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    "Star Wars", "Avatar" & Co.: Diese Probleme muss Disney nach dem Führungswechsel lösen
    Von Julius Vietzen — 26.02.2020 um 10:02
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    Bei Disney geht eine Ära zu Ende: Der bisherige CEO Bob Iger tritt zurück, Bob Chapek übernimmt. Doch Iger bleibt Disney weiter erhalten und kann in seiner neuen Funktion eine Menge Probleme angehen, die den Mäusekonzern 2020 erwarten.

    Fox / Pixar / Lucasfilm

    Am gestrigen 25. Februar 2020 verkündete der bisherige Disney-CEO Bob Iger seinen Rücktritt. Nachfolger wird Bob Chapek, der sich bislang um das erfolgreiche Geschäft mit Disney-Themenparks und ähnlichen Produkten gekümmert hat.

    Iger bleibt Disney aber bis Ende 2021 als sogenannter Executive Chairman erhalten und kann sich so auf eine Reihe von Problemen konzentrieren, für die im Alltagsgeschäft als CEO keine Zeit blieb.

    Probleme bei Disney?

    „Probleme bei Disney“ scheint angesichts der überragenden Zahlen aus dem Jahr 2019 eine gewagte These: 13 Milliarden Dollar haben Disney-Filme vergangenes Jahr an den weltweiten Kinokassen eingespielt, sieben Disney-Blockbuster haben die magische Milliardenmarke geknackt.

    Hinzu kommt der sehr gelungen Start des eigenen Streamingdiensts Disney+, wo mit der „Star Wars“-Serie „The Mandalorian“ ein Fan- und Social-Media-Hit gelungen ist und der nach dem Start im November 2019 bereits jetzt 28,6 Millionen Kunden hat.

    Hier muss Disney 2020 nachlegen

    Doch 2020 wird sich der Erfolg von 2019 wohl kaum wiederholen lassen, denn es gibt 2020 kein „Avengers: Endgame“, kein „Star Wars“, nur zwei mittelgroße MCU-Filme („Black Widow“ und „Eternals“) und statt vier Titeln wie im Jahr 2019 auch nur ein einziges Realfilm-Remake („Mulan“).

    Und auch Disney+ wird nicht so rasant weiterwachsen wie in den ersten Monaten, wie ein Analyst gegenüber Variety betont. Zwar stehen am 24. März 2020 (mit unter anderem Deutschland) und Mitte 2020 die nächsten beiden Runden von (europäischen) Ländern an, in denen die Streamingplattform verfügbar ist, doch Disney muss erst noch zeigen, ob man neben „The Mandalorian“ auch weitere Originale bieten kann, um neue Kunden anzulocken und dauerhaft zu binden.

    So wird von einigen Analysten erwartet, dass gerade der Mangel an Erwachsenkontinent dafür sorgen könnte, dass Disney+ nach dem starken und über den Erwartungen liegenden Start irgendwann stagnieren wird - vor allem, wenn im Laufe des Jahres 2021 das Ausrollen des Dienstes über alle Länder der Welt beendet wurde.

    "Avatar", "Star Wars" & Co.: Die konkreten Problemfälle

    Hinzu kommen konkrete Problemkinder in der großen, vermeintlich heilen Disneyfamilie: „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ hat zwar weltweit 1,072 Miliarden Dollar eingespielt, darf im Vergleich zu den anderen Filmen der Trilogie („Star Wars 7“: 2,068 Milliarden) aber durchaus aus als Enttäuschung gelten.

    Außerdem ist bislang unklar, wie es mit „Star Wars“ im Kino weitergeht. 2022 soll eigentlich der nächste „Star Wars“-Film kommen, doch es scheint durchaus denkbar, dass dieser Termin abgesagt wird, wenn sich nicht bald ein konkretes Projekt herauskristallisiert. Der Fokus wird anscheinend vorerst auf Disney+-Serien gelegt.

    Die "Star Wars"-Zukunft ist nicht im Kino: Gibt es bald "unendlich" viele "Krieg der Sterne"-Serien?

    Auch bei den „Avatar“-Filmen könnte es knifflig werden. Zwar befinden sich hier immerhin „Avatar 2“ und „Avatar 3“ konkret in Arbeit, doch ob sich der gigantische Erfolg von 2009 („Avatar“ spielte insgesamt 2,79 Milliarden ein) wiederholen lässt, ist aktuell ziemlich ungewiss.

    Das liegt auch daran, dass die Vorstandsposition beim von Disney erworbenen Studio Fox (mittlerweile 20th Century Studios) nach dem Abgang der bisherigen Vorsitzenden Emma Watts noch nicht besetzt wurde.

    Wer auch immer in Watts‘ Spuren tritt, wird sich überlegen müssen, wie er die „Avatar“-Sequels so vermarktet, dass sie wenigstens ansatzweise an den Erfolg des ersten Teils anknüpfen können – und entscheiden müssen, ob sich „Avatar 4“ und „Avatar 5“ überhaupt noch lohnen, falls das nicht gelingt.

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    Und wie Variety in einem ausführlichen Hintergrundartikel schreibt, ist nicht einmal der Erfolg von Pixar in diesem Jahr garantiert. „Onward“ dürfte dank der cleveren Prämisse ein Hit werden, doch ob sich die Zuschauer wirklich einen Film über die Seele eines toten Jazz-Musikers anschauen wollen (nämlich „Soul“), bleibt abzuwarten.

    Wer folgt auf Alan Horn?

    Variety kommt deswegen auch zu dem Schluss, dass Iger sich in seinen verbleibenden knapp zwei Jahren bei Disney vor allem auf zwei Dinge konzentrieren wird: die Filmsparte mit allen Labels (Marvel, Lucasfilm, etc.) in Form zu bringen – und einen Nachfolger für Walt-Disney-Studios-CCO Alan Horn, quasi dem Filmchef des Maushauses, zu finden, der all diese Labels überwacht.

    Horn soll nämlich ebenfalls Ende 2021 seinen Hut nehmen und sich gemeinsam mit Iger verabschieden. Bis dahin braucht es einen geeigneten Nachfolger, der den Job gemeinsam mit Horns Partner Alan Bergman übernehmen kann. Doch das ist gar nicht so leicht:

    Ein Disney-Insider wird von Variety nämlich so zitiert: „Viel Glück dabei jemanden zu finden, den Leute wie [MCU-Mastermind Kevin] Feige und [Lucasfilm-Präsidentin Kathleen] Kennedy genauso sehr respektieren, wie Bergman, wenn Horn erstmal weg ist.“

    Dahinter steckt die Befürchtung, dass mächtige Führungspersönlichkeiten wie Feige und Kennedy quasi freidrehen, wenn an der Spitze keine Person mehr steht, die sie respektieren. Denn auch wenn die beiden einflussreichsten Disney-Produzenten aktuell schon viele Freiheiten genießen, ist das Maushaus immer so erfolgreich gewesen, weil am Ende dann doch eine sehr klare Konzernlinie das gesamte Unternehmen prägte.

    Es ist schließlich kein Zufall, dass von all den großen Hollywood-Studios nur ein einziges selbst zu einer Marke wurde und der Begriff „Disneyfilm“ auch außerhalb cineastischer Kreise sofort mit einer Vorstellung assoziiert wird.

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    Kommentare
    • Deliah C. Darhk
      Glaube ich nicht dran.Wenn man bei Disney schon wg Fahrens mit einem ungültigen Führerschein gefeuert wird, dann gibt es da sicher keine Wand des Schweigen wie in der Weinstein-Company.
    • Deliah C. Darhk
      Da wissen wir ja schon mal, wie es mit der Konkurrenz zu Marvel in Zukunft laufen wird.Sicher nicht steil nach oben. :-/Wäre ausnahmsweise vielleicht doch mal besser gewesen, wenn Disney gekauft hätte.Dann würden wenigstens irgendwann die Amalgam-Comics verfilmt. ;)
    • RockYourThoughts
      Jetzt bitte noch Kennedy durch Jon Favreau und Dave Filoni ersetzenBitte Ja, Ja und nochmals Ja!!!
    • dc_icon_comics
      Iger, hat schon alles richtig gemacht. Noch nie war Disney so erfolgreich, unter seinen Führung
    • Defence
      ...den Leute wie Feige und Kennedy genauso sehr respektieren...Würde inzwischen nicht unbedingt auf Kennedy wetten, sollte Sie einen (versteckten) Machtkampf führen. Sie hat zwar die Aufsicht über das SW-Franchise, aber ihre Bilanz ist wohl eher durchwachsen.Solo der erste SW-Film überhaupt, der als Flop bezeichnet werden kann, eine Trilogie, die zwar Milliarden eingespielt hat, aber mit jedem Teil/Folgefilm weniger und insgesamt wohl hinter den Erwartungen. Dazu fehlende Koordination der Trilogie ohne Vorabplanung z.b. Storytelling, massive allgemeine Kritik und Fanenttäuschungen und wie es nun nach Abschluß konkret weitergehen soll mit den Filmen, nachdem die bisherigen (Zeit)planungen doch zumindest wackeln, wenn nicht gar schon halb gecancelt wurden, steht auch noch im Raum.Der Verschleiss an Regisseuren, Drehbuchautoren etc ist auch nicht zu verachten samt z.t.doch Chaos bei den Drehs. Wird wohl einiges davon abhängen, ob es im Serienbereich ähnlich erfolgreich weitergeht wie mit The Mandalorian o. da vlt das nächste Unheil für Kennedy schlummert?Feiges Hausmacht dürfte dagegen aktuell wesentlich höher eingestuft werden. Mit dem MCU hat er etwas erschaffen, was den Verantwortlichen und Aktionären bei Disney ein breites Grinsen über die finanzielle Performance ins Gesicht zaubert.
    • greekfreak
      Der Chef von der DC Comicsparte,Dan Didio, musste vorgestern auch seinen Hut nehmen,weil er Zitat: Eine schlechte Arbeits-Atmospähre begünstigt hat. Time Warner,zu der DC gehört,wurde vom Telekommunikations Riesen AT & T geschluckt und die haben einen drastischen Sparkurs angekündigt bei der Kino und Comic-Sparte.Jetzt noch Iger,also diese Woche ist in der Entertainment Branche einiges los.
    • Sentenza93
      Bin mal gespannt, was da jetzt alles so abläuft. Ich hoffe, dass meine Vermutung unten nicht stimmt. Aber es passt zeitig halt eben recht gut.
    • Deliah C. Darhk
      Das wird hinter den Kulissen schon ein foranschreitender Prozess gewesen sein.Wir haben davon nur wenig mitbekommen.Ich vermute mal, er wollte eigentlich sauber mit 2019 abschließen, sah dann aber doch noch Handlungsbedarf über den Jahreswechsel hinaus, um keine Unordnung zu hinterlassen.Danach hat er halt die erste passende Gelegenheit genutzt.Zumindest schätze ich Iger als Charakter so ein.
    • Deliah C. Darhk
      Der Film war für Fans eine Enttäuschung. Erläutere mal bitte, wo genau @Rockastansky eine Gemeingültigkeit formuliert hat. Eine solche sehe ich lediglich in deiner Unterstellung an ihn.Erst richtig lesen, nachdenken und dann posaunen!Ein guter Rat. Versuche mal, dich dran zu halten.Klappt bisher nicht so gut bei Dir.
    • Sentenza93
      Eben das, offiziell. Und er sprach zwar schon drüber, aber in so einer Nacht-und-Nebel-Aktion jetzt schon? Also so ganz geheuer ist mir das auch nicht.
    • Captain Schleckerhöschen
      Er und das Trumpeltier sind jedenfalls beste Freunde. :-D
    • Tobias D.
      Und weil Iger nicht einfach irgendein CEO ist. Er hat Disney quasi zu dem Wert verholfen, den es heute hat. Ich verstehe zwar nicht viel von Wirtschaft, aber er ist meiner Ansicht nach ein genialer Ökonom.P.S.: Das mag zwar jetzt wie Lobeshymnen klingen, ist aber als rein objektive Bewertung gemeint.
    • Deliah C. Darhk
      Wer lesen kann, ist im Vorteil.Dann eigne Dir diese Fähigkeit mal ganz schnell an. Bislang hast Du ausser trollen, motzen und diffamieren nur noch 'dich beklagen' zu diesem Forum beigetragen, aber nichts wirklich Sinntragendes.Tut mir Leid, wenn es deiner Seele so beschissen geht, dass Du dich nicht vernünftig artikulieren kannst, aber Du erweckst nun mal den Eindruck, dass dein dich wie ein Al*ch aufführen nicht die Reaktion, sondern die Ursache deines Problems ist, und daran bist Du eben selbst Schuld.Also trage es auch selbst, als wärst Du ein Mann. Sonst bist Du einfach keiner.
    • Deliah C. Darhk
      Das war nicht plötzlich und er wird nicht gegangen.Iger sprach schon vor knapp sei Jahren von Rücktritt.Offiziell wählte er nun diesen Zeitpunkt, weil der Fox-Deal abgeschlossen und Disney+ stabil gestartet ist.Er nannte dies 'einen guten Zeitpunkt'.
    • V_ossi
      Yoda Der Film hat auf jedem Fall ne Menge Porzellan zerschlagen; wie die gesamte Trilogie. Entsprechend sind da viele Kritikpunkte, die man durchaus objektiv ansprechen kann und die man auch als solche anerkennen sollte, selbst wenn man seinen Spaß an dem Film hatte.Wenn man sich dann die vielen, vielen Reaktionen anschaut (nicht bloß den unreflektierten Twitter Shitstorm), erscheint der Film bei der Fanbase überwiegend negativ weg zu kommen. Zu inkonsistent, zu viele künstliche Wendungen, zu wenig Worldbuilding, zu viel reiner Fanservice, zu viele Plotholes, ...Die Trilogie war ein finanzieller Erfolg, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Filme es dauerhaft zu einer ähnlichen Beliebtheit schaffen, wie die Originale oder die PT.Die Aussage von Rockatansky ist also nicht ganz aus der Luft gegriffen.
    • Deliah C. Darhk
      Ist sicher kein Zufall, dass derart viel Konten 2019 in die Kinos kam.Ihre wollte sicher mit einem Jahr für die Ewigkeit abtreten. Sein Denkmal dürfte lange stehen bleiben.Bei KK denke ich eher, dass sie aufpassen muss, ob der neue Chef sie achtet. Steil bergauf ging es mit Lucasfilm ja nun nicht unter ihrer Führung. ^^
    • Sentenza93
      Eben weil so plötzlich.
    • Sentenza93
      Will ich auch nicht generell. Nur lerne zu lesen. Dann können wir zwei gern schreiben.Apropos, ich arbeite in der Finanzwelt, der Finanzbranche. Mich regelmäßig über Zahlen zu informieren, das ist mein Job. Dazu zählt auch Disney.
    • Erik B.
      Bob Iger wollte doch schon 2018 in den Ruhestand gehen, hat aber damals seinen Vertrag nur verlängert um den Fox-Deal reibungslos über die Bühen zu bringen und damit die Aktionäre wegen eines Führungswechsel keine Panik bekommen. Es stand längst fest, dass er spätestens 2021 aufhören wird. Jetzt macht er eben ein Jahr vorher als vorgesehen Schluss. Warum wird das überall als Bombenneuigkeit verkündet?
    • モノクマ
      „Doch 2020 wird sich der Erfolg von 2019 wohl kaum wiederholen lassen,...“Ja meine Güte, dass das dauernde Gerede vom „ewigen Wachstum“ nichts mit der Realität und ihren Möglichkeiten zu tun hat, sollte man doch mal langsam, aber sicher begriffen haben. So gesehen hat Bob Iger seinen Posten auf dem Zenit seines Schaffens aufgegeben. Über die genauen Hintergründe kann man zwar derzeit spekulieren – ich finde es interessant, dass das so unmittelbar nach dem Schuldspruch Weinsteins geschah –, aber in der Hinsicht war er, sofern nichts Kriminelles dahinter stecken sollte, deutlich schlauer als die meisten, die erst dann abtreten, wenn sie sich auf dem absteigenden Ast befinden oder durch einen Skandal gefallen sind.
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