Streaming-Tipp: Ein brillantes Gangster-Epos von dem Mann, der das Genre in den letzten 50 Jahren geprägt hat wie kein anderer
Oliver Kube
Oliver Kube
-Freier Autor & Kritiker
Oliver Kube liebt clever gemachte Serien – von "The West Wing" über "The Wire" und "True Detective" bis "Better Call Saul"; von "Black Mirror" bis "Ted Lasso" oder "Archer" und natürlich "Star Trek".

FILMSTARTS-Autor Oliver Kube möchte euch heute eine seiner Lieblingsserien empfehlen. Dabei handelt es sich um eine fünf Staffeln umfassende Reihe, die sich überhaupt nicht wie der übliche Episodenreigen anfühlt, sondern wie ein epischer Spielfilm.

Das von Regiegenie Martin Scorsese gemeinsam mit „Die Sopranos“-Autor und -Produzent Terence Winter erschaffene Serien-Monument „Boardwalk Empire“ sollte meiner Meinung nach jede*r auch nur ansatzweise am Crime-Genre Interessierte*r gesehen haben. Geht es doch längst nicht nur um brillant erzählte und ins Bild gesetzte Verbrechen. Die Show ist vielmehr auch ein faszinierend schonungsloses und authentisch wirkendes Porträt der sich in ihr bewegenden, teilweise realen, historischen Charaktere und der Ära der frühen 1920er in Atlantic City vor den Toren New Yorks.

Ihr könnt „Boardwalk Empire“ derzeit komplett im Flatrate-Programm des Streaming-Services HBO Max sehen. Alternativ gibt es die FSK-18-Serie auch auf Blu-ray/DVD* sowie kostenpflichtig als Video-on-Demand:

Falls ihr ein Abo von Amazon Prime Video haben solltet, könnt ihr „Boardwalk Empire“ unter dem obigen Link übrigens ebenfalls ohne Aufpreis streamen. Dazu müsst ihr euch lediglich für den siebentägigen Gratis-Test des HBO-Max-Channels* anmelden. Sofern ihr nicht wieder stornieren wollt, werden nach dem Probezeitraum – je nach Abo-Modell – ab 5,99 Euro pro Monat fällig.

Martin Scorsese führt Regie

GoodFellas“, „Departed“, „Casino“, „Gangs Of New York“, „Hexenkessel“ oder „The Irishman“ – keiner der großen Hollywood-Regisseure hat mehr absolut hervorragende Gangster-Spektakel gemacht als Martin Scorsese. Sicher, der Mann hat auch andere Filme verwirklicht – von der das Herz erwärmenden, fantasievollen Coming-of-Age-Story „Hugo Cabret“ über das erschütternde Boxer-Porträt „Wie ein wilder Stier“ bis zur Satire „The Wolf Of Wall Street“, dem Neo-Noir-Psychokrimi „Taxi Driver“ und dem emotionalen Spätwestern „Killers Of The Flower Moon“. Und doch wird wohl niemand mit dem organisierten Verbrechen auf großen Leinwänden mehr assoziiert als Scorsese. Da kann sogar „Der Pate“-Mastermind Francis Ford Coppola einpacken.

Kein Wunder also, dass der mit insgesamt vier Emmys für seine Arbeit an „Die Sopranos“ prämierte Terence Winter 2009 den Altmeister ansprach, als es um die Realisierung seiner neuen Serienkreation „Boardwalk Empire“ ging. Scorsese las das Drehbuch, hörte sich die weitere Konzeption an und stimmte begeistert zu, die 73 Minuten lange, den Look und die Atmosphäre der Serie etablierende Pilotepisode zu inszenieren. Dabei handelte es sich um seine erste Regiearbeit für eine TV-Serie, seit er 1986 die Folge „Das Phantom im Spiegel“ für die von Steven Spielberg erdachte Anthologie „Unglaubliche Geschichten“ gemacht hatte.

Scorsese, der für die vollen fünf Staffeln (56 Episoden) als ausführender Produzent und einer von Winters engsten Beratern an Bord blieb, war aber nicht nur wegen des auf dem von Nelson Johnsons gleichnamigen Sachbuch inspirierten Skripts dabei. Er wollte auch unbedingt mit dem die Serie produzierenden Sender HBO („Die Sopranos“, „True Detective“, „Game Of Thrones“, „The Wire“, „Euphoria“ etc.) zusammenarbeiten. In einem Interview sagte Scorsese damals zum 2010 erfolgten Start von „Boardwalk Empire“: „Was in den letzten 9 bis 10 Jahren passiert ist, insbesondere bei HBO, ist das, was wir uns schon Mitte der 1960er fürs Fernsehen erhofft hatten. […] Es ist eine neue Möglichkeit, Geschichten zu erzählen. Es unterscheidet sich sehr vom TV der Vergangenheit.“

In der Tat ist die in „Boardwalk Empire“ präsentierte Story weit komplexer und vielschichtiger als die üblichen Geschichten, die uns bis heute im episodischen TV serviert werden. Die Charaktere machen echte Entwicklungen durch und wir können nachvollziehen, wie und warum diese passieren. Zudem werden sie von großartigen Schauspieler*innen verkörpert. Die Hauptrolle etwa wird von dem immer unterhaltsamen, hier eine enorme emotionale Tiefe in seiner Performance zeigenden Steve Buscemi („Reservoir Dogs“) interpretiert.

An Buscemis Seite sind unter anderem die ebenfalls Glanzleistungen abliefernden Kelly Macdonald („No Country For Old Men“), Michael Pitt („Die Träumer“), Michael Shannon („Knives Out“), Shea Whigham („Joker“) und Jack Huston aus „House Of Gucci“ dabei. Weitere sehr wichtige Parts übernahmen im Laufe der Serie unter anderem Stephen Graham („Adolescence“), „The Wire“-Publikumsliebling Michael K. Williams, Bobby Canavale („The Irishman“), Vincent Piazza („Tulsa King“), Michael Stuhlbarg („A Serious Man“), Gretchen Mol („Todeszug nach Yuma“), Paul Sparks („Greatest Showman“), Julianne Nicholson („Paradise“) und „Westworld“-Star Jeffrey Wright.

Es ist einfach wunderbar, wie diese Vollprofis komplett in ihren Charakteren aufgehen. Alle stellen sich in den Dienst der Story, niemand tanzt aus der Reihe oder versucht, eine besonders auffällige Performance zu liefern. Ähnlich lief es offenbar hinter der Kamera ab. Wer auch immer die Regie übernahm – darunter Größen wie Brad Anderson („Der Maschinist“), Tim Van Patten („Die Sopranos“) oder Brian Kirk („Dead Of Winter“) –, alle hielten sich an die von Scorseses erster Episode vorgegebene Ästhetik, die Atmosphäre und das Tempo.

Die Serie fühlt sich wirklich wie ein langer, aus einer Hand kommender Spielfilm an, der uns mehr und mehr in seinen Bann zieht. Probiert es einfach mal aus. Ich bin überzeugt, dass ihr „Boardwalk Empire“ schnell ebenso lieben werdet wie ich.

Boardwalk Empire
Boardwalk Empire
Starttermin 2010-09-19
Serie: Boardwalk Empire
Mit Steve Buscemi, Kelly Macdonald, Michael Shannon
User-Wertung
4,1

Darum geht es in "Boardwalk Empire"

Anfang der 1920er in den USA: Der Weltkrieg ist vorbei, die Wirtschaft boomt und das Land entwickelt sich wieder nach vorn. In Atlantic City, an dessen von Hotels, Nachtclubs und Vergnügungsstätten gesäumtem Boardwalk an der Atlantikküste, gelten jedoch eigene Regeln. Enoch „Nucky“ Thompson (Steve Buscemi) ist so etwas wie der König der Region. Er ist ein mächtiger Strippenzieher – zu gleichen Teilen Politiker und Gangster.

Alkohol ist zu dieser Zeit in Amerika verboten. Doch Nucky kontrolliert das extrem einträgliche Geschäft mit illegalem Schnaps und hat dabei das Gesetz auf seiner Seite. Denn sein jüngerer Bruder Eli (Shea Whigham) ist der lokale Sheriff. So kann Nucky ganz nach Lust und Laune Geschäfte mit Gangsterbossen wie dem New Yorker Arnold Rothstein (Michael Stuhlbarg) oder Al Capone (Stephen Graham) in Chicago machen.

Doch sein einstiger Protegé, Assistent und Fahrer Jimmy Darmody (Michael Pitt), ist, seit er aus Europa heimgekehrt ist, ein neuer Mann und droht mit seinem Ehrgeiz, Nuckys Welt zu erschüttern. Jimmy will in der Organisation steil aufsteigen und das möglichst schon gestern. Als dabei immer mehr Blut vergossen wird, führt dies den Bundesagenten Nelson Van Alden (Michael Shannon) in die Stadt…

Auch mit 83 Jahren denkt Martin Scorsese nicht ans Aufhören. Im folgenden Artikel fassen wir alles für euch zusammen, was bisher über sein nächstes Projekt, die Literaturverfilmung „Was geschieht in der Nacht“, bekannt ist:

Der neue Film von Leonardo DiCaprio und Martin Scorsese wird immer spannender – jetzt ist auch der Star aus einer der besten Serien dabei!

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