"Ich musste wochenlang an den Film denken": Dieses 1990er-Jahre-Meisterwerk hat "Die Odyssee"-Macher Christopher Nolan völlig umgehauen

Christopher Nolan („Die Odyssee“) dreht nicht nur Meisterwerke, sondern hat auch ein großes Herz für das Kino an und für sich. Kürzlich hat der Oscar-Gewinner auch offenbart, welcher Film ihn damals völlig umgehauen hat.

Wenn es um die besten Filme aller Zeiten geht, gibt es mit Sicherheit zahlreiche Kinofans, die auch Werke von Christopher Nolan nennen würden: „Memento“, „Inception“, „Interstellar“ oder natürlich „The Dark Knight“ haben allesamt gute Chancen, in einer solchen Aufzählung aufzutauchen. Interessant ist jedoch nicht nur, was Nolan über seine eigenen Filme zu sagen hat, sondern ebenso, welche Werke ihn selbst maßgeblich geprägt haben – und womöglich sogar in seine unverkennbare filmische Handschrift eingeflossen sind.

Immer wieder werden Regisseure und Regisseurinnen sowie Schauspieler und Schauspielerinnen in den Criterion Closet eingeladen. Dabei handelt es sich um einen Filmraum der Criterion Collection, in dem Filmschaffende durch die Reihen stöbern und sich die eine oder andere Edition für die heimische Sammlung aussuchen dürfen. Auch Christopher Nolan war anlässlich des Kinostarts von „Die Odyssee“ zu Gast – und nutzte die Gelegenheit, über einen ganz besonderen Film aus den 1990er-Jahren zu sprechen.

Lost Highway
Lost Highway
Starttermin 10. April 1997 | 2 Std. 15 Min.
Von David Lynch
Mit Bill Pullman, Patricia Arquette, Balthazar Getty
Pressekritiken
3,3
User-Wertung
4,1
Filmstarts
5,0

"Lost Highway" hat Christopher Nolan überwältigt

Bei seinem Besuch im Criterion Closet kam Christopher Nolan auch auf „Lost Highway“ zu sprechen und schilderte dabei seine erste Begegnung mit David Lynchs Meisterwerk:

„Als ich ihn zum ersten Mal sah, kann ich nicht sagen, dass mir der Film gefallen hat. Ich fand es ziemlich mühsam, ihn bis zum Ende durchzustehen. Ich fand ihn ziemlich schwer verdaulich und ziemlich anspruchsvoll. Aber Wochen später habe ich immer noch darüber nachgedacht und mich daran erinnert, als wäre es einer meiner eigenen Träume gewesen – was nur zeigt, wie Lynch es geschafft hat, die Logik der Träume und das Erlebnis des Träumens aufzugreifen und daraus eine Art filmisches Äquivalent für das Publikum zu schaffen. Ich freue mich sehr darauf, diesen Film noch einmal anzuschauen.“

Damit bringt der „Oppenheimer“-Macher die überzeitliche Faszination von „Lost Highway“ bereits treffend auf den Punkt. Denn genau darin liegt eine der großen Stärken von David Lynchs Film: Er muss nicht unbedingt gefallen, um sich im Gedächtnis festzusetzen. Im Gegenteil. „Lost Highway“ ist ein Film, der sich zunächst sperrig, rätselhaft und bisweilen geradezu abweisend präsentiert – und seine eigentliche Wirkung oft erst entfaltet, wenn der Abspann längst über den Bildschirm gelaufen ist.

Für viele zählt „Lost Highway“ zu den Sternstunden in David Lynchs Schaffen – auch bei FILMSTARTS erhielt der Film mit 5 von 5 möglichen Sternen die absolute Höchstwertung. Die grandios inszenierte, apokalyptische Reise durch Identität, Begehren und Schuld entfaltet ihre ganze Kraft gerade jenseits konventioneller filmischer Regeln. Dass Christopher Nolan, dessen eigenes Werk ebenfalls immer wieder mit verschachtelten Erzählstrukturen, subjektiven Wahrnehmungen und dem Verhältnis von Traum und Realität arbeitet, „Lost Highway“ zu seinen persönlichen Favoriten von Lynch zählt, ist deshalb besonders interessant.

Die Story von "Lost Highway"

Ihr fragt euch, worum es in „Lost Highway“ überhaupt geht? Eine eindeutige Antwort darauf zu geben, wäre vermutlich schon ein kleiner Widerspruch zum Wesen des Films. Dennoch lässt sich zumindest der Ausgangspunkt der Geschichte beschreiben: Fred Madison (Bill Pullman) findet eines Tages vor seiner Haustür ein Videoband.

Darauf ist eine Aufnahme seines eigenen Hauses zu sehen. Als er am nächsten Tag eine weitere Kassette findet, auf der er und seine Frau Renée (Patricia Arquette) schlafend zu sehen sind, schaltet Fred die Polizei ein. Doch damit beginnt der Albtraum erst. Auf einer Party begegnet Fred schließlich einem mysteriösen Mann (Robert Blake), der ihm auf verstörende Weise erklärt, er befinde sich gerade in diesem Moment in Freds Haus...

Mit „Die Odyssee“ hat Christopher Nolan kürzlich auch „Avatar“ vom Thron gestoßen. Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

"Die Odyssee" stößt "Avatar" vom Thron: Christopher Nolans Epos stellt neuen Kino-Rekord auf

Pascal Reis
Pascal Reis
-Redakteur
Pascal liebt das Kino von „Vertigo“ bis „Daniel, der Zauberer“. Allergisch reagiert er allerdings auf Jump Scares, Popcornraschler und den Irrglauben, „Joker“ wäre gelungen.
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