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    Enzo und die wundersame Welt der Menschen
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Enzo und die wundersame Welt der Menschen

    Wieder ein Hundefilm – aber ein guter

    Von Oliver Kube
    Noch bevor Disney demnächst mit seinem Realfilm-Remake von „Susi und Strolch“ um die Ecke kommt, gab es zuletzt mit „Bailey - Ein Freund fürs Leben“, der Fortsetzung „Bailey - Ein Hund kehrt zurück“, „Die unglaublichen Abenteuer von Bella“, Detlev Bucks „Wuff“ sowie den Animationsabenteuern „Royal Corgi“ und „Isle of Dogs“ eine regelrechte Schwemme an Hunde-Helden auf der großen Leinwand. Und es scheint nicht so, als würden die Studios in Zukunft unbedingt weniger Wauwau-Werke in Auftrag geben. As nächstes ist jetzt „Enzo und die wundersame Welt der Menschen“ an der Reihe. Regisseur Simon Curtis („Goodbye Christopher Robin“) drückt in seiner Verfilmung des Garth-Stein-Bestsellers „Enzo. Die Kunst, ein Mensch zu sein“ neben vielen gerade für Tierliebhaber zauberhaften und witzigen Momenten auch ganz kräftig auf die Tränendrüsen. Wie sich das für eine speziell zum Ende hin dann doch hart am Rande zum Kitsch operierende Tragikomödie eben auch gehört.

    Der Golden Retriever Enzo (Stimme im Original: Kevin Costner) lebt mit seinem Herrchen in Seattle. Denny (Milo Ventimiglia) ist ein talentierter Rennfahrer, der von der Formel 1 träumt, sich aber bislang noch als Kfz-Mechaniker und Fahrlehrer durchschlagen muss, während er bei kleinen Provinz-Wettbewerben antritt. Die Abende verbringt das Duo vor dem Fernseher, wo ausschließlich Aufzeichnungen klassischer Rennen oder Tierdokus laufen. Beim Fernsehschauen erfährt der nach dem Sportwagenbauer Enzo Ferrari benannte Rüde auch von einer mongolischen Legende, die besagt, dass ein Hund in seinem nächsten Dasein als Mensch wiedergeboren werden könne. Enzo beschließt sofort, in seinem zukünftigen menschlichen Leben ebenfalls Rennfahrer werden zu wollen. Zudem versucht er fortan, schon mal vorsorglich alles Mögliche für seine Zukunft als Zweibeiner zu lernen. Doch dann tritt Eve (Amanda Seyfried) in sein und vor allem Dennys Leben. Zunächst ist der Hund misstrauisch und ein wenig eifersüchtig. Bald bemerkt er allerdings, dass Eve seinen Denny glücklich macht. Und so öffnet er der jungen Frau ebenfalls sein Herz. Enzo ist es dann auch, dem auffällt, dass mit Eves Gesundheit etwas nicht stimmt ...

    Im nächsten Leben will Hund Enzo unbedingt selbst ein Rennfahrer werden ...


    Milo Ventimiglia ist von den menschlichen Darstellern mit Abstand die meiste Zeit auf der Leinwand zu sehen. Entsprechend steht sein Name auch an erster Stelle auf den Plakaten. Der „Gilmore Girls“- und „This Is Us“-Beau darf mit einigen fantastischen Sportwagen herumbrettern und füllt seinen Part in den nicht wenigen emotionalen Szenen kompetent aus. Und dennoch ist seine Rolle eigentlich nur eine Nebenfigur. Der Star des Ganzen ist, das deutet der deutsche Verleihtitel bereits unmissverständlich an, Dennys bester Freund und Hund Enzo. Erfreulicherweise nehmen sowohl die literarische Vorlage als auch die Kinoadaption den Vierbeiner als Figur angenehm ernst. Denn selbst wenn man sich als Zuschauer erst einmal darauf einlassen muss, dass uns hier ein Hund aus seiner Vierbeiner-Perspektive eine zutiefst menschliche Geschichte erzählt, übertreiben die Filmemacher es dabei nicht zu sehr.

    Enzo ist kein Wunder der Natur, kein vermenschlichter, alles durchschauender Beobachter im flauschigen Fell. Stattdessen ist er auch schon mal ungeschickt, macht Dinge kaputt und hat einen recht begrenzten Horizont. Nicht etwa, weil Hunde grundsätzlich blöd wären. Dieses spezielle Exemplar scheint sogar nicht nur ausgesprochen wissbegierig, einfühlsam und fürsorglich, sondern zum Ende fast schon weise zu sein. Sein Weltbild speist sich aber zunächst exklusiv aus der arg selektierten Programmauswahl im heimischen Fernsehen sowie Erfahrungen auf der Rennbahn, beim Einkaufen oder dem Herumtollen im Park. Was übrigens immer wieder für skurril-witzige Momente sorgt. Als etwa die von Amanda Seyfried („Mamma Mia!“) auf gewohnt sympathische Weise gespielte Eve schwanger wird, ist Enzo zunächst verwirrt und es dauert eine ganze Weile, bis er kapiert, was Sache ist. Viele der amüsantesten Szenen des über weite Strecken auf schon mal etwas schnulzige, meist allerdings erstaunlich unpeinliche Weise anrührenden Streifens werden uns mit eine Hunde-Voiceover serviert. Im Gegensatz etwa zum diesbezüglich weit über die Stränge schlagenden „Die unglaublichen Abenteuer von Bella“ sind Enzos Monologe aber glücklicherweise nicht gnadenlos auf „niedlich“ oder „verträumt“ getrimmt.

    Kevin Costner ist der perfekte Vierbeiner


    Kevin Costner („Der mit dem Wolf tanzt“), der den Titelhelden im Original spricht, gelingt es ganz großartig, den oft herrlich naiven, teilweise leicht seltsam anmutenden gedanklichen Ausführungen des Hundes eine erstaunlich nüchterne Ernsthaftigkeit zu verleihen. Seine brüchige, kratzige Phrasierung und trockene Betonung lassen den Zuschauer etwa problemlos glauben, Enzo hoffe wirklich, dass Dennys noch ungeborene Tochter nach ihrer Geburt genauso aussehen würde wie er. So wirkt sogar eine im ersten Augenblick befremdliche, für kleinere Kinder eventuell etwas beängstigende Sequenz, in der er aufgrund widriger Umstände für fast zwei Tage ohne Wasser und Nahrung eingesperrt ist, panisch wird und zu halluzinieren beginnt, durchaus plausibel.

    In der deutschsprachigen Version (die wir selbst noch nicht gesehen haben) übernimmt übrigens kein allein aufgrund seines Namens ausgewählter Promi den Part. Der hiesige Verleih verpflichtete stattdessen Frank Glaubrecht, der Costner schon seit den 1980ern in fast all seinen Arbeiten sehr gut synchronisiert. Eine vielversprechende Entscheidung. Denn auch wenn Costner nie selbst zu sehen ist, trägt er den Film dennoch absolut souverän. Sich eine bessere, effektivere Leistung von einem seiner Kollegen vorzustellen fällt schwer. Vielleicht wäre der ausdruckstarke Liam Neeson, der in „Sieben Minuten nach Mitternacht“ ähnlich brillant als animiertes Monster agierte, eine Option gewesen. Aber das ist Spekulation. Auf jeden Fall sollte Costner, der mit seinem charakteristischen und charismatischen Organ bisher erstaunlicherweise noch nie an einem Animationsprojekt beteiligt war, dringend darüber nachdenken, dieses Talent öfter einzusetzen. Wir würden ihm jedenfalls sehr gern dabei zuhören.

    Fazit: Bis auf das dann doch arg dick auftragende Ende präsentiert sich diese Tragikomödie für Hunde-Fans in Sachen Schnulzigkeit angenehm zurückhaltend. Da heult man gern eine Runde mit dem vierbeinigen Protagonisten mit.

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