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In Time - Deine Zeit läuft ab
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
In Time - Deine Zeit läuft ab
Von
In der Welt des Zukunfts-Thrillers „In Time – Deine Zeit läuft ab" kostet ein Becher Kaffee keine drei Euro, sondern drei Minuten deines Lebens. Aus dieser simplen Prämisse spinnt Regisseur und Drehbuchautor Andrew Niccol eine kurzweilige Science-Fiction-Version des Filmklassikers „Bonnie and Clyde", in der Justin Timberlake und Amanda Seyfried die Rollen des bankraubenden Gangster-Pärchens übernehmen. Dabei fügt sich „In Time" nahtlos ein in die Filmografie des Regisseurs, der mit „Gattaca" und „Lord of War" bereits gezeigt hat, wie spielend er Anspruch und Unterhaltung in seinen Werken vereint. Während des Films hat man einfach eine gute Zeit, aber hinterher bleiben doch eine ganze Menge Gedanken hängen und man stellt sich allerlei Fragen auch über die heutige Gesellschaft. Denn so abgehoben ist die Idee, dass die Zeit das Geld irgendwann mal als Währung ablösen könnte, schließlich gar nicht. Immerhin lässt sich auch heute schon – zum Beispiel mit teuren Medikamenten oder einer aufwendigen medizinischen Versorgung –zusätzliche Lebenszeit käuflich erwerben.

Will Salas (Justin Timberlake) ist ein einfacher Arbeiter aus dem Ghetto, der oft mit weniger als 24 Stunden verbliebener Lebenszeit erwacht und deshalb hart schuften muss, um den nächsten Morgen überhaupt noch zu erleben. Aber dann trifft Will auf den reichen Selbstmörder Henry Hamilton (Matthew Bomer), der ihm 100 Jahre seines Lebens überlässt und noch eine letzte Wahrheit mit auf den Weg gibt: „Es gibt eigentlich genug Zeit für alle – aber damit ein Mann unsterblich wird, müssen Tausende andere sterben." Mit dieser Erkenntnis wagt sich Will in den Nobelort New Greenwich, wo er schon von dem Timekeeper Raymond Leon (Cillian Murphy) erwartet wird. Die Polizei geht nämlich davon aus, dass Hamilton sich nicht freiwillig von einer Brücke gestürzt hat. Doch Will gelingt die Flucht, auf der er die Bankierstochter Sylvia Weis (Amanda Seyfried) als Geisel nimmt. Zunächst ist diese von ihrem Kidnapping naturgemäß wenig begeistert, aber dann freut sie sich über die Abwechslung in ihrem ansonsten so wohlbehüteten Leben und verliebt sich in ihren Entführer. Fortan überfällt das Duo die Banken von Sylvias superreichem Zeitverleiher-Vater (Vincent Kartheiser), wobei sie den Großteil der Beute unter den Armen im Ghetto verteilen. Diese Spendierfreude bringt allerdings auch einige unerwünschte Nebenwirkungen mit sich...



In beinahe jeder Szene offenbart Andrew Niccol ein weiteres Detail seiner in der nahen Zukunft angesiedelten, gar nicht so schönen neuen Welt. Wie genau funktioniert die Übertragung von Zeit? Wie verdient man sich Zeit hinzu? Kann man Zeit stehlen? Wie viel kostet ein Frühstück im Fünf-Sterne-Hotel, wie viel eine einfache Fahrt mit dem Bus? (Lest mehr dazu auch in unserem Bericht vom Set.) Dabei gibt es keine ausführlichen Dialoge, in denen die Zeit-ist-Geld-Gesellschaft und damit die Regeln des Films breit erklärt würden, stattdessen bleibt es dem Zuschauer selbst überlassen, sich aus all diesen Eindrücken ein eigenes Bild zusammenzubasteln. Dieses fällt in Anbetracht des Regisseurs des Films erwartungsgemäß düster aus: Im Ghetto sterben die Arbeiter wie die Fliegen. Der Anblick eines toten Kollegen auf der Straße ist längst Alltag und wird kaum noch wahrgenommen – Zeit zum Trauern hätte hier ja eh keiner. Die Reichen hingegen umgeben sich mit hohen Mauern und gesicherten Grenzposten, um sich die Ärmeren vom Hals zu halten. Die Parallelen zur heutigen Weltordnung, in der in der Dritten Welt die Menschen dahinsiechen, obwohl man ihnen für nur ein paar Euro das Leben retten könnte, sind dabei ebenso deutlich wie bitter. Satire und Gesellschaftskritik muss eben nicht immer zwingend subtil sein, um den Nagel auf den Kopf zu treffen.

Die Thriller-Handlung um Wills Ausflug nach New Greenwich und die anschließenden Raubzüge kann mit dem Detailreichtum der drumherum entworfenen Welt leider nicht ganz mithalten, sondern verläuft zumeist in bekannten Bahnen. Dabei zeigen sowohl Justin Timberlake („The Social Network") als auch Amanda Seyfried („Red Riding Hood"), dass sie sehr wohl die nötige Ausstrahlung (und den nötigen Sexappeal) mitbringen, um eine Produktion dieser Größenordnung zu tragen. Gerade bei dem regelmäßig unterschätzten Timberlake gab es zuvor ja doch erhebliche Zweifel, ob er auch das Zeug zum Blockbuster-Helden hat. Wo beide für sich überzeugen, stimmt die Chemie zwischen den Stars allerdings nicht immer. Gerade in ihrer Sexszene hätten die Funken ruhig ein wenig heftiger sprühen dürfen. Ein schauspielerisches Glanzlicht setzt hingegen wieder einmal Cillian Murphy („Inception") als Timekeeper Raymond, der wohl ambivalentesten Figur des Films. Als schlecht bezahlter Cop lebt zwar auch er von Tag zu Tag und eigentlich ahnt er längst, dass er für die falsche Seite eintritt, aber er kann gar nicht mehr anders, ansonsten müsste er sich schließlich die Sinnlosigkeit seiner ganzen bisherigen Existenz eingestehen.

Fazit: Es macht eine Menge Spaß, Regisseur Andrew Niccol dabei zuzusehen, wie er mit all seinen vielen Ideen rund ums Thema „Zeit als Währung" herumjongliert. Da ist es zu verkraften, dass es zwischen Justin Timberlake und Amanda Seyfried auf der Leinwand nicht wirklich funkt.
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Kommentare

  • Janos V.

    Der Film hat eine Menge Fehler und Logiklücken, aber wenn du dich am Ende wirklich fragst, wozu das Ganze jetzt gut war und was die Aussage sein sollte, dann hast du schlicht nicht richtig aufgepasst. Die Intention der Macher ist so klar und eindeutig wie nochmal was.

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