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    Heimkino-Tipp: Auch wenn der "John Wick"-Vergleich Quatsch ist – der neue Film von Nicolas Cage ist absolut sehenswert!
    17.11.2021 um 12:31
    Sidney Schering
    Sidney Schering
    -Freier Autor und Kritiker
    Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

    Nicolas Cage spielt in „Pig“ einen Einzelgänger, dessen geliebtes Schwein entführt wird. Was folgt, ist zwar kein Rachethriller à la „John Wick“, doch das macht diesen Film keinen Deut schwächer!

    Leonine

    +++Meinung+++

    Als Besetzung und Plot von Michael Sarnoskis Regiedebüt „Pig“ bekannt gegeben wurden, waren die Vergleiche zu einem markanten Action-Franchise nicht fern: Nicolas Cage spielt einen einsamen Mann, dessen geliebtes Schwein entführt wird und sich daraufhin grantelnd in sein altes Leben zurückbegibt, um den Ringelschwanzträger zurückzugewinnen. Nicht zuletzt aufgrund von Cages schillernder Action-Vergangenheit (von „The Rock“ bis „Willy's Wonderland“) kam vielen Filmfans prompt „John Wick“ in den Sinn. Man tausche Keanu Reeves halt gegen Cage und den kaltblütig getöten Hund gegen ein entführtes Trüffelschwein.

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    Doch weit gefehlt: Vergleiche zwischen „Pig“ und „John Wick“ bieten sich bestenfalls augenzwinkernd an, dürften gemeinhin aber nur irreführend ankommen. Denn hinter der 3,6-Millionen-Dollar-Produktion verbirgt sich nicht etwa ein blutiger, stylischer Action-Thriller, sondern einer der feinfühligsten und warmherzigsten Filme des Jahres. Wir können nur hoffen, dass er von seinem Publikum auf Blu-ray als genau das entdeckt wird – statt mit falschen Erwartungen aufgenommen zu werden.

    Darum geht es in "Pig"

    Rob (Nicolas Cage) führt ein abgeschiedenes Leben, seine einzigen Kontakte sind sein treues, geliebtes Trüffelschwein und sein gelegentlich mit einer Protzkarre angedonnert kommende Stammkunde Amir (Alex Wolff). Als eines Nachts Robs Schwein entführt wird, bleibt ihm nur eine Wahl: Er kehrt zurück in seine alte Heimat, sucht nach ihm und lässt dabei keinerlei Kompromisse zu. Doch was beispielweise ein John Wick mit Hieben, Tritten, Messerstechereien und viel Geballer klären würde, klärt Rob auf ganz andere Weise …

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    ... denn Regieneuling Michael Sarnoski, der sich gemeinsam mit Autorin Vanessa Block diese Story ausgedacht hat, geht es nicht um große Schaueffekte und knallig-laute Konflikte. Er ist deutlich mehr an leisen, zwischenmenschlichen Tönen und nuancierten, inneren Konflikten interessiert. Und so entfaltet sich nach und nach eine Geschichte über Empathie, Kummer, Verdrängung und Akzeptanz.

    Mehr Herzen ausschütten, weniger Blut vergießen

    Wie schon angedeutet: Wenn man unbedingt will, lassen sich augenzwinkernd Parallelen zwischen „John Wick“ und „Pig“ ziehen. In beiden Filmen wird der Protagonist von einem mittlerweile wieder geschätzten Schauspieler verkörpert, der zwischenzeitlich viel gescholten wurde. Und eben dieser Protagonist wird durch einen Angriff auf ein geliebtes Tier widerwillig in sein früheres Leben gezerrt – und die „Mythologie“ rund um seinen früheren Beruf macht einen Teil der filmischen Faszination aus.

    Bloß, dass es bei „John Wick“ um die komplexe Unterwelt von Auftragskillern geht, während wir bei „Pig“ die nicht minder facettenreiche Gastronomie-Subkultur kennenlernen. Da enden die Gemeinsamkeiten aber auch. Während John Wick seinen Widersachern Kugeln in den Körper jagt (oder sie, wenn sie ganz viel Glück haben, lediglich krankenhausreif schlägt), analysiert Rob messerscharf den existenziellen Status seines Gegenübers – und gibt manchmal wohlmeinenden Rat, andere Male hört er geduldig zu. Und dann gibt es Fälle, wo er mit zielsicher gewählten Worten die verlogene Fassade seines Gesprächspartners zerstört und ein stammelndes Haufen Elend zurücklässt. Nicht aber aus Böswilligkeit. Denn das Elend hat nunmehr dank neu gewonnener Einsicht die Chance, sich selbst wieder treu zu werden und neu anzufangen.

    Vor allem ist Robs Odyssee durch die ihm fremd gewordene Großstadt jedoch eine Reise der Selbsterkenntnis: Dem von Nicolas Cage mit atemberaubender Feinfühligkeit gespielte Quasi-Einsiedler geht zwar schnell der Vorwurf von den Lippen, die Leute, die ihm begegnen, würden sich was vormachen. Aber auch er selbst muss sich einige schwer verdauliche Dinge eingestehen und lang zurückliegende Rückschläge endlich akzeptieren.

    Dank Sarnoskis ruhiger Regieführung können sich die immensen Gefühlswelten, um die sich „Pig“ dreht, ausgiebig entfalten. Und wie das Skript nahezu beiläufig Haken schlägt, ist bemerkenswert: Wiederholt enthüllen sich neue Facetten im Wesen Robs und in den Absichten seines Umfelds – im Zusammenspiel mit einem äußerst galant gefilmten, emotional komplexen und wortkargen Finale entsteht so eine bleibende Wirkung. Nicht umsonst wird „Pig“ in der FILMSTARTS-Kritik als „ein meditatives Drama um Verlust, Trauer und Erlösung“ bezeichnet. Denn die „elegische Inszenierung und das nuancierte Spiel von Nicolas Cage sorgen dafür, dass sich ‚Pig‘ fraglos zu den ergreifendsten und schönsten Filmen des Jahres zählen darf.“

    Cage kann weiterhin ordentlich austeilen

    Übrigens: Wenn ihr euch nach neuer Action mit Nicolas Cage die Finger leckt, müsst ihr euch nicht lange gedulden. Denn mit „Prisoners Of The Ghostland“ steht der deutsche Heimkinostart eines abgefahrenen, äußerst kreativen Actiontrips mit dem preisgekrönten Mimen unmittelbar bevor.

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    „Prisoners Of The Ghostland“ ist der erste englischsprachige Film des umjubelten japanischen Regisseurs Sion Sono („Antiporno“) und vereint Cage mit seinem „Face/Off“-Kollegen Nick Cassavetes wieder. Außerdem ist in dem bildgewaltigen Spektakel, das Action-, Horror-, Samurai-, Sci-Fi- und Western-Elemente verschmilzt, die „Kingsman“-Schurkin Sofia Boutella mit von der Partie. Falls ihr also Lust auf ein von bedächtig auf durchgeknallt beschleunigendes Cage-Double hat, was würde sich da mehr anbieten als ein Filmabend mit „Pig“ und dieser bald folgenden Heimkinopremiere?

    Geister, Ninjas und Nicolas Cage: Mehr über das irre Action-Horror-Spektakel "Prisoners of the Ghostland"

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