Viele Nicolas-Cage-Fans wie der Autor dieser Zeilen freuen sich bereits seit einer Weile auf „Fortitude“. Schließlich hat sich der Oscarpreisträger hier nicht nur wieder mit Simon West zusammengetan, der ihn bereits 1997 im Action-Kultfilm „Con Air“ inszenierte. Das Projekt selbst klingt auch vielversprechend. Der neue Film spielt während des Zweiten Weltkriegs und widmet sich der titelgebenden Operation Fortitude, mit der die Alliierten Adolf Hitler über den tatsächlichen Ort ihrer geplanten Invasion täuschten.
Das mit Stars wie Ben Kingsley („Gandhi“), Michael Sheen („„Good Omens“), Matthew Goode („Watchmen“), Ron Perlman („Hellboy“), Alice Eve („Star Trek Into Darkness“) und Lukas Haas („Spider-Noir“) auch in weiteren Rollen prominent besetzte Spionage-Abenteuer wird als Mischung aus „Ocean’s Eleven“ und Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ beschrieben.
Wann und wo „Fortitude“ erscheinen wird, ist derzeit allerdings völlig offen. Dabei schien Netflix ein vielversprechender Kandidat, doch man ist jetzt wohl aus dem Rennen. Denn der Streamingdienst führt einen gewaltigen Rechtsstreit mit den Produzenten, nachdem eine Kopie des fertigen Films ausgerechnet aus den Räumlichkeiten von Netflix gestohlen wurde.
Eine 45-Millionen-Dollar-Produktion verschwindet bei Netflix
Autor und Produzent Simon Afram hat nach eigenen Angaben sieben Jahre an „Fortitude“ gearbeitet und mehr als 45 Millionen Dollar auf eigenes Risiko aufgetriebenes Geld in das Projekt investiert. Da der unabhängig produzierte Film noch keinen Verleih hatte, wurde er potenziellen Käufern angeboten. Darunter war auch Netflix. Der Streamingdienst bekundete Interesse an dem Werk, wollte den Kriegsthriller aber vor einem Kauf natürlich sichten. Laut einer jetzt eingereichten Klage brachte Associate Producer Daniel Haido am 15. Juni 2026 eine unverschlüsselte Vorführkopie persönlich in das Netflix-Büro in Hollywood. Die Dateien sollten dort nach der internen Sichtung gelöscht und die Festplatte anschließend zurückgegeben werden.
Netflix sichtete den Film laut der Klage bereits am folgenden Tag. Nachdem Haido jedoch mehrfach vergeblich versucht haben soll, die Festplatte wieder abzuholen, folgte am 25. Juni die überraschende Nachricht: Mehrere Datenträger seien von Schreibtischen in den Netflix-Räumlichkeiten gestohlen worden. Darunter sei auch die Festplatte, auf der „Fortitude“ noch enthalten war, weil das Werk bislang nicht gelöscht worden war. Damit kursiert irgendwo eine unverschlüsselte Kopie des vollständigen Werks. Die Produzenten befürchten deshalb, dass „Fortitude“ jederzeit illegal im Internet auftauchen könnte.
Produzent fordert mindestens 105 Millionen Dollar
Afram und seine Produktionsfirma Op-Fortitude haben Netflix deswegen vor einem kalifornischen Bundesgericht verklagt. Sie fordern mindestens 105 Millionen Dollar Schadenersatz. In der Klageschrift wird argumentiert, dass die verschwundene Kopie die wirtschaftliche Verwertbarkeit des Films massiv beeinträchtige. Andere potenzielle Käufer muss man jetzt schließlich andauernd darüber informieren, dass sich eine nicht gesicherte Fassung in unbekannten Händen befindet. Das könne sowohl den Verkaufspreis drücken als auch Versicherungsprobleme verursachen. Die komplette internationale Veröffentlichung des Werks sei gefährdet.
Kein anderes Studio und kein Streamingdienst werde bereit sein, weitere Millionen in Erwerb und Vermarktung zu investieren, wenn der Film jederzeit kostenlos online veröffentlicht werden könnte, so die Argumentation der Kläger. Daneben argumentiert man, dass neben dem weltweiten Verkauf auch eine geplante Preis- und Festivalkampagne für den Film damit gefährdet sei. Cast und Crew werden daher nicht in der Award-Saison die Anerkennung erfahren, die eigentlich geplant war und die viele der hochkarätigen Namen zum Mitwirken gebracht habe.
Netflix weist die Verantwortung zurück
Netflix bestreitet, für den möglichen wirtschaftlichen Schaden haftbar zu sein. Man habe schließlich keine Rechte an „Fortitude“ und so nichts mit dem Film zu tun. Der Streamingdienst scheint die Verantwortung an die Produzenten zurückzugeben. Es sei deren Fehler, dass sie die Kopie Netflix unverschlüsselt überlassen hätten. In der Branche seien eigentlich schärfere Sicherheitsvorkehrungen üblich.
Gleichzeitig zeigt sich Netflix entgegenkommend. Man habe nicht nur eine interne Untersuchung durchgeführt, sondern den Produzenten angeboten, bekannte Piraterie-Plattformen auf eine illegale Veröffentlichung oder einen Verkauf des Films zu überwachen. Zudem habe man eine Erstattung für die verschwundene Festplatte beziehungsweise die Erstellung einer neuen digitalen Kinokopie angeboten, was die Produzenten wenig trösten dürfte. Der Wert der Festplatte und des Erstellens von weiteren Kopien, über die man ohnehin verfügen dürfte, ist schließlich winzig im Vergleich zu den Summen, um die es hier geht.
Bereits die 2. Klage rund um "Fortitude"
Es ist übrigens bereits der zweite Rechtsstreit rund um den Kriegsthriller mit Nicolas Cage. Bereits vor mehreren Jahren verklagte Afram Regie-Legende Martin Scorsese. Im Januar 2022 holte der Produzent nämlich den „Goodfellas“-Macher als Ausführenden Produzenten an Bord und bezahlte ihm 500.000 Dollar. Dafür sollte Scorsese Feedback zum Drehbuch geben und bei dessen Feinschliff beraten sowie bei der Verpflichtung eines hochkarätigen Casts helfen. Doch Afram warf Scorsese im Mai 2023 vor, bislang keinen Finger gerührt und absolut nichts getan zu haben. Diese Klage wurde im März 2024 außergerichtlich beigelegt.
Ob und wann „Fortitude“ trotz des neuen Rechtsstreits noch regulär veröffentlicht wird, bleibt abzuwarten. Die weltweiten Vertriebsrechte für eine mögliche Kino- oder Streaming-Auswertung stehen weiterhin zum Verkauf. Bislang gibt es daher natürlich keinen deutschen Starttermin. Die größte Hoffnung der Macher um Autor und Produzent Simon Afram dürfte sein, dass der Dieb gar nicht realisierte, was ihm in die Hände gefallen ist und den Film gelöscht hat. Denn laut den Berichten wurden im Rahmen des Diebstahls mehrere Festplatten gestohlen, alle anderen seien leer gewesen. Womöglich ging es dem Dieb also nur um den Materialwert der Festplatten sowie einen schnellen Wiederverkauf dieser und gar nicht um mögliche Inhalte darauf.
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