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    "Captain Marvel": Darum sind Talos und die Skrulls so geniale Bösewichte
    Von Julius Vietzen — 17.03.2019 um 14:30

    „Captain Marvel“ wartet mit einem großartigen Twist auf, den man aus verschiedenen Gründen eigentlich gar nicht kommen sehen kann. Dabei spielt vor allem Ben Mendelsohns Skrull-Anfüher eine tragende Rolle...

    Marvel Studios 2019 / Chuck Zlotnick
    +++ Meinung +++

    Achtung, der folgende Text enthält Spoiler zu "Captain Marvel"!

    Als Ben Mendelsohn im Oktober 2017 zum Cast von „Captain Marvel“ stieß, verkündeten die großen Branchenmagazine einstimmig, dass er den Oberbösewicht spielen würde. Offenbar hat Marvel also selbst Variety und Co. über den brillanten Twist im Dunklen gelassen, denn wer „Captain Marvel“ gesehen hat, weiß: Mendelsohns Talos und die anderen Skrulls sind keineswegs die Schurken, sondern verzweifelte Flüchtlinge, die vor den brutalen Kree fliehen wollen. Und dieser Twist ist deswegen so genial, weil vorher wirklich niemand damit rechnen konnte, dass die Skrulls NICHT die Bösen sind.

    Die Skrulls als Comic-Bösewichte

    Die Meldung, dass Mendelsohn den Bösewicht spielen würde, ist dabei nur das eine, denn die mag gar nicht jeder mitbekommen haben. Viel wichtiger und viel entscheidender für das Funktionieren des Twists ist: Die Skrulls sind in den Comics eigentlich immer die Bösewichte. Klar, ursprünglich waren sie dort eine friedvolle Rasse von Händlern, die sich als Angehörige anderer Spezies ausgaben, wenn sie mit diesen in Kontakt traten. Und natürlich gibt es auch bei den Skrulls einzelne Individuen, die nicht abgrundtief böse sind.

    Doch Comicleser kennen die Skrulls eben aus den Kree-Skrull-Kriegen, in die auch die Erde verwickelt wurde, und vor allem der Storyline „Secret Invasion“, in der die Skrulls die Erde unterwandern und sich als bekannte Helden wie Ant-Man und Spider-Womn ausgeben. Und vor allem bei „Secret Invasion“ sind die Skrulls eindeutig abgrundtief böse, gehen mit brutalen Mitteln vor und schrecken vor nichts zurück.

    Wer so aussieht, kann eigentlich nur böse sein

    Hinzu kommt auch noch das Aussehen der Skrulls: Mit ihrem repitlienartigen Äußeren, der grünen, geriffelten Haut und den spitzen Ohren sehen die Skrulls schlicht und ergreifend aus wie klassische Bösewichte – viel schurkischer kann man eigentlich gar nicht aussehen. Nicht umsonst mussten einige Twitter-Nutzer an Oberteufel Piccolo aus dem „Dragonball“-Realfilm denken, als das erste Bild von Talos veröffentlicht wurde.

    Vor allem wenn man Skrulls und Kree direkt nebeneinander betrachtet, kann es eigentlich keinen Zweifel daran geben, wer hier Schurke und wer Held ist. Und das trifft sowohl auf die Comics als auch auf „Captain Marvel“ zu:

    Marvel Studios 2019 / Chuck Zlotnick
    Kree (links) und Skrull (rechts): Wer ist gut und wer ist böse?

    Auch die Gestaltwandler-Fähigkeiten der Skrulls tragen sicherlich nicht dazu bei, dass sie besonders vertrauenswürdig erscheinen. Skrulls können in den Comics jede beliebige organische oder anorganische Gestalt annehmen (egal ob die einer anderen Person oder einer Schreibtischlampe). In „Captain Marvel“ gibt es immerhin die Einschränkung, dass sie die Gestalt, die sie kopieren möchten, vorher einmal erblickt haben müssen und außerdem sehen wir keine Verwandlung in ein Objekt, aber dennoch: Wer problemlos jede andere Gestalt annehmen kann, wird das früher oder später auch tun und ist einem darum instinktiv suspekt.

    Bösewicht-Darsteller Ben Mendelssohn

    Wirklich genial ist in dieser Hinsicht auch die Besetzung von Ben Mendelsohn als Talos. Der Australier ist nämlich nicht nur ein hervorragender Schauspieler, der sogar unter dickem Make-up problemlos verschiedenste Emotionen zum Ausdruck bringen kann. Vor allem ist Mendelsohn eben auch bekannt dafür, dass er in seiner Karriere zahlreiche Bösewichte gespielt hat. Zum Beweis hier eine kleine Auswahl von Filmen, in denen Mendelsohn zuletzt als Schurke zu sehen war: „Robin Hood“, „Ready Player One“, „Rogue One“, „Exodus: Götter und Könige“, „The Dark Knight Rises“. Auch darum ist vor „Captain Marvel“ natürlich niemand auf die Idee gekommen, daran zu zweifeln, dass er der Schurke des Films ist.

    Einen ähnlichen Effekt machte sich übrigens auch Martin Scorsese in „Shutter Island“ zu Nutze, wo die Hauptfigur von Saubermann Leonardo DiCaprio gespielt wird, viele Nebenfiguren jedoch mit bekannten Bösewicht-Darstellern wie Ben KingsleyJackie Earle Haley und Ted Levine besetzt sind. Dadurch misstraut man als Zuschauer instinktiv den Figuren um DiCaprios Teddy Daniels. Und darum kommt auch der Twist am Ende von „Shutter Island“ so überraschend…

    "Secret Invasion" kann immer noch kommen

    Trotz des Twists in „Captain Marvel“ ist eine Adaption der „Secret Invasion“-Storyline aus den Comics aber noch nicht vom Tisch. Wie Kevin Feige erklärte, gibt es auch bei den Skrulls gute und böse Individuen. Womöglich erleben wir also doch noch irgendwann auf der großen Leinwand, wie die Skrulls einen anderen Planeten unterwandern – egal ob die Erde oder die Kree-Heimatwelt Hala.

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