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    Tom Clancy's Gnadenlos
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Tom Clancy's Gnadenlos

    Rainbow Six Origins

    Von Christoph Petersen
    Der für seine actionlastigen Militär-Thriller bekannte Bestsellerautor Tom Clancy („Jagd auf Roter Oktober“) ist auch acht Jahre nach seinem Tod so angesagt wie eh und je: Von der aufwändig produzierten „Jack Ryan“-Serie mit John Krasinski erscheint bei Amazon demnächst die dritte Staffel – und die Videospielreihe „Rainbow Six“ erlebt selbst 23 Jahre nach Erscheinen des ersten Teils immer neue Popularitätsspitzen. Kein Wunder also, dass Amazon seinen neuen Action-Thriller, der eigentlich regulär in den Kinos laufen sollte, aber dann aufgrund der Corona-Pandemie an die Prime-Video-Abteilung des Versandriesen verkauft wurde, überall als „Tom Clancy’s Without Remorse“ beziehungsweise in Deutschland als „Tom Clancy’s Gnadenlos“ ankündigt. Mit dem Namen des Autors lässt sich eben mächtig Reibach machen …

    … wobei der Film mit dem gleichnamigen Roman von 1993, der im selben literarischen Universum wie die „Jack Ryan“-Abenteuer angesiedelt ist, kaum noch mehr als den Namen des Navy-SEAL-Protagonisten John Kelly gemein hat. Stattdessen entpuppt sich der von „Sicario“-Autor Taylor Sheridan verfasste und von „Suburra“-Regisseur Stefano Sollima inszenierte „Gnadenlos“ als zwar sauber produzierter und stark besetzter, aber wenig überraschender oder innovativer Rachefeldzug-Actioner, bei dem schon ein Blick auf die Besetzungsliste reicht, um das wahre Mastermind hinter der potenziell in einem Dritten Weltkrieg mündenden Verschwörung korrekt vorherzusagen. Diese auffällige Einfallslosigkeit könnte durchaus auch damit zusammenhängen, dass die Macher im Kopf schon einen Schritt weiter waren – denn „Gnadenlos“ ist nicht nur ein für sich stehender Militär-Thriller, sondern legt zugleich auch den Grundstein für ein potenzielles „Rainbow Six“-Franchise.

    John Kelly (Michael B. Jordan) und seine Vorgesetzte Karen Greer (Jodie Turner-Smith) sitzen ganz schön in der Scheiße ...


    Drei Monate sind nach einer nicht ganz nach Plan verlaufenen Geiselbefreiung in der zerbombten syrischen Großstadt Aleppo vergangen. Die am Einsatz beteiligten Navy SEALs sind längst wieder zurück in der amerikanischen Heimat – wo sie in einer koordinierten Aktion grausam ermordet werden. Nur Sr. Chief John Kelly (Michael B. Jordan) überlebt, verliert bei dem Attentat aber seine Frau Pam (Lauren London) und seine ungeborene Tochter.

    Der Ex-Marine sinnt auf Rache – aber während der CIA-Offizier Robert Ritter (Jamie Bell) und seine Team-Leiterin Karen Greer (Jodie Turner-Smith) davon abraten, Kelly weiter einzusetzen, besteht der verantwortliche Staatssekretär Clay (Guy Pearce) darauf, dass er seine Chance auf Rache bekommen soll. Die Suche nach den Hintermännern führt dabei schnurstracks in die russische Hafenstadt Murmansk…

    Verhör im brennenden Auto


    Mit seinen einst für „Creed“ antrainierten Muskeln schindet „Black Panther“-Bösewicht Michael B. Jordan ohnehin mächtig Eindruck – aber in „Gnadenlos“ kommt nun auch noch eine No-Nonsense-Attitüde hinzu, die dem Titel des Films tatsächlich alle Ehre macht: Weil er eine Information von einem russischen Politiker braucht, dieser aber diplomatische Immunität genießt, rammt Kelly dessen Wagen in aller Öffentlichkeit vor dem Washingtoner Flughafen. Er überschüttet das Fahrzeug mit Benzin, zündet es an – und setzt sich dann seelenruhig zu seiner Zielperson ins brennende Auto, dessen Scheiben durch die Hitze bereits zu zerbersten drohen. Es ist ihm schnurzpiepegal, dass er im besten Fall im Knast landen und noch wahrscheinlicher sogar selbst sein Leben verlieren wird.

    Michael B. Jordan verkörpert so auf kongenial-archaische Weise den typischen Clancy-Helden, der als einsatzgestählter Soldat sehr viel besser als die ganzen Sesselpupser in den Behörden weiß, wie man die Dinge – notfalls auch außerhalb der Gesetze – wirklich geregelt bekommt. Wo Tom Clancy draufsteht, da ist immer auch pro-militärischer Populismus drin – und „Gnadenlos“ überzeugt vor allem immer dann, wenn Regisseur Sollima seinen Protagonisten von der Leine lässt und ihn seine Ich-mache-keine-Gefangenen-Mission professionell und geradlinig durchziehen lässt. Also ja: Wenn „Gnadenlos“ tatsächlich ein ganzes Franchise starten sollte, dann wäre dieser John Kelly ein passender Protagonist und Michael B. Jordan der passende Star.

    ... aber ein echter Navy SEAL gibt niemals auf (zumindest nicht in einer Story von Tom Clancy).


    Aber bevor es dazu kommt, hat „Gnadenlos“ abseits der Verheißung von „Mehr“ einfach nicht genug zu bieten, um über solides Mittelmaß hinauszukommen: Die für den Film trotz Romanvorlage quasi von Grund auf neu erdachte Story ist von der ersten bis zur letzten Minute eine Malen-nach-Zahlen-Verschwörungsgeschichte – und die allgemeine Vorhersehbarkeit bezieht sich dabei nicht nur auf die wahre Identität der Strippenzieher. Die Action-Szenen beschränken sich mit Ausnahme einer aufwändig inszenierten Sequenz an Bord eines gerade im Meer versinkenden Passagierflugzeugs weitestgehend – und das passt ja durchaus zu Tom Clancy – auf taktische Shootouts in Wohnblöcken.

    Diese geht Stefano Sollima zwar – wie auch schon in „Sicario 2“ – mit einigem inszenatorischen Geschick und vor allem dem nötigen Wumms an. Aber da abseits von John Kelly keiner der Beteiligten den Raum bekommt, so etwas wie ein eigenes Profil zu entwickelt, bleibt einem das Schicksal des Teams und seiner Mitglieder als Zuschauer leider ziemlich egal. Besonders schade ist das bei der von Shootingstar Jodie Turner-Smith („Queen & Slim“) verkörperten Karen Greer, die auch schon ohne jede Hintergrundstory ziemlich faszinierend anmutet. Da müsste sich John Kelly in eventuellen Sequels wohl doch noch mehr zum Teamplayer entwickeln – denn so bleibt wie seine Mitstreiter auch der ganze Film ein wenig blass.

    Fazit: „Tom Clancy’s Gnadenlos“ ist ein Film wie das nächste „Call Of Duty“ – ein handwerklich überzeugender, streckenweise mit ordentlich Schmackes inszenierter, aber dabei weder sonderlich innovativer noch überraschender Militär-Shooter.

    PS: Beim Abspann besser bis zur Mid-Credit-Szene sitzenbleiben – vor allem „Rainbow Six“-Fans werden hier auf ihre Kosten kommen…

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