki sagte später über sein Werk: „Ich habe in den Jahren seit ‚Die Brücke‘ tausende von Briefen von jungen Männern bekommen, die mir schrieben, dass sie auch aufgrund meines Films den Kriegsdienst verweigert haben. Das und die Auszeichnung der Vereinten Nationen für die Arbeit am Frieden zählen zu den wenigen Dingen in meinem Leben, auf die ich wirklich stolz bin.“ Und ja, auch bei mir trug „Die Brücke“ dazu bei, dass ich mich schon früh entschied, trotz der damaligen Wehrpflicht auf keinen Fall zum Militär zu gehen.

"Die Brücke": Das ist die Story

April 1945 im provinziellen Bayern: Während die Amerikaner weiter vorrücken, werden hier die sieben der Hitlerjugend angehörenden Gymnasiasten Albert (Fritz Wepper), Hans (Folker Bohnet), Walter (Michael Hinz), Jürgen (Frank Glaubrecht), Karl (Karl Michael Balzer), Klaus (Volker Lechtenbrink) und Sigi (Günther Hoffmann) zur Wehrmacht einberufen und in ihnen teilweise viel zu große Uniformen gesteckt.

Aus Sorge um seine Schüler überzeugt ihr Lehrer (Wolfgang Stumpf) die zuständigen Offiziere (Heinz Spitzner und Siegfried Schürenberg) davon, dass die unausgebildeten Rekruten an der Front eher eine Gefahr als eine Hilfe für die anderen Soldaten darstellen würden. So wird Unteroffizier Heilmann (Günter Pfitzmann) dazu abkommandiert, mit den Jugendlichen eine kleine Brücke zu bewachen. Schwankend zwischen dem ihnen eingeimpften Glauben an den Endsieg und blanker Todesangst ziehen sie in einen Kampf, der strategisch völlig bedeutungslos ist. Denn die Brücke soll in den nächsten Tagen ohnehin gesprengt werden …

Einen am anderen Ende des Globus spielenden, ebenfalls hervorragenden Weltkriegsfilm empfehlen wir euch im Rahmen des folgenden Streaming-Tipps:

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Oliver Kube
Oliver Kube
-Freier Autor & Kritiker
Das deutschsprachige Gegenwartskino ist oft deutlich besser als sein Ruf. Oliver Kube fallen aktuell u. a. "Everytime", "Rose", "Vier minus drei" und "Vaterland" als Belege dafür ein.
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