Spätestens jetzt ist die Sache klar: Jason Statham ist der Charlie Chaplin des Action-Kinos!
Von Asokan NirmalarajahNur wahre Kino-Ikonen wie Charlie Chaplin, Marilyn Monroe oder John Wayne erkennt man allein an ihren charakteristischen Umrissen. Und jetzt müssen wir feststellen, dass sich dasselbe inzwischen offensichtlich auch über die markante Silhouette des „Meg“-Stars sagen lässt: Gleich in den ersten Momenten seines Action-Thrillers „Mutiny“ lässt es „Blood Father“-Regisseur Jean-François Richet beim Duell zweier Fahrzeuge ganz gewaltig krachen, um dann als Aggressor nur ganz kurz die Umrisse von Jason Stathams Oberkörper einzublenden. Mehr braucht es nicht, um in die Brachial-Action und den Rache-Plot des neuesten Star-Vehikels des athletischen Briten einzuführen. Wie die letzten Kinoauftritte des Actionstars – von „The Beekeeper“ bis „Shelter“ – erweist sich auch „Mutiny“ als ein solides, kurzweiliges B-Movie mit einfallsreich choreografierten und diesmal sogar ganz besonders blutigen Kampfszenen.
Cole Reed (Jason Statham) ist ein ehemaliger Polizist, der seit fünf Jahren als Sicherheitschef für den wohlhabenden Reeder Tibu Campallo (Ramon Tikaram) in Bangkok arbeitet. Als sie sich kennenlernten, rettete Cole seinem späteren Chef direkt das Leben. Seitdem behandelt ihn sein Boss wie ein Mitglied seiner eigenen Familie. Doch als Tibu seine Firma KMG verkaufen will, gerät er mit Cole in einen Hinterhalt und wird ermordet. Der Bodyguard beschließt, den Tod seines Chefs zu rächen und folgt einer heißen Spur bis auf Tibus Frachter „Artemis“. Bald stellt sich heraus, dass der Kapitän (Roland Møller) und seine Crew im Auftrag des Geschäftsmanns Daniels (Simon Kluth) heimlich Menschenhandel betreiben. Auf hoher See muss Cole nun gemeinsam mit der Schiffsoffizierin Angie (Annabelle Wallis) versuchen, die geschmuggelten Geiseln zu befreien, während sie sich zugleich durch eine ganze Armee von gewissenlosen Söldnern prügeln …
Leonine
„Mutiny“ machte zwei Tage vor seinem US-Kinostart unfreiwillig Schlagzeilen, als der ganze Film am 19. August 2026 versehentlich für circa zwei Stunden in bester Qualität auf Amazon Prime für Abonnent*innen kostenlos zu streamen war. Die technische Panne wurde zwar bald behoben, aber bis dahin war er natürlich schon längst heruntergeladen und auf den einschlägigen illegalen Streaming-Websites online gestellt worden. Dabei handelte es sich noch nicht einmal um eine Amazon-Eigenproduktion, stattdessen dürfte seitdem vor allem bei den eigentlichen Kinoverleihern (Lionsgate in den USA und Leonine in Deutschland) die Panik umgehen. Schließlich wirft die Panne noch stärker die Frage auf: Lohnt es sich, für die doch oft sehr ähnlichen Jason-Statham-Reißer noch ins Kino zu gehen?
Abgesehen von seiner Mitwirkung an bildgewaltigen Blockbuster-Franchises wie „Fast & Furious“ oder „The Expendables“ hat sich Jason Statham vor allem den (viel zu) selten gewordenen Mid-Budget-Produktionen wie „A Working Man“, „Cash Truck“ oder „Wild Card“ verschrieben. Er gehört also definitiv nicht in jene Kategorie in die Jahre gekommener Leinwandhelden, die jetzt nur noch in Masse schrottig-generische Actioner für den Direct-to-Streaming-Markt produzieren. Im Gegensatz zu mahnenden Beispielen wie Steven Seagal, Jean-Claude Van Damme oder John Travolta gibt sich Statham nämlich immer noch sichtbar Mühe. Seine Produktionen sind stets solide (und anständig budgetierte) Genrefilme, inszeniert von durchaus talentierten Filmemachern (Ric Roman Waugh, David Ayer, Guy Ritchie), die selbst aus etwas abgegriffenen Prämissen noch genug Atmosphäre, Tempo und unterhaltsam choreografierte Actionszenen herauskitzeln. Wir sagen deshalb ganz klar: Ja, der Kinoeintritt für Statham lohnt sich – und eigentlich sollte es sogar noch mehr Filme dieser Art geben!
Leonine
So und nicht anders ist das nun auch bei dem unterhaltsamen Hochsee-Action-Feuerwerk „Mutiny“. Abgesehen von dem einfallslosen Titel hat der schnörkellos in Szene gesetzte Action-Thriller genug Ideen, um nicht in der Masse ähnlicher Filme unterzugehen. Während die bemerkenswert hochkarätige Besetzung für die nötige Authentizität sorgt, setzt Regisseur Jean-François Richet besondere Akzente bei den packend inszenierten Kampfszenen. Jason Statham läuft hier einmal mehr zu physischer Hochform auf und zeigt, was man alles in die Wange eines Kontrahenten hauen kann oder wie man sich mit einem Handmesser gegen eine Axt wehrt, während man im selben Moment von einem Schiff herunterhängt.
Größere Überraschungen auf einer narrativen Ebene bleiben erwartungsgemäß aus. Die Auflösung der zentralen Verschwörung hinter dem Mord an Tibu kann man leicht vorhersehen. Dafür hat man hier besonderen Spaß daran, wie Richet und sein „Plane“-Kameramann Brendan Galvin immer neue Bilder und Blickwinkel finden, um den mit allerlei ja eigentlich gleich aussehenden Containern beladenen Frachter trotz einer gewissen visuellen Eintönigkeit als passendes Setting für eine solide „Stirb langsam“-Variation zu positionieren. Und beim finalen Showdown zwischen Jason Statham und Roland Møller wird noch einmal alles herausgeholt, von direkt in die Kamera spritzendem Blut bis hin zum Gebrauch aller nur denkbaren Mordinstrumente.
Fazit: Die Story von „Mutiny“ klingt eher nach einem Direct-to-Streaming-Actioner von der Stange. Aber wie fast immer bei Jason Statham erweist sich der Film auch diesmal wieder als grundsolider, gut besetzter Kracher unter der Leitung eines erprobten Action-Regisseurs. Der wie immer verlässlich-dynamische Jason Statham fungiert damit weiterhin als menschlicher Qualitätsstempel für kurzweilig-geradliniges Krachbumm-Kino der nicht-zu-schrottigen Sorte.