Dieses 190 Minuten lange Abenteuer-Epos hat "Avatar" inspiriert – trotzdem ist es völlig unbekannt!
von Michael Bendix
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Vor 35 Jahren kam ein mehr als dreistündiges, starbesetztes Abenteuer-Drama in die Kinos, das James Cameron später als wichtigen Bezugspunkt für „Avatar“ nannte. Heute kann sich aber kaum jemand an den Film erinnern.

Im Vorfeld waren sich viele noch nicht ganz sicher, was James Cameron da genau vorhaben mag mit diesen seltsamen, an Kitsch-Postkarten erinnernden blauen Wesen – doch sollte man den Rekord-Regisseur niemals unterschätzen: „Avatar - Aufbruch nach Pandora“ setzte 2009 nicht nur technisch völlig neue Maßstäbe und löste einen regelrechten 3D-Boom aus, er stieß als bis dahin umsatzstärkster Film der Kinogeschichte auch „Titanic“ vom Thron, bekanntlich ebenfalls eine Regiearbeit des „Terminator“-Schöpfers!

Avatar - Aufbruch nach Pandora
Avatar - Aufbruch nach Pandora
Starttermin 17. Dezember 2009 | 2 Std. 42 Min.
Von James Cameron
Mit Sam Worthington, Zoe Saldana, Sigourney Weaver
Pressekritiken
4,5
User-Wertung
4,4
Filmstarts
4,0
Auf Disney+ streamen

Nach Wiederaufführungen kratzt das Sci-Fi-Abenteuer mittlerweile an der bisher nie erreichten 3-Milliarden-Dollar-Marke, während Teil 2 mit einem weltweiten Einspielergebnis von rund 2,3 Milliarden momentan den vierten Platz der größten Kino-Hits aller Zeiten belegt. „Avatar: Fire And Ash“, der dritte Eintrag in die Saga, spülte 2025 dann zwar „nur“ 1,4 Milliarden in die Kinokassen, lockte in Deutschland aber noch immer fast 5,4 Millionen Besucher*innen in die Lichtspielhäuser, womit er seine Konkurrenz im Regen stehen ließ.

„Avatar“ ist also eine beispiellose Erfolgsgeschichte! Die Story des Films war dabei aber ungleich weniger revolutionär als die Effekte: Für Camerons Öko-Märchen von einem Fremden, der in eine ihm völlig unbekannte Kultur eintaucht, sich zunehmend mit deren Bewohnern identifiziert und schließlich an ihrer Seite gegen seine eigenen Leute kämpft, gibt es zahlreiche Blaupausen. Am häufigsten wurde „Der mit dem Wolf tanzt“ als Vergleich angeführt.

Diese Abenteuer-Epen haben James Cameron zu "Avatar" inspiriert

Doch Kevin Costners Western-Epos ist nicht der einzige Film, den Cameron bei „Avatar“ im Hinterkopf hatte. Auch zwei deutlich weniger populäre Werke standen Pate – nämlich John Boormans Dschungel-Abenteuer „Der Smaragdwald“ (1985) sowie „Ein Pfeil in den Himmel“ (1991), die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Peter Matthiessen. Vor allem der letztgenannte Dreistünder ist mittlerweile völlig in Vergessenheit geraten.

Ein Pfeil in den Himmel
Ein Pfeil in den Himmel
3 Std. 01 Min.
Von Héctor Babenco
Mit Tom Berenger, John Lithgow, Daryl Hannah

In „Ein Pfeil in den Himmel“ treffen zwei Handlungsstränge aufeinander: Während eine Gruppe US-amerikanischer Missionare (darunter John Lithgow und Kathy Bates) in den brasilianischen Regenwald reist, um das indigene Volk der Niaruna zum Christentum zu bekehren, soll der Söldner-Pilot Lewis Moon (Tom Berenger) deren Dorf aus der Luft bombardieren, um Platz für den Abbau von Bodenschätzen zu schaffen. Doch Moon – der selbst indigene Wurzeln hat – verweigert den Befehl, springt mit dem Fallschirm über dem Dschungel ab und schließt sich den Niaruna an. Von den Indigenen als Himmelwesen aufgenommen, übernimmt er deren Traditionen und kämpft an ihrer Seite. Die Parallelen zu „Avatar“ sind kaum zu übersehen!

In einem Interview auf die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Filmen angesprochen, antwortete James Cameron (via Los Angeles Times): „Ja, [...] dasselbe Thema findet man auch in ‚Ein Pfeil in den Himmel‘ und in ‚Der Smaragdwald‘, der thematisch vielleicht nicht ganz so eng damit verwandt ist, in dem es aber ebenfalls um das Aufeinandertreffen verschiedenen Zivilisationen oder Kulturen geht.“

Cameron erklärte seine Herangehensweise: „Ich habe all diese Einflüsse aufgenommen, und wenn man sie dann durch die Brille der Science-Fiction betrachtet, sieht das Ergebnis völlig anders aus, bleibt aber auf der Ebene einer universellen Geschichte. Für das Publikum hat das fast etwas Vertrautes: ‚Ich weiß, was für eine Geschichte hier erzählt wird.‘ Die Zuschauer sitzen dann nicht einfach da und kratzen sich ratlos am Kopf, sondern genießen den Film und lassen sich von der Handlung mitreißen.“

Bei seiner Veröffentlichung war „Ein Pfeil in den Himmel“ allerdings kein großer Erfolg beschieden: An den nordamerikanischen Kinokassen spielte das mit großem Aufwand umgesetzte Historien-Drama gerade einmal 1,35 Millionen Dollar ein, und auch die Kritiken fielen gemischt aus. Obwohl er dank Camerons Äußerungen vor rund 17 Jahren kurzzeitig wieder im Gespräch war, blieb eine größere Neuentdeckung aus – noch immer fristet das von dem argentinisch-brasilianischen Filmemacher Héctor Babenco inszenierte, in weiteren Rollen mit Daryl Hannah und Tom Waits besetzte Epos ein filmgeschichtliches Schattendasein. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, dem Film eine Chance zu geben!

Wenn ihr übrigens wissen wollt, welcher Film bei den Oscars sogar „Avatar“ in die Schranken wies, dann lest auch den nachfolgenden Artikel:

Er wird immer wieder vergessen, dabei hat er sogar "Avatar" in den Schatten gestellt: Einer der besten Kriegsfilme des 21. Jahrhunderts mit 4 Marvel-Stars

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Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.
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