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    Der Lorax
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Der Lorax
    Von Christoph Petersen

    In den USA längst eine kulturelle Institution, kennt man in Deutschland zwar die Verfilmungen seiner Bücher „Der Grinch" oder „Ein Kater macht Theater", aber Theodore Geisel alias Dr. Seuss (1904 bis 1991) selbst ist hierzulande wohl trotzdem nur den wenigsten ein Begriff. Dass dem so ist, liegt vor allem daran, dass der Autor seine Kinderbücher stets in einer speziellen Reimform verfasst hat, die sich nicht so leicht ins Deutsche übertragen lässt. Aber das sollte niemanden davon abhalten, zumindest die Verfilmungen seiner fantasievollen und farbenprächtig illustrierten Fabeln für sich zu entdecken. Denn auch Chris Renauds „Der Lorax", der in den USA einen der erfolgreichsten Nicht-Fortsetzungs-Animationsfilm-Kinostarts aller Zeiten hingelegt hat, überzeugt ebenso wie die vorangegangene Dr.-Seuss-Verfilmung „Horton hört ein Hu!" als lehrreiches, aber deshalb keinesfalls langweiliges Leinwandabenteuer, das zudem noch mit einem ganz besonderen Clou aufwartet: Hollywood-Star Danny DeVito („Twins", „Schnappt Shorty") hat es sich nämlich nicht nehmen lassen, der schnurrbarttragenden Titelfigur nicht nur in der US-Version, sondern auch in der deutschen Fassung seine unverwechselbare Stimme zu leihen.

    Thneedville ist eine Stadt, aus der jegliche Natur vertrieben wurde. Die Pflanzen sind aus Kunststoff und der gerissene Geschäftsmann Aloysius O'Hare (Originalstimme: Rob Riggle) scheffelt Millionen damit, in Plastikflaschen abgefüllte Frischluft zu verkaufen. Hier lebt auch der Teenager Ted (Zac Efron), der unbedingt das Herz seiner Angebeteten Ashley (Taylor Swift) für sich erobern will. Deren größter Wunsch ist es, einmal einen echten Baum zu Gesicht zu bekommen. Also verlässt Ted Thneedville, um in der davorliegenden Brachlandschaft nach dem geheimnisvollen Once-ler (Ed Helms) Ausschau zu halten. Denn dieser soll angeblich wissen, was mit all den Bäumen geschehen ist. Und tatsächlich erzählt der Once-ler Ted seine Geschichte: Als junger Mann machte er eine Erfindung, die sich schnell zu einem unerreichten Verkaufsschlager entwickelte. Doch um die Erfindung herzustellen, musste er immer mehr Truffula-Bäume abholzen - und selbst die eindringlichen Warnungen des aufdringlichen Lorax (Danny DeVito) konnten ihn nicht davon abhalten...

    Als Reaktion auf die Veröffentlichung des von ihnen als einseitig industriefeindlich eingestuften Buches „Der Lorax" im Jahre 1971 legten mehrere Holzindustrie-Verbände zusammen, um im Gegenzug das Buch „The Truax" (könnt ihr euch hier ansehen) zu finanzieren. In diesem sind die Baumfäller die Guten und die Umweltschützer die Bösen, die mit ihren Anti-Baumfäll-Aktionen viel zu kurz denken. Aber so simpel, wie die Lobbyisten sie abtun, ist die Moral von der Geschicht‘ weder im Buch noch in der Verfilmung: Es ist keine blauäugige Kuschel-Öko–Moral, sondern eine - für die Flower-Power-Ära schon sehr fortschrittliche - Lektion in Nachhaltigkeit und dem gemäßigten Umgang mit dem, was uns die Natur bietet. Dr. Seuss hat es aber selbst wohl am besten beschrieben: „Der Lorax sagt nicht, dass Bäumefällen unmoralisch ist. Ich lebe selbst in einem Holzhaus und die von mir geschriebenen Bücher werden auf Papier gedruckt. Es geht in dem Buch vielmehr darum, mit unseren Ressourcen vernünftig umzugehen. Es ist Anti-Umweltverschmutzung und Anti-Gier."

    Aber genug von der Moral, schließlich wollen ja gerade Kinder im Kino vor allem eins: möglichst viel Spaß haben. Und auch der kommt in „Der Lorax" nicht zu kurz. Regisseur Chris Renaud und sein Produzent Christopher Meledandri haben bereits gemeinsam die Animations-Komödie „Ich - Einfach unverbesserlich" auf die Beine gestellt. Und die ist uns vor allem aufgrund der kultigen gelben Minions, die im ersten Teaser zu „Ich - Einfach unverbesserlich 2" wieder eine ziemlich amüsante Musiknummer zum Besten geben, in Erinnerung geblieben. Auch in „Der Lorax" gibt es erneut solche amüsanten Nebenfiguren, diesmal in Form einer Armee von großäugigen Mini-Bären, die ebenso süß wie lustig sind – und so nebenbei auch noch einen passenden Gegenpol zum griesgrämig-trockenen Humor des Lorax bieten. Dass Danny DeVito den Witz seiner Figur auch in der deutschen Fassung hervorragend rüberbringt, obwohl er beim Einsprechen gar nicht verstanden hat, was genau er da gerade eigentlich sagt, ist schon beeindruckend. Und dass sein amerikanischer Akzent dabei natürlich trotzdem durchscheint, ist auch kein Problem, schließlich ist der Lorax sowieso ein fremdartiges Wesen, da passt die Sprachfärbung im Gegenteil sogar ausgesprochen gut.

    Was die Animationen angeht, musste Chris Renaud eigentlich nur noch die Steilvorlage der von Dr. Seuss selbst entworfenen Illustrationen aus dessen Buch verwandeln – und der Regisseur weiß diese auch zu verwerten. Sowohl der grummelig-knuffige Lorax als auch die farbenfrohen Truffula-Wälder machen auf der Leinwand richtig was her. Das 3D ist ebenso gelungen, wobei sich die Zahl der bewusst auf die dritte Dimension ausgelegten Szenen (darunter ein schmackhafter Marshmallow-Regen) in Grenzen hält. Damit bleibt das Charakterdesign der menschlichen Figuren für uns das einzige Manko – die sehen zwar auch nicht schlecht, aber doch arg austauschbar aus.

    Fazit: „Der Lorax" hat eine sympathisch vertretene Naturschutz-Botschaft, das ist schon mal gut. Aber noch besser ist, dass er zudem auch noch eine Menge Spaß macht.

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