Sprechende Tiere gehen einem Mord nach und unterhalten sich währenddessen über das Vergessen, den Wert der Erinnerung und Erfahrungen, die unseren Charakter formen. Könnte kitschig oder banal sein, ist aber stattdessen ein wärmender Mix aus Witz und Herzlichkeit – und dank dieser Mischung war „Glennkill: Ein Schafskrimi“ für mich eine der schönsten Kinoerfahrungen des Jahres.
Denn die Romanverfilmung mit Hugh Jackman, dem ich nach diesem wunderschöner Film den in meinen Augen ätzend-zynischen und durchkalkulierten „Deadpool & Wolverine“ verzeihe, ist eine liebevolle, zugleich augenzwinkernde Verneigung vor Krimi-Erzählkonventionen, in deren Verlauf sich mehrere berührende, stimmig aus der Erfahrungswelt der Figuren generierende Erkenntnisse entfalten. Als hätte jemand den Reiz von „Knives Out“ ins Universum von „Ein Schweinchen namens Babe“ verfrachtet!
Falls ihr diese Krimi-Tragikomödie im Kino verpasst habt und/oder eurer Filmsammlung einverleiben möchtet, dürft ihr euch freuen. Denn „Glennkill: Ein Schafskrimi“ ist ab sofort im Heimkino erhältlich.
Falls ihr auf das haptische Element verzichten wollt, könnt ihr „Glennkill“ bei Amazon Prime Video* streamen. Und wenn ihr den wohlig-tröstlichen Krimispaß mit seiner Vorlage vergleichen möchtet, findet ihr auch den ersten „Schafskrimi“-Roman* sowie seine Fortsetzungen bei Amazon und im Buchhandel.
Darum geht es in "Glennkill"
George Hardy (Hugh Jackman) hat zwei Leidenschaften in seinem Leben: Seine geliebte Schafherde und Kriminalromane. Diese Passionen verbindet er Abend für Abend, indem er den flauschigen Tieren vor seiner Bettruhe aus Whodunnit-Romanen vorliest. Doch ganz gleich, wie sehr er seine Schafe liebt – er ahnt nicht einmal in seinen kühnsten Träumen, dass sie ihn verstehen und nach der Vorlesestunde stets intensiv über die Fälle diskutieren und eifrig miträtseln.
Die Schafherde wiederum käme selbst im schlimmsten Albtraum nicht auf den Gedanken, dass sie George eines Morgens ermordet auffinden würde. Aber genau dies passiert – und da der schusselige Dorfpolizist Tim Derry (Nicholas Braun) nie zuvor ein ernstes Verbrechen lösen musste, sehen sich die wolligen Vierbeiner gezwungen, ihn mit ihrer geballten Krimi-Erfahrung zu unterstützen...
Ein Film wie eine geliebte Wolldecke
Die Schafe sprechen im englischen Originalton unter anderem mit den Stimmen von Julia-Louis Dreyfus und Chris O'Dowd, während in der deutschen Synchronfassung Anke Engelke und Bastian Pastewka eine kongeniale Leistung vollbringen. Die Schafe sind stur, begriffsstutzig und gelegentlich erschreckend vorurteilsbelastet (etwa, wenn es um Lämmer geht, die im Winter geboren wurden), sind in ihrer Bewunderung für ihren Schäfer jedoch einfach goldig und sie sind äußerst pfiffig, wenn es darum geht, den Dorfpolizisten auf die richtige Fährte zu bringen.
Das ist Familienkino im besten Sinne: Kindertauglich, jedoch mit so raffiniert eingefädelten Pointen bestückt und in seinen tröstlich-philosophischen Ideen so konsequent und durchdacht, dass das ältere Publikum mindestens genauso große Freude am Film hat. Bei mir zum Beispiel traf „Glennkill“ in einer rauen Woche immer und immer wieder den richtigen Nerv und wurde somit zur cineastischen Kuschelwolldecke, die zwar nichts ungeschehen, sehr wohl aber leichter erträglich macht.
Dass die Literaturverfilmung aber auch ohne intensiven „Genau der richtige Film genau zur richtigen Zeit“-Bonus überzeugt, belegt mein Kollege Stefan Geisler in seiner FILMSTARTS-Besprechung. Dort lobt er diesen Film wider Vergessen und Wegschauen: „Auch wenn der eigentliche Fall nicht mit vergleichbaren Genre-Vertretern mithalten kann, ist es ein kurzweiliges Vergnügen, den flauschigen Vierbeinern bei der Ermittlungsarbeit zuzusehen. Dass in dieser launigen Detektivgeschichte auch noch Platz für eine politische Note ist, die zudem locker und organisch in die Geschichte eingebunden wurde, ist eine angenehme Überraschung.“
Und wenn ihr nach all dem Wollegefühl als filmisches Gegengift eine Dystopie sucht, die meinen Kollegen Daniel Fabian begeistert hat, dann folgt einfach diesem Heimkino-Tipp:
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