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Kill The Boss
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Kill The Boss
Von Stefan Geisler
Viele haben schon einmal unter einem Chef gearbeitet, der den Berufsalltag sprichwörtlich zur Hölle macht. Die Hierarchie verhindert dann auch meist, sich effektiv gegen die Schikanen zur Wehr zu setzen. Was bleibt, ist die Flucht in die Fantasie, denn dort lässt sich den Mini-Despoten wenigstens Paroli bieten. Welche perfiden Rachepläne dabei in den Köpfen vieler Angestellten gedeihen, bleibt im Arbeitsalltag zum Glück unausgesprochen – dafür gibt es ja das Kino. In Hollywood werden eben nicht nur diabolische Cheffiguren geschaffen, sie dürfen auch gleich für ihre diktatorischen Methoden büßen. So zum Beispiel in der 80er-Jahre-Komödie „Warum eigentlich...bringen wir den Chef nicht um?", in der sich drei Sekretärinnen an ihrem chauvinistischen Vorgesetzten rächen. Auch der Titel von Seth Gordons („Mein Schatz, unsere Familie und ich") neuestem Komödienstreich spricht für sich: „Kill The Boss" ist eine bitterböse Satire auf den gemeinen Vorgesetzten, die vor allem dank toll aufgelegter Darsteller begeistert.

Nick (Jason Bateman), Dale (Charlie Day) und Kurt (Jason Sudeikis) haben das gleiche Problem: Jeder von ihnen schuftet unter einem wahren Horror-Chef. Während Nick für den sadistischen Egomanen Dave Harken (Kevin Spacey) Doppelschichten schiebt, wird der verlobte Zahnarzthelfer Dale von seiner nymphomanischen Chefin Dr. Julia Harris (Jennifer Aniston) sexuell angegangen. Und auch Buchhalter Kurt hat sein Kreuz zu tragen: Nach dem Tod des sympathischen Firmenleiters Jack Pellit (Donald Sutherland) hat dessen drogensüchtiger und über alle Maßen unfähiger Sohn Bobby (Colin Farrell) die Leitung übernommen und den Laden in ein Tollhaus verwandelt. Während eines feuchtfröhlichen Barausflugs kommen die drei schließlich auf die gemeinsame Idee, einen Auftragskiller anzuheuern und sich auf diesem Wege ihrer Vorgesetzten zu entledigen...



Mit Les Grossman (Tom Cruise, „Tropic Thunder"), Miranda Priestly (Meryl Streep, „Der Teufel trägt Prada"), Buddy Ackerman (Kevin Spacey, „Unter Haien in Hollywood") und Bill Lumbergh (Gary Cole, „Alles Routine") gab es in den vergangenen Kinojahren bereits einige diktatorische Chefs zu verfluchen. Dazu gesellen sich nun mit Dave Harken, Dr. Julia Harris und Bobby Pellit weitere Musterexemplare der Gattung. Ihre Spezialitäten: Schikane, sexuelle Belästigung und Inkompetenz. Damit greift Gordon ganz reale Problematiken auf, spitzt sie für die Leinwand zu und entkleidet sie damit ihrer gefährlichen Subtilität. Die drei Vorgesetzten sind schonungslose Karikaturen, die aber nie völlig aus der Luft gegriffen wirken. „Kill The Boss" ist kein bodenloses Spaßfilmchen, sondern eine waschechte Satire – und hat damit natürlich auch mit den Schwierigkeiten zu kämpfen, die mit einer überzeichneten Darstellung einhergehen, denn nicht selten gerät eine Parodie ungewollt zur Parodie ihrer selbst. Hierbei kann sich Gordon aber ganz auf seine hervorragende Darstellerriege verlassen.

Bereits in „Unter Haien in Hollywood" hat Kevin Spacey („Die üblichen Verdächtigen") bewiesen, dass er für die Rolle als perfider Chef wie geschaffen ist. Spacey ist wohl einer der wenigen Hollywood-Mimen, die binnen von Sekundenbruchteilen filigran von augenzwinkerndem Zynismus zu bitterem Ernst umschalten können. Bei seiner Interpretation des Dave Harken bleibt das Lachen jedenfalls immer wieder fast im Halse stecken. Colin Farrell („Brügge sehen... und sterben?") macht als idiotisch-verkokster Fabrikerbe eine ähnlich gute Figur - besonders seine Hasstiraden gegenüber den Angestellten sind einfach herrlich überzogen. Es zahlt sich einfach aus, dass Seth Gordon seinen routinierten Darstellern viel Raum zur Improvisation zugestanden hat. Lediglich Jennifer Aniston nimmt man ihren Wandel von der guten Freundin zur sexsüchtigen Furie nicht ganz ab – witzig sind die Szenen mit Spielpartner Charlie Day dennoch, da beide Schauspieler gekonnt miteinander harmonieren.

Doch was wären die Antagonisten ohne ihren entsprechenden Gegenpart? Auch bei der Besetzung der Schikanierten hat Gordon und sein Team alles richtig gemacht. Jason Bateman („Arrested Development"), Charlie Day („Verrückt nach dir") und Jason Sudeikis („Alles Erlaubt - eine Woche ohne Regeln") sind einfach vom Fach. Das Timing sitzt perfekt und auch die Dynamik des Trios ist über jeden Zweifel erhaben. Anscheinend haben sich die drei Hauptdarsteller nicht nur am Set gut verstanden, was natürlich besonders ihren Gemeinschaftsszenen das gewisse Etwas verleiht. Auch wenn sich der eigentliche Rachefeldzug schließlich als relativ zahmes Spektakel entpuppt, sorgen die drei immer wieder für urkomische Momente. Besonders ihre Aufklärungseinsätze in den Häusern ihrer Vorgesetzten sorgen für viel gute Laune.

Leider ist auch „Kill The Boss" vom derzeit grassierenden R-Rating-Virus befallen. Die derben Sprüche dienen allerdings - im Gegensatz zum aktuellen Dave-Dobkin-Ausfall „Wie ausgewechselt" oder der uninspirierten Lehrer-Klamotte „Bad Teacher"- immer der Geschichte und sind bisweilen sogar überraschend originell. Natürlich ist auch hier die Trefferquote nicht hundert Prozent. „Kill The Boss" hebt sich aber angenehm vom Komödieneinerlei der jüngsten Zeit ab und ist mit Jamie Foxx („Jarhead") und Donald Sutherland („Unterwegs nach Cold Mountain") bis in die Nebenrollen einfach hervorragend besetzt. Zwar fehlt der irren Chef-Hatz dann am Ende doch etwas der Biss, aber hier bleibt ja noch Raum für die eigene Fantasie – immer mit einem Augenzwinkern, versteht sich. Denn am Ende zeigt uns Gordon doch vor allem eines: So schlimm sind unsere realen Vorgesetzten dann doch nicht - oder?
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