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    Heute im TV: Dieses Horror-Remake zeigt perfekt, warum das moderne Gruselkino einfach nicht mehr schockt!
    Von Christoph Petersen — 10.07.2021 um 14:00

    „Poltergeist“ von 1982 ist völlig zu Recht ein Grusel-Klassiker! Das Remake von 2015 (heute 23.30 Uhr auf ZDF Neo) ist solide Unterhaltung – hat aber auch nicht groß weiter für Aufsehen gesorgt. Meiner Meinung nach hat das einen einfachen Grund…

    Fox

    +++ Meinung +++

    Erst neulich habe ich mir den Katastrophen-Blockbuster „San Francisco“ mit Clark Gable angesehen. Der Film aus dem Jahr 1936 handelt von dem großen Erdbeben, das die titelgebende Westküstenmetropole 1906 in Schutt und Asche gelegt hat. Sicherlich ist der eine oder andere Styroporbrocken in den Zerstörungssequenzen nach dem Aufprall höher gehüpft, als es ein normaler Ziegelstein tun würde – aber mein Gott, haben die Szenen, in dem die Häuser eingestürzt und die Straßen unter den Kutschen weggebrochen sind, einen Eindruck hinterlassen.

    In CGI-Orgien von „The Day After Tomorrow“ bis „San Andreas“ kann man zwar seinen Spaß damit haben, sich zu fragen, wie weit die Macher*innen wohl noch gehen werden – und sich an der schieren Extravaganz des computergenerierten Weltuntergangs berauschen. Aber wirklich Staunen? Wohl kaum. Ähnliches gilt für die aktuellen „Fast & Furious“-Eskapaden – da muss dann schon ein Visionär wie George Miller mit seinem handgemachten „Mad Max: Fury Road“ daherkommen, um Fans von Auto-Action endlich mal wieder die Kinnladen runterklappen zu lassen.

    Bestes Beispiel: "Poltergeist" Vs. "Poltergeist"

    Was für Katastrophen- und Action-Blockbuster gilt, trifft im Horror-Genre erst recht zu: Mit CGI bekommt man doch allenfalls noch die ohnehin besonders Ängstlichen dran! So ist es bestimmt keine Überraschung, dass die zwei großen Grusel-Franchise-Starter der letzten 15 Jahre, nämlich „Paranormal Activity“ (2007) und „Conjuring – Die Heimsuchung“ (2013), fast komplett ohne Computerunterstützung ausgekommen sind. Pixelblut schockiert nicht – und Pixelgespenster schocken nicht.

    Noch deutlicher wird das allerdings im Vergleich der beiden „Poltergeist“-Filme, also Tobe Hoopers Original von 1983 und dem Remake von 2015 – denn beide Produktionen greifen auf einige der exakt selben Gruselmotive zurück, nur eben einmal weitgehend handgemacht und einmal mit Hilfe aus dem Computer realisiert: Natürlich ist die plötzliche Attacke des Weidenbaumes im Remake viel größer und spektakulärer, aber auf Jahre in Erinnerung bleiben wie die von einem furchterregenden Baum aus Steven Spielbergs Kindheit inspirierte Szene im Original wird sie kaum – sie ist eben letztendlich nur noch ein CGI-Moment unter vielen.

    Und nochmal: Das „Poltergeist“-Remake von „Monster House“-Regisseur Gil Kenan ist echt okay. Das kann man sich ruhig schon mal ansehen (wie gesagt heute um 23.30 Uhr auf ZDF Neo), aber dann reicht’s auch.

    Man hört ja immer wieder als Begründung für die Produktion von Remakes, dass es heute einfach fortgeschrittenere technische Mittel gäbe, um die bekannte Geschichte noch einmal auf eine neue Art zu erzählen. Aber was bringt das bitteschön, wenn die Mittel doch so offensichtlich die falschen sind?

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