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    Der Plan
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Der Plan
    Von Asokan Nirmalarajah

    Der Mystery-Thriller „Der Plan" wirkt oft, als würde seine Handlung in den 50er oder 60er Jahren spielen, obwohl er in der Gegenwart angesiedelt ist. Schon das Filmplakat, auf dem Matt Damon und Emily Blunt panisch den haushohen Schatten ominöser Männer mit Hut zu entkommen versuchen, erinnert an Suspense-Klassiker wie „Der unsichtbare Dritte", in denen ein Mann mit einer schönen Frau im Schlepptau vor unbekannten Mächten flieht. Auch der Trailer, in dem ein Politiker sein Liebesglück mit einer Tänzerin findet und später den Machenschaften eines rätselhaften Männerbundes in altmodischen Anzügen auf die Spur kommt, dessen Mitglieder ihn seltsamerweise dazu auffordern, seine Liebe für das Wohl der Welt aufzugeben, mutet wie der Auftakt einer Folge der Mystery-Serie „Twilight Zone" aus den 1960ern an. Tatsächlich basiert „Der Plan" lose auf der 1954 veröffentlichten Kurzgeschichte „Adjustment Team" von Philip K. Dick, in der ein Immobilienmakler durch Zufall Zeuge wird, wie sein Arbeitsplatz von Zeit zu Zeit durch unsichtbar operierende Kräfte „adjusted" (also: „korrigiert") wird, um durch eine subtile Kursberichtigung bedeutende Ereignisse in der Zukunft zu beeinflussen. Kurz: Der romantische Thriller, mit dem Drehbuchautor George Nolfi sein bemerkenswert souveränes, elegant gestaltetes Regiedebüt abliefert, weist viele Charakteristika einer klassischen Hollywoodproduktion aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts auf. Er ist in Sachen Figurenzeichnung, Tempo und Weltanschauung angenehm schnörkellos und im besten Sinne altmodisch.

    Im Zentrum der gradlinig und ohne große Überraschungen erzählten Geschichte steht der beliebte Kongressabgeordnete David Norris (Matt Damon), der aufgrund eines Skandals aus seiner College-Zeit eine Wahl zum Senator verliert. Damit er seine vielversprechende politische Karriere deshalb nicht gleich an den Nagel hängt, schalten sich die identisch gekleideten Mitarbeiter des Adjustment Bureaus ein und spielen - streng nach einem von ihrem „Vorgesetzten" ausgeheckten Plan - Schicksal. Auf Anordnung des erfahrenen Richardson (John Slattery) orchestriert der junge Agent Harry (Anthony Mackie), der Norris schon längere Zeit beobachtet, eine scheinbar zufällige Begegnung mit der professionellen Tänzerin Elise (Emily Blunt) auf einer Herrentoilette. Und der Plan geht auf: Die aufgeweckte Elise inspiriert David dazu, an seinen politischen Ambitionen festzuhalten. Doch die Agenten unterschätzen die Liebe, die in David in den wenigen Minuten heranreift. Das stand so nicht im Plan und rüttelt diesen mächtig durcheinander. Als David trotz Drohungen nicht von Elise lassen will, schaltet sich Adjustment-Veteran Thompson (Terence Stamp) ein, um eine Kurskorrektur vorzunehmen...

    Wer sich an diesem Punkt in der extrem abwechslungsreichen Geschichte, die romantisch-verspielt beginnt, um dann in kafkaeske Welten abzutauchen und letztlich in einer Verfolgungsjagd à la Hitchcock zu gipfeln, an Filme wie „Dark City" oder „The Matrix" erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch und doch irgendwie daneben. Wie in den genannten dystopischen Science-Fiction-Klassikern ist auch hier der handlungstragende Konflikt der zwischen der individuellen Selbstbestimmung des Helden und der institutionellen Fremdbestimmung durch ein mysteriöses System und seine Schergen. Doch weder handelt es sich bei den drolligen Männern vom Adjustment Bureau um hässliche glatzköpfige Außerirdische, kampfsporterfahrene Computerprogramme oder insektenartige Maschinen, noch entpuppt sich Norris als mit übernatürlichen Kräften ausgestattete Messiasfigur.

    Der Mystery-Plot ist schnell zu durchschauen, aber der merklich gealterte Matt Damon liefert davon ganz unabhängig eine gelungene Performance ab: Gerade sein ebenso komplexes wie ambivalentes Politikerporträt zu Beginn hätte sogar für einen eigenen Film gereicht. George Nolfi, der für den Star bereits die ungleich kommerzielleren Drehbücher zu „Ocean's Twelve" und „Das Bourne Ultimatum" geschrieben hat, filmt seinen Protagonisten zumeist in großen leeren Räumen, um die Einsamkeit und innere Leere des Jungpolitikers einzufangen. Was David fehlt, ist die Liebe - den Film bringt diese indes immer wieder ins Stocken. Denn die spleenige Romanze zwischen Matt Damon und der fehlbesetzten Emily Blunt („Der Teufel trägt Prada"), die keine rechte Verbindung zu ihrem Leinwandpartner aufbaut, aber dafür zumindest mit drahtigen Tanzbewegungen beeindruckt, hat mit einigen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Die Liebe auf den ersten Blick nimmt man den beiden nicht wirklich ab und die späteren Flirts kranken an allzu flachen Dialogen. Lediglich die Verzweiflung der Liebenden, die sich bei ihrem Endspurt an die Spitze des Adjustment Bureaus im packenden Finale einstellt, sorgt für die notwendige romantische Spannung, die dem von George Nolfi sehr behutsam und etwas ausschweifend erzählten Film von Anfang an gut gestanden hätte.

    Der Zuschauer bleibt dem großen Rätsel hinter dem Adjustment Bureau gegenüber eher gleichgültig eingestellt – selbst wenn das Szenenbild noch so schön, John Tolls Bildgestaltung noch so atmosphärisch und die Arbeit der Spezialeffektabteilung noch so subtil und stimmig geraten ist. Trotzdem bleibt die Hochglanzproduktion sehenswert, nicht zuletzt auch wegen der soliden Nebendarstellerriege, aus der vor allem John Slattery herausragt. Zwar spielt dieser hier nur eine leicht abgewandelte Version seiner wortgewandten Kultfigur Roger Sterling aus der Fernsehserie „Mad Men", bildet mit seiner gelassenen Mimik und seiner aggressiven Selbstironie aber dennoch einen herrlichen Kontrast zu seinen ernsthafteren Kollegen vom Adjustment Bureau, dem extrem feinfühligen Anthony Mackie („The Hurt Locker") und dem diabolisch unterkühlten Terence Stamp („Wanted").

    Fazit: „Der Plan" ist als Mysteryfilm letztlich nicht komplex, als Liebesfilm nicht romantisch und als Thriller nicht rasant genug, um bis zu seiner unspektakulären, aber doch konsequenten Auflösung durchgängig zu fesseln. Aber er bietet zumindest anderthalb Stunden solide Unterhaltung und am Ende einen schönen Tribut an die Kraft der Liebe und des freien Willens.

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