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    Beautiful Disaster
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Beautiful Disaster

    Mitten ins Herz und voll auf die Zwölf

    Von Gaby Sikorski

    Ein guter Schuss Romantik, Liebesweh und Eifersucht, dazu ein Hauch – oder sogar etwas mehr – prickelnde Erotik, jede Menge Action und all das in einem halbwegs realistischen Umfeld zwischen Familie, College, Uni und Beruf: Das nicht mehr ganz so neue New-Adult-Subgenre bietet alles, was das Herz einer jungen und vorwiegend weiblichen Lederschaft begehrt. So dauerte es auch nicht lange, bis die ersten Verfilmungen die Kinos eroberten. Zu der Erfolgsstory gehören vor allem die Romane der „After“-Reihe von Anna Todd, die sie zuerst auf der E-Book-Plattform Wattpad veröffentlichte, bevor sie dann erst im zweiten Schritt zu internationalen Bestsellern avancierten. Inzwischen gibt es bereits vier Filme der Reihe, zuletzt „After Forever“ (2022). Auf den fünften Teil, der wohl bereits abgedreht ist, müssen die Fans sicher auch nicht mehr allzu lange warten.

    Perfect Addiction“, ebenfalls basierend auf Wattpad-Veröffentlichungen und als Romanserie ähnlich erfolgreich wie die „After“-Reihe, kam da gerade rechtzeitig, um die Wartezeit auf die „After Passion Next Generation“-Fortsetzung zu überbrücken. Und nun also „Beautiful Disaster“, der gleich mehrere Erfolgsrezepte des Genres in sich vereint: eine leidenschaftliche Liebesgeschichte inklusive sämtlicher nur denkbaren Höhen und Tiefen, das ganze gepaart mit actionbetonten MMA-Kampfszenen und gewürzt mit etwas Outlaw-Atmosphäre.

    Zudem ist der Autor und Regisseur Roger Kumble ein erfahrener Geschichtenerzähler, der bereits 1999 mit dem Kultfilm „Eiskalte Engel“ sein Talent für die Inszenierung junger Schauspieltalente ebenso unter Beweis stellte wie seinen Hang zur Ironie und eine ausgeprägte Begabung für ausgefuchste, knackige Dialoge. Er führte zudem Regie bei „After Truth“, weshalb „Beautiful Disaster“ für ihn auch ein Wiedersehen mit einigen Stars aus den „After“-Filmen bietet, allen voran Dylan Sprouse, dessen jungenhafter Charme auch hier seine Wirkung nicht verfehlen dürfte. Alles ist also genau auf das Zielpublikum zugeschnitten. Aber ob „Beautiful Disaster“ an den Erfolg der „After“-Reihe anknüpfen kann?

    Selbst wenn sie zunächst nichts von ihm wissen will – natürlich können Abby (Virginia Gardner) und Travis (Dylan Sprouse) irgendwann doch nicht länger die Finger voneinander lassen…

    Ein neuer Anfang – für Abby (Virginia Gardner) bedeutet der Wechsel an die Uni mehr als für die meisten anderen, die ihr Studium beginnen und sich vom Elternhaus abnabeln wollen. Abby wünscht sich endlich ein normales Leben. Doch noch bevor sich die Gelegenheit ergibt, mehr über Abbys geheimnisvolle Vergangenheit zu erfahren, wird sie gleich am ersten Abend von ihrer besten Freundin America (Libe Barer) und deren Freund Shepley (Austin North) zu einem illegalen Underground-Boxkampf mitgeschleppt. Und da passiert’s: Abby trifft Travis (Dylan Sprouse), ein Blick, und schon ist es um sie geschehen. Doch Abby will das nicht wahrhaben, im Gegenteil:

    Schon dass Travis, der gefeierte MMA-Kämpfer, auch noch der angesagteste Womanizer der ganzen Uni ist, stößt sie sogar ziemlich ab. Dass er aber ganz offensichtlich auch noch versucht, sich zu allem Überfluss bei ihr einzuschmeicheln, macht sie richtiggehend wütend. Sie schaltet auf Abwehr, doch irgendwie lässt sich Travis dadurch gar nicht so richtig beeindrucken. So kommt es schließlich zu einer fatalen Wette: Wenn Travis seinen nächsten Kampf verliert, wird er sie nicht mehr belästigen. Sollte er aber gewinnt, soll Abby einen Monat lang mit ihm zusammenziehen. Abby wirft einen Blick auf den muskelbepackten Gegner und willigt leichten Herzens ein. Nach ihrer Ansicht kann Travis froh sein, wenn er diesen Kampf lebend übersteht. Tatsächlich gewinnt Travis und Abby muss ihre Wette einlösen. Doch dass sie bei Travis einzieht, bedeutet für Abby erst einmal gar nichts. Im Gegenteil: Sie stellt sich stur – und so wird aus dem Zusammenleben ein ziemlich aufreibendes Katz-und-Maus-Spiel. Zumindest bis Abby von ihrer Vergangenheit eingeholt wird…

    Wie der junge Brad Pitt

    Hier ist alles dran und alles drin: Liebe, Sex, Leidenschaft und Eifersucht – es prickelt und knistert an allen Ecken und Enden wie in einem wahr gewordenen 50er-Jahre-Teenie-Traum … insgesamt eine erstaunlich altmodische Sicht auf das studentische Leben, ganz ohne intellektuelle Auseinandersetzungen, ohne #MeToo und Diversität, aber dafür mit einer wirkungsvollen Ästhetik: Junge, schöne Männer präsentieren ihre Muskeln und Waschbrettbäuche, allen voran Dylan Sprouse, der in seinem Spiel und in seiner physischen Präsenz gelegentlich an den jungen Brad Pitt erinnert.

    Einen großen Teil seiner Anziehungskraft verdankt er vermutlich ebenfalls einem ausgeprägt jungenhaften Charme. Ähnlich intensiv, aber weniger suggestiv ist Virginia Gardners Ausstrahlung: eine Mischung aus Unschuld und Koketterie, die perfekt zu ihrem engelsgleichen Aussehen passt. In Stressmomenten zeigt sie eine gewisse Neigung zur Tollpatschigkeit, was sie zusätzlich sympathisch macht. Die beiden Jungstars spielen ihre Rollen mit viel Tempo und Einsatz. Zwischen ihnen stimmt die sprichwörtliche Chemie, auch wenn das ganze Hin und Her zwischen Abby und Travis irgendwann leicht unglaubwürdig wirkt. Das Sie-kriegen-sich-oder-vielleicht-doch-nicht-Spiel zwischen den beiden wird hier bis zum Gehtnichtmehr ausgereizt.

    In gewisser Weise erinnert uns Dylan Sprouse in „Beautiful Disaster“ an den jungen Brad Pitt…

    Das alles ist handwerklich sauber und durchaus humorvoll gemacht, mit vielen visuellen und akustischen Gags. Die temporeiche Inszenierung (auch der gar nicht mal so prüden Sexszenen), die Bildgestaltung, der Schnitt, der Soundtrack: alles passt zusammen. So könnte „Beautiful Disaster“ eigentlich eine zumindest teilweise witzige College-RomCom sein und bleiben, wenn da nicht das große Geheimnis um Abbys früheres Leben mit ihrem Vater wäre, das sie irgendwann wieder einholt. Plötzlich ist Schluss mit der amüsanten Teenie-Love Story – und praktisch ohne Ansage findet sich das Publikum in einer Las-Vegas-Gangster-Geschichte wieder, in der Abby gezwungen wird, um das Leben ihres Vaters zu kämpfen. Das kommt alles sehr abrupt – fas als ob hier plötzlich ein ganz neuer Film beginnen würde.

    Die Atmosphäre wechselt von einem Moment zum anderen von leicht und flockig auf hart und düster, und die Absicht ist klar: Es soll noch einmal Spannung aufgebaut werden. Dafür verzichtet Roger Kumble leider auf einen Teil des Charmes und des Humors, die den ersten Teil des Films zumindest partiell ausmachten. Der leicht hanebüchene Krimiplot um Abby und ihren Vater wirkt beinahe wie rangeklatscht an die Liebesgeschichte und macht aus dem Film eine Art Teenie-Soap, bei der dann alles abgefeuert wird, was nur möglich ist – vielleicht als Zugeständnis an ein seriengewohntes TV-Publikum. Mit etwas mehr Mut und dramaturgischem Geschick wäre hier möglicherweise die komödiantische Weiterführung der Geschichte in eine Krimistory möglich gewesen. Aber so wirkt das alles doch eher unpassend.

    Fazit: „Beautiful Disaster“ ist eine handwerklich saubere College-Action-Soap nach dem Erfolgsrezept von „Perfect Addiction“ und den „After“-Filmen. Die komödiantischen Elemente und die Leichtigkeit der Teenie-RomCom aus den ersten 45 Minuten weichen in der zweiten Hälfte allerdings einem Krimiplot, der beinahe wie ein neuer Film wirkt und den Eindruck verstärkt, dass hier vor allem die Sehgewohnheiten eines TV-affinen Serienpublikums befriedigt werden sollen.

     

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