1990 landeten Arnold Schwarzenegger und Regisseur Paul Verhoeven mit „Total Recall“ einen großen Hit: Der lose auf Philip K. Dicks Kurzgeschichte „We Can Remember It For You Wholesale“ basierende Sci-Fi-Actionfilm spülte bei Produktionskosten von rund 65 Millionen US-Dollar mehr als 260 Millionen in die weltweiten Kinokassen – da lag es natürlich nahe, eine Fortsetzung zu drehen. Wir wir wissen, kam diese nie zustande. Doch zeitweise nahm „Total Recall 2“ ziemlich konkrete Formen an!
Und nicht nur das: Als Grundlage für das Sequel sollte ausgerechnet eine weitere Geschichte von Philip K. Dick dienen – „The Minority Report“. Wer bei diesem Titel hellhörig wird, liegt richtig: Jenen Stoff verarbeitete niemand Geringeres als Regie-Ikone Steven Spielberg Jahre später mit Tom Cruise in der Hauptrolle zu einem weiteren modernen Sci-Fi-Klassiker.
Das Studio Carolco, das hinter „Total Recall“ stand, verfügte damals über die Rechte an der Geschichte und plante, das Konzept von „Minority Report“ kurzerhand in die Welt des Schwarzenegger-Films zu verpflanzen. Gary Goldman und Ronald Shusett, die bereits am Skript des ersten Teils beteiligt gewesen waren, sollten für das Drehbuch verantwortlich zeichnen. Schwarzenegger sollte als Douglas Quaid zurückkehren.
"Total Recall" trifft "Minority Report": Darum sollte es im nie gedrehten Sequel gehen!
Die geplante Geschichte hätte dabei einige der bekanntesten Elemente von Spielbergs späterer Verfilmung vorweggenommen – allerdings unter umgekehrten Vorzeichen: Während Tom Cruise in „Minority Report“ ins Fadenkreuz einer Spezialeinheit gerät, die Morde voraussieht und verhindert, bevor sie überhaupt geschehen, sollte Schwarzeneggers Douglas Quaid in „Total Recall 2“ selbst die Leitung einer solchen Precrime-Einheit übernehmen – und zwar auf dem Mars.
Anders als bei Spielberg hätten allerdings keine menschlichen Hellseher*innen die Verbrechen vorhergesehen, sondern Mutanten vom Mars. Gleichzeitig sollte „Total Recall 2“ die philosophischen Fragen des Vorgängers weiterführen. Während sich der erste Film laut Verhoeven im Kern mit der Frage beschäftigte, was Realität überhaupt ist, hätte sich die Fortsetzung dem freien Willen gewidmet: Ist unsere Zukunft bereits vorherbestimmt? Und können wir sie noch verändern, wenn wir wissen, was passieren wird?
„Natürlich hätten sich darin auch Elemente von ‚Terminator‘ gefunden“, erklärte Verhoeven später in einem Interview (via AlloCiné). Und einen kleinen Seitenhieb auf Spielberg konnte sich der Niederländer, der für seine subversiven Variationen klassischer Genre-Stoffe bekannt ist, auch nicht verkneifen: „Wir hätten einen philosophischen Ansatz verfolgt, aber Spielberg fand das wahrscheinlich zu kompliziert, denn er entschied sich für die Thriller-Variante“.
Wie genau sein „Total Recall 2“ ausgesehen hätte, werden wir leider nie erfahren. Mitte der 1990er-Jahre stand das Projekt endgültig vor dem Aus, nachdem Carolco in massive finanzielle Schwierigkeiten geriet und 1995 schließlich Insolvenz anmeldete. Schuld daran ist übrigens nicht zuletzt ein millionenschwerer Blockbuster-Flop, wie ihr im folgenden Artikel nachlesen könnt:
Dieses Action-Abenteuer steht als größter Flop der Kinogeschichte im Guinness-Buch der Rekorde – es hat ein ganzes Studio auf dem Gewissen!Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits auf unserer französischen Schwesternseite AlloCiné erschienen.