Marvel wollte eine der besten Ideen von "Thor" nachträglich entfernen – doch zum Glück war das viel zu teuer

Mit „Thor“ hat Kenneth Branagh einen der ersten Einträge in das MCU abgeliefert. Der Nordire hat dabei auch eine visuelle Handschrift erkennen lassen – mit der man in der Führungsetage von Marvel offenbar nicht ganz einverstanden war.

Mit astreinem Popcorn-Spektakel bringt man Kenneth Branagh in erster Linie nicht unbedingt in Verbindung. Dafür hat sich der Nordire dann doch etwas zu intensiv mit der Welt von William Shakespeare beschäftigt. Allerdings ist der Oscar-Gewinner immer wieder im Sommerblockbuster-Geschäft aktiv – und das nicht nur, wie etwa in „Wild Wild West“ oder „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, vor der Kamera.

Mit „Thor“ lieferte Branagh zudem einen der ersten Einträge in das Marvel Cinematic Universe ab – und etablierte damit auch Chris Hemsworth („Crime 101“) als titelgebenden Donnergott. Tatsächlich ist „Thor“ einer der MCU-Filme, die eine unverkennbare inszenatorische Handschrift besitzen und mit einigen ungewöhnlichen visuellen Ideen aufwarten. Marvel war mit einer dieser Ideen allerdings offenbar nicht einverstanden, wie Kenneth Branagh nun in einem Interview verriet.

Thor
Thor
Starttermin 21. April 2011 | 1 Std. 55 Min.
Von Kenneth Branagh
Mit Chris Hemsworth, Natalie Portman, Anthony Hopkins
Pressekritiken
3,5
User-Wertung
3,9
Filmstarts
3,5
Auf Disney+ streamen

Anpassungen waren zum Glück zu teuer

Wenn man sich „Thor“ genauer anschaut, wird schnell deutlich, dass Kenneth Branagh auffallend häufig auf sogenannte Dutch Angles zurückgreift. Dabei handelt es sich um geneigte Kameraeinstellungen, bei denen diagonale Linien entstehen, anstatt dass vertikale und horizontale Bildachsen dominieren. Der Effekt dieses Stilmittels? Dutch Angles können eine bevorstehende Bedrohung vermitteln, den inneren Kampf einer Figur visualisieren, eine Szenerie unwirklich erscheinen lassen oder einer ohnehin schon chaotischen Actionsequenz noch mehr Unruhe verleihen.

Im Gespräch mit Kevin McCarthy erklärte Kenneth Branagh nun, dass offenbar sogar versucht wurde, die diagonalen Einstellungen nachträglich aus dem Film zu verbannen. „Ich weiß, dass es irgendwann einmal irgendwo im Marvel-Universum eine Diskussion darüber gab: 'Was würde es kosten, diesen Film horizontal auszurichten?' Und ich bin froh, sagen zu können, dass die Kosten für diesen Prozess so unerschwinglich waren.“

Wie bereits erwähnt, handelt es sich dabei keineswegs nur um eine Handvoll Szenen, in denen Kenneth Branagh auf Dutch Angles zurückgreift. Stattdessen zieht sich das Stilmittel durch weite Teile des Films und prägt dessen visuelle Gestaltung deutlich. Seine Entscheidung, die zahlreichen schrägen Einstellungen einzubauen, erklärte Branagh folgendermaßen: „Es ging einfach mehr um die visuelle Wirkung. Es ging darum, was einen in einer Welt, in einer Geschichte über Götter, am meisten beeindrucken kann. Ich hatte das Gefühl, dass es für alles einen Grund gab und dass man sich auf diese Weise auch voll und ganz darauf einlassen konnte.“

Am 16. Dezember startet „Avengers: Doomsday“ in den Kinos. Auch Chris Hemsworth wird darin als Thor wieder mit von der Partie sein. Der kommende Marvel-Blockbuster hat bereits drei Monate vor seinem Kinostart einen Rekord gebrochen. Was es damit genau auf sich hat, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

"Avengers: Doomsday" bricht den ersten Kinokassen-Rekord – 3 Monate vor Start!
Pascal Reis
Pascal Reis
-Redakteur
Pascal liebt das Kino von „Vertigo“ bis „Daniel, der Zauberer“. Allergisch reagiert er allerdings auf Jump Scares, Popcornraschler und den Irrglauben, „Joker“ wäre gelungen.
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