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    Die zehn besten Filme über den amerikanischen "War on Drugs"
    Von Christoph Petersen, Carsten Baumgardt — 15.09.2015 um 13:38

    Ist der „War on Drugs“ nun ein notwendiger Krieg oder ein moralisch fragwürdiges Unterfangen, um junge, meist Minderheiten zugehörige Männer hinter Gitter zu bringen? Auf jeden Fall bietet er den Hintergrund für einige verdammt starke Filme!

    Platz 10

    Savages“ (2012) Ein Entwicklungshelfer (Aaron Johnson) und ein traumatisierter Kriegsveteran (Taylor Kitsch) haben gemeinsam mit einem korrupten Cop (John Travolta) ein florierendes Drogengeschäft im Süden der USA hochgezogen, bis eine mexikanische Kartellkönigin (Selma Hayek) ihr Stück vom Kuchen abhaben will… „Savages“ ist ein stilistisch wie erzählerisch wahrhaft wilder Film, der wie auch Denis Villeneuves „Sicario“ mit voller Wucht zeigt, dass auf der anderen Seite der amerikanisch-mexikanischen Grenze schlicht keine Regeln mehr gelten (weder gesetzliche noch moralische), wenn es um das Geschäft mit Drogen geht. „Savages“ ist ein cooler, satirisch angehauchter, zugleich aber auch extrem brutaler Post-Tarantino-Drogenthriller, in dem Polit-Berserker Oliver Stone („Platoon“, „Natural Born Killers“) eine Fülle an spannenden Ideen anreißt, was den Film auf jeden Fall sehenswert macht, selbst wenn er letztendlich kaum einen der Ansätze stimmig zuende bringt. Definitiv ein Film, der seinem Titel alle Ehre macht.

    Platz 9

    Code Of The West“ (2012) Die aktuelle Legalisierungswelle von Marihuana auch zum nicht-medizinischen Gebrauch in den US-Bundesstaaten zeigt, wie willkürlich die Gesetzgebung manchmal ist. Heute landet man im Knast, morgen ist dieselbe Handlung völlig legal. Und mit welchem Recht verbietet man jemand anderem etwas, solange es einem selbst oder der Gesellschaft nicht schadet? Rebecca Richman Cohens Dokumentation „Code Of The West“ über das angestrebte erneute Verbot von selbst medizinischem Marihuana in Montana im Jahr 2011 ist einer der intelligentesten Beiträge zu diesem Thema. Der Regisseurin geht es nicht einfach nur darum, die Marihuana-Gegner als rückwärtsgewandte Hinterwäldler hinzustellen, stattdessen steht sie der Diskussion die nötige Komplexität zu und facht somit spannende, tiefgehende Debatten an, die weit über die sonstigen Schlagwort-Abtäusche hinausgehen.

    Platz 8

    Der Unbestechliche“ (2014) Jahrzehntelang hat William Friedkins Klassiker „The French Connection“ (taucht später in dieser Liste auch noch auf) unser Bild des florierenden französisch-amerikanischen Drogenhandels in den 1970ern geprägt. Jetzt endlich legen die Franzosen mit einem Film über ihre Seite der Geschichte nach: Oscarpreisträger Jean Dujardin („The Artist“) spielt in „Der Unbestechliche“ (im Original „La French“) den engagierten Richter Pierre Michel, der 1975 den Auftrag erhält, den immer mehr Todesopfer fordernden Drogenhandel in Marseilles unter Kontrolle und den gebürtigen Neapolitaner Gaëtan „Tany“ Zampa (Gilles Lellouche) hinter Gitter zu bringen. Das Ergebnis ist ein spannender Thriller in der Tradition europäischer wie amerikanischer Genrevorbilder von Damiano Damianis „Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert“ bis hin zu Michael Manns „Heat“.

    Platz 7

    Miami Vice“ (2006) Regie-Virtuose Michael Mann kehrte 2005 mit der Kinoversion seiner legendären 80er-Jahre-TV-Serie „Miami Vice“ zu seinen Wurzeln zurück und schickte Colin Farrell und Jamie Foxx als ultracoole Drogen-Cops Sony Crockett und Ricardo Tubbs in den Kampf gegen das drogenversuchte Miami. Das kongeniale Duo soll undercover das Kartell des kolumbianischen Drogenbarons Jesús Montoya (Luis Tosar) infiltrieren. Manns berühmter stahlblauer Look veredelt auch diesen stylishen Drogen-Trip und lässt die Pastelltöne der TV-Serie verblassen. Es geht dreckig und düster zu in „Miami Vice“, Kompromisse werden nicht gemacht. Das verleiht dem Film eine ungeheure Intensität, der man sich nur schwer entziehen kann. „Miami Vice“ ist auf Celluloid gebannte Coolness.

    Platz 6

    Maria voll der Gnade“ (2004) Filme über den Drogenschmuggel aus Südamerika in die USA neigen oft zur Dämonisierung der Täter, selbst in Steven Soderberghs Meisterwerk „Traffic“ ist eine leichte Tendenz zur Schwarz-Weiß-Malerei unverkennbar. Das liegt auch daran, dass der Fokus meist nur auf den Drahtziehern des Drogenhandels liegt. Aber was sind das eigentlich für Menschen, die letztendlich die Drecksarbeit machen und die Drogen in die USA transportieren? Regisseur Joshua Marston gibt mit seinem berührenden Drama „Maria voll der Gnade“ die eigentlich völlig logische Antwort: Menschen wie du und ich… Maria Alvarez (für diese Rolle oscarnominiert: Catalina Sandino Moreno) ist eine lebensfrohe, junge Frau, die es im Leben weit bringen könnte. Ihr Problem ist nur, dass sie in die Armut einer kolumbianischen Kleinstadt hinein geboren wurde. Um nicht weiter Tag für Tag für einen Hungerlohn in einer Blumenfabrik arbeiten zu müssen, wird sie zu einem der zahlreichen kolumbianischen Maulesel, die Drogen in ihrem Körper in die USA schmuggeln.

    Platz 5

    The House I Live In“ (2012) In seiner preisgekrönten Dokumentation „The House I Live In“ geht Regisseur Eugene Jarecki der spannenden Frage nach, welchen Schaden der War on Drugs eigentlich anrichtet. Immerhin werden aufgrund der harschen Gesetzgebung in den USA Süchtige oft nicht behandelt, sondern einfach weggeschlossen. Seit dem Start des Anti-Drogenkampfes wurden in den vergangenen 40 Jahren so mehr als 45 Millionen (!) meist minderprivilegierte Süchtige eingesperrt. Das Ergebnis: unzählige auseinandergerissene Familien und völlig überfüllte Gefängnisse. Aber Jarecki geht es nicht nur um darum anzuprangern, was alles schiefläuft, er zeigt auch einen möglichen Ausweg auf. Dazu müssten wir nur ein wenig mehr Mitgefühl entwickeln und endlich die jahrzehntelange Propaganda hinterfragen, die mit dem War on Drugs seit jeher einhergeht.

    Platz 4

    American Gangster“ (2007) Ridley Scotts Drogen-Thriller „American Gangster“ wird von vielen immer noch sträflich unterschätzt. Dabei liefern sich die Vollblutmimen Russell Crowe als unbestechlicher New Yorker Drogen-Cop Richie Roberts und Denzel Washington als Drogenbaron Frank Lucas ein sensationelles Schauspielduell auf verschiedenen Seiten des Gesetzes. Der Film basiert auf einem Zeitungsartikel von Mark Johnson für das New York Magazine. Der Autor grub darin die Lebensgeschichte des bis dato kaum bekannten Mafiabosses Frank Lucas aus, der ab Ende der 60er Jahre in New York Drogengeschäfte im ganz großen, extrem professionellen Stil aufzog. „American Gangster“ ist im besten Sinne altmodisches Erzählkino – ein atmosphärisch superbes und virtuos gespieltes Sittengemälde der New Yorker Drogenkultur.

    Platz 3

    Scarface“ (1983) Brian De Palma skizziert in seinem wegen seiner extremen Gewaltdarstellung noch immer umstrittenen Gangster-Drama den Aufstieg und Fall des kubanischen Einwanderers und Kleinkriminellen Tony Montana (Al Pacino), der in Miami zu Beginn der 80er Jahre eine steile Drogenkarriere hinlegt und sich mit äußerster Brutalität den Weg nach oben bahnt. Wut- und Hitzkopf Tony Montana wurde im Laufe der Jahre zu einer Ikone, nicht zuletzt die raue Sprache und seine Ambivalenz trugen maßgeblich dazu bei, dass dieser Antiheld auch heute noch so fasziniert (siehe James Francos Begeisterung in „Spring Breakers“) – mal ganz abgesehen von Al Pacinos herausragender schauspielerischer Leistung. Bis 2011 war „Scarface“, der nur lose auf Howard Hawks gleichnamigem Film von 1932 basiert, in Deutschland indiziert. Regisseur De Palma wirft einen ungeschönten und unzensierten Blick auf die Unterwelt und seziert dabei den fatalen Kreislauf aus Geld, Kapitalismus, Macht und Drogen.

    Platz 2

    The French Connection“ (1971) William Friedkins Cop-Thriller „The French Connection“ ist einer der atemberaubendsten Filme der 70er Jahre überhaupt. Der hartgesottene New Yorker Drogenfahnder Doyle (Oscar für Gene Hackman) ist regelrecht besessen davon, den französischen Großdealer Alain Charnier (Fernando Rey) zu überführen. Doyle vermutet einen ganzen Händlerring, der die Drogen aus Frankreich in die USA schleust, bekommt den gerissenen Verbrecher aber nicht zu fassen und fängt mit seinem Partner Cloudy (Roy Scheider) nur kleine Fische. „The French Connection“ ist ein ambivalenter Film, Antiheld Doyle gibt sich bei der Wahl seiner Mittel absolut skrupellos und geht wortwörtlich über Leichen, um seine Ziele zu erreichen - es erscheint wie ein bloßer Zufall, dass er auf der richtigen Seite des Gesetzes steht, das er immer wieder so sehr beugt, dass es zu zerbrechen droht. Friedkins Meisterwerk atmet pures, dreckiges 70er-Flair, bietet eine der besten Autoverfolgungsszenen der Filmgeschichte und absolut herausragende schauspielerische Leistungen – allen voran von Gene Hackman, aber auch Roy Scheider und Fernando Rey als Antagonist begeistern.

    Platz 1

    Traffic – Die Macht des Kartells“ (2000) Der US-amerikanische Kampf gegen die Drogen zog sich bereits seit Dekaden hin, als Regisseur Steven Soderbergh in seinem atmosphärisch atemberaubend dichten Drogen-Drama „Traffic“ den aktuellen Stand der Dinge an der US-mexikanischen Grenze zwischen San Diego und Tijuana anno 2000 bilanzierte. Der Filmemacher beleuchtet die Situation aus drei verschiedenen Blickwinkeln, wobei die Handlungsstränge zunächst parallel verlaufen. Autor Steve Gaghan, der für den Film die britische Miniserie „Traffik“ adaptierte, hatte selbst eine Drogenkarriere hinter sich – vielleicht wirkt der Film auch deshalb so authentisch. Da sind der idealistische mexikanische Polizist Javier Rodriguez (Benicio Del Toro), Drogenboss Carlos (Steven Bauer) und seine High-Society-Frau Helena (Catherine Zeta-Jones), die US-Drogen-Cops Montel Gordon (Don Cheadle) und Ray Castro (Luiz Guzman) sowie der drogenjagende Richter Wakefield (Michael Douglas), dessen 16-jährige Tochter Caroline (Erika Christensen) selbst abhängig ist. „Traffic“ bietet keine Helden im klassischen Sinne, jeder hat irgendwie Dreck am Stecken. Nicht nur optisch ist der Film eine Wucht, der extreme Farbfilter-Look wechselt von staubig-grau bis stahlblau. Der Lohn: „Traffic“ gewann vier Oscars für Regie, Drehbuch, Schnitt und Benicio Del Toro als Bester Nebendarsteller.

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