Dieses 3-Stunden-Epos wurde für 12 Oscars nominiert – heute ist es fast vergessen!
Dobrila Kontic
Dobrila Kontic
-Freie Autorin
Zu Dobrilas Lieblingsfilmen gehört Düster-Melancholisches ("Donnie Darko") bis Dystopisches ("Children Of Men"), aber schwarzhumorigen Komödien und Satiren kann sie auch viel abgewinnen.

1981 schuf Schauspieler und Regisseur Warren Beatty ein außergewöhnliches Biopic, dessen Entstehung fast schon an ein Wunder grenzte. Doch trotz positiver Kritiken und drei Oscar-Gewinnen ist dieser Film heute kaum bekannt.

Wer die Oscar-Verleihungen der vergangenen Jahre aufmerksam verfolgt hat, wird sich an einige außergewöhnliche Filme erinnern, die von der Kritik, dem Publikum und schließlich auch der Academy zu Recht gewürdigt wurden. Man denke nur an „Parasite“, „Everything Everywhere All At Once“, „Poor Things“ und „Oppenheimer“. All diese Filme waren mehrfach nominiert, konnten einige goldene Statuen ergattern und sollten auch in den kommenden Dekaden wohl unvergessen sein – glaubt man zumindest.

Denn bis heute gibt es genügend Beispiele für Filme, die trotz aller Popularität und Raffinesse dem kollektiven Filmgedächtnis irgendwie abhandengekommen sind. Einer davon ist das dreistündige Epos „Reds“, das Schauspieler und Regisseur Warren Beatty nach einer wahren Tour de Force mit Diane Keaton und Jack Nicholson 1981 auf die Leinwand brachte. Mit Erfolg: Der Film erhielt ganze zwölf Oscar-Nominierungen und konnte drei Trophäen einheimsen für die Beste Regie, die Beste Nebendarstellerin und die Beste Kameraarbeit.

Liebe, Drama, Revolution: Darum geht’s in "Reds"

In erster Linie ist „Reds“ ein Biopic über einen Mann, der Warren Beatty schon seit den 1960ern beschäftigte: Der US-Amerikaner John Reed (1887-1920) arbeitete nach seinem Studium an der Elite-Universität Harvard als Journalist. Fasziniert von den sozialen Umtrieben seiner Zeit, berichtete Reed unter anderem von großen Arbeiterstreiks in den USA und von der Mexikanischen Revolution, war aber auch als Kriegsberichterstatter im Ersten Weltkrieg in Europa zugegen.

„Reds“ setzt im Jahr 1915 an, als John Reed (Warren Beatty) in Portland auf die Journalistin und Suffragette Louise Bryant (Diane Keaton) trifft. Bryant ist begeistert von Reeds mitreißendem Geist und verlässt für ihn ihren Ehemann. Doch die Beziehung hat einige Hürden und beiderseitige Untreue zu überwinden – so hat Bryant etwa zwischenzeitlich eine Affäre mit dem Bühnenautoren Eugene O'Neill (Jack Nicolson).

Nichtsdestotrotz rauft sich das Paar zusammen und folgt unbeirrt gemeinsamen und eigenen Idealen. Sie reisen nach Russland, um von der Oktoberrevolution zu berichten und zurück in den USA begründet Reed die Communist Labor Party Of America (CLPA) mit. Doch der Machtkampf mit einer anderen kommunistischen Partei in den USA treibt Reed zu einer Entscheidung, die seine Beziehung zu Bryant, seine Freiheit und sein Leben aufs Spiel setzt.

„Reds“ ist ein 195-minütigen Zeitgemälde, das sich eingängig John Reeds großer Liebe widmet und sich mit seinen hehren Idealen auseinandersetzt – beides wird im Verlauf dieses Biopics mehrfach auf die Probe gestellt. Zudem verfügt das Drama über eine dokumentarische Ebene: Statements von Zeitzeugen, die Reed persönlich oder um ein paar Ecken gekannt haben, unterbrechen und ergänzen den Plot aufschlussreich.

Schwere Geburt, beachtlicher Erfolg

Obgleich „Reds“ einiges an Emotionalität, Humor und Spannung zu bieten hat, ist der Film allein schon wegen seiner Länge und politischen Thematik keine einfache Kost, aber lohnenswert allemal. Ein feinfühliges Drehbuch, die Kameraarbeit von Vittorio Storaro, der 1980 schon einen Oscar für „Apocalypse Now“ gewonnen hatte, und ein hochkarätiger Cast brachten dem Film nach seinem Start 1981 viel Lob und Vergleiche mit erfolgreichen Epen wie „Doktor Schiwago“ und „Lawrence von Arabien“ ein.

Ein Glück, denn der Weg zu dieser Anerkennung war weit und beschwerlich, wie sich etwa in einem Artikel von Vanity Fair nachlesen lässt: So erstreckten sich die Dreharbeiten zu „Reds“, ganz anders als geplant, über ein ganzes Jahr. Da in fünf Ländern gedreht wurde, gab es diverse logistische Probleme. Zudem machte es Beattys obsessive Vorliebe, bis zu 70 Takes pro Szene zu drehen, dem Cast äußerst schwer, darunter Diane Keaton, die damals auch noch eine Beziehung mit Beatty führte.

Kontinuierlich stieg so das Budget für „Reds“ (offiziell) auf rund 32 Millionen US-Dollar an – inflationsbereinigt entspräche das heute circa 113 Millionen US-Dollar. Dass Beatty das Filmstudio Paramount während des Kalten Krieges überhaupt überzeugen konnte, einen Film über einen glühenden amerikanischen Kommunisten zu finanzieren, grenzt an ein Wunder.

Übrigens: Welchen Flop eines Meisterregisseurs Jack Nicholson für unterschätzt hält, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel.

"Viele Leute hassten den Film": Diesen Flop eines Meisterregisseurs hält Jack Nicholson für einen seiner unterschätztesten Filme!

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