War Machine
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
War Machine

Blutiger Kampf mit dem Weltraum-Toaster

Von Stefan Geisler

Bereits im Vorfeld wurden große Töne zu „War Machine“ gespuckt. Insbesondere Hauptdarsteller Alan Ritchson rührte gehörig die Werbetrommel und versprach ein gigantisches Action-Erlebnis, das alle bisherigen Netflix-Filme in den Schatten stellen würde. Erstaunlich klein fiel hingegen die eigentliche Marketing-Kampagne aus, denn bis auf einen mickrigen Trailer gab es kaum Werbung für den Action-Kracher. Vielleicht bewirbt sich ein Film wie „War Machine“ auch ganz von selbst – schließlich steht hier mit „Reacher“-Star Ritchson eine der momentan angesagtesten Genre-Größen vor der Kamera. Nicht von ungefähr wird dieser immer wieder mit dem jungen Arnold Schwarzenegger verglichen.

Unter der Regie von „The Expendables 3“-Regisseur Patrick Hughes bekommt der Hüne nun seinen persönlichen „Predator“-Moment – auch wenn der Schauspieler in „War Machine“ nicht gegen einen Vertreter der Yautja antreten darf, sondern sich zeitgemäß mit einem gigantischen Killer-Roboter messen muss. Das Ergebnis ist ein erstaunlich blutrünstiges Spektakel, das es zwar ordentlich krachen lässt, aber gleichzeitig im eigenen Pathos ertrinkt – und ganz nebenbei noch damit beschäftigt ist, ein größeres Franchise aufzubauen.

Um ein Ranger zu werden, muss ein hartes Training absolviert werden. Netflix
Um ein Ranger zu werden, muss ein hartes Training absolviert werden.

Soldat 81 (Alan Ritchson) besitzt keinen Namen – zumindest nicht im Ausbildungsprogramm der Ranger-Spezialeinheit. Im Kampf um einen Platz im Korps der härtesten Elitetruppe der Welt wird jedem Bewerber eine Nummer zugeteilt, bevor er sich einem extrem fordernden Trainingsprogramm unterziehen muss. Wer nicht gut genug ist, wird dabei gnadenlos von Sergeant Colonel Maj Sheridan (Dennis Quaid) aussortiert.

Als letzter Test steht der sogenannte Todesmarsch an: ein Übungseinsatz unter realen Bedingungen, der innerhalb einer gewissen Zeit absolviert werden muss. Doch die in einem bewaldeten Gebirgsgebiet durchgeführte Mission nimmt eine unerwartete Wendung, als die Einheit auf ein ungewöhnliches Objekt stößt. Dieses stellt sich bald als schwer bewaffneter Kampfroboter heraus, der sofort die Jagd auf die Truppe eröffnet – und dabei ein wahres Blutbad anrichtet. Können die verbliebenen Streitkräfte um Soldat 81 der Maschine die Stirn bieten – oder ist es ein aussichtsloser Kampf?

Eine zeitgemäße Überholung des "Predator"-Konzepts

Allein die Inhaltsangabe weckt Erinnerungen an John McTiernans Genre-Meilenstein „Predator“, der seinerzeit als radikale Aufarbeitung des US-Vietnamkriegstraumas in die Kinogeschichte einging. Auch in „War Machine“ muss ein Soldat gegen eine intergalaktische Bedrohung antreten. Doch Alan Ritchson führt es nicht in den Dschungel, wo ein unsichtbarer Feind auf ihn wartet. Stattdessen zeigt der technische Fortschritt in Form eines überdimensionierten Kampfroboters seine hässliche Fratze. Mit äußerster Brutalität und überaus effizient geht dieser zu Werke und mäht alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt.

Dieser Metallkoloss wird dabei zur Verkörperung eines modernen, entmenschlichten Kriegsapparats, der gesichts- und emotionslos zu Werke geht. Gefechte werden mit Hightech-Waffen und Drohnen geführt, die weder Mitleid noch Müdigkeit kennen und per Knopfdruck wird am anderen Ende der Welt über Tod oder Leben entschieden. Dass selbst die Bewaffnung der stählernen Killermaschine sich dabei erstaunlich bodenständig präsentiert und Erinnerungen an zielsuchende Maschinenpistolen und effiziente Artillerieraketensysteme weckt, unterstreicht diesen Eindruck noch einmal.

Ein laufender Toaster mit gehörigem Tötungspotenzial

Leider gestaltet sich das Design der Tötungsmaschine erstaunlich einfallslos und liegt irgendwo zwischen einem ED-209-Abklatsch aus Paul Verhoevens radikaler Kult-Satire „Robocop“ und einem laufenden Toaster. Wenn die Gefahr aus dem All mit seinen viel zu dicken Stummelbeinchen durch das Gelände stampft und dröhnend die Gegend scannt, will sich nicht direkt ein Gefühl der Bedrohung einstellen. Dieser Eindruck ändert sich jedoch radikal, sobald die Jagd auf die Soldatengruppe eröffnet ist.

Regisseur Patrick Hughes inszeniert den Kampf mit dem intergalaktischen Kampfkoloss als grimmiges Gemetzel. Abgetrennte und verstümmelte Körperteile, verbrannte Leiber und realistische Fleischwunden: Der Ausbruch der Gewalt ist ungewohnt hart und unangenehm anzusehen – und hebt „War Machine“ positiv von vergleichbaren Genre-Vertretern ab.

In „War Machine“ kracht es gewaltig. Netflix
In „War Machine“ kracht es gewaltig.

Da ist es fast schon ein Kunststück, dass sich der Actioner gerade zum Ende hin dennoch erstaunlich konservativ anfühlt – und eine in diesem Zusammenspiel geradezu unpassende Kriegsgeilheit durchscheinen lässt. Das Militär wird hier zu einem erstrebenswerten Sehnsuchtsort, an dem „echte“ Männer noch ein Zuhause und eine Gemeinschaft finden. Männer, die ein „Don't Fucking Quit“-Tattoo mit Stolz auf dem Unterarm tragen und, statt in Therapie zu gehen, lieber am Ranger-Ausbildungsprogramm teilnehmen. Insbesondere der finale Akt trieft nur so vor militaristischem Kitsch – bei dem natürlich auch die groß eingeblendete US-Flagge nicht fehlen darf. Irgendjemand muss die Welt ja retten, auch wenn der Einsatz manchmal Opfer fordert.

Vor diesem Hintergrund hilft es natürlich wenig, dass sämtliche Nebenfiguren komplett austauschbar bleiben – und jeweils nur ein einzelnes Charakterattribut zugeschrieben bekommen. Neben dem Witzbold und dem Nervenwrack gibt es auch noch den mentalen Ankerpunkt. Dieser Figur wird immerhin ein wenig charakterliche Tiefe zugestanden, auch wenn sie letztlich doch nur ein Erlösungs-Vehikel für Alan Ritchsons Einzelkämpfer darstellt, der durch sie seine eigene Vergangenheit zumindest in Teilen wieder gerade rücken kann.

Alan Ritchson gibt den einsamen Wolf. Netflix
Alan Ritchson gibt den einsamen Wolf.

Dass ausgerechnet der Protagonist dabei lange Zeit ein unnahbarer und äußerst wortkarger Einzelwolf bleibt, ist wohl eine der größten Schwächen des Films. Seine Ablehnung der Truppe strahlt logischerweise auch auf das Publikum ab – wodurch es schwer fällt, irgendeine Beziehung zu einer der anderen Figuren aufzubauen. Erst als dieser seine Rolle als Anführer auch tatsächlich annimmt, kommt kurz ein Fünkchen von Teamgeist auf, der jedoch sofort mit reichlich Schießpulver im Keim erstickt wird.

Dass der Film trotz äußerst reduzierter Handlung nicht zu einem runden Abschluss gebracht wird, ist ein zusätzliches Ärgernis. Spätestens im finalen Akt ist „War Machine“ bereits eifrig damit beschäftigt, schon einmal die Weichen für eine eventuelle Fortsetzung zu stellen – länderspezifische Spin-offs inklusive. Im Falle eines Streaming-Erfolgs dürfte es mit dem Ausbau der Welt höchstwahrscheinlich sehr schnell gehen.

Fazit: Irgendwo in „War Machine“ steckt ein spannender Film. Wer auf krachende Action mit einem gewissen Gore-Faktor steht, wird hier seinen Spaß haben – auch wenn sowohl die mechanische Bedrohung aus dem All als auch das Figuren-Ensemble überaus zweckdienlich gestaltet sind. Am Ende bleibt ein lautstarkes Spektakel, das sich bereits als Franchise-Prolog versteht, ohne die erzählte Geschichte mit ausreichend Leben oder spannenden Figuren zu versehen.

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